Kunstpause: Blickwinkel von Ina Schoenenburg Erinnerung an die eigene Kindheit

Für die Worpsweder Kulturbeauftragte Klaudia Krohn symbolisiert ein Werk von Ina Schoenenburg das weitestgehend auf die Familie reduzierte Leben während der Corona-Krise.
05.05.2020, 11:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Cornelia Hagenah

Die Museen und Galerien sind derzeit geschlossen. Die Besucher können nicht zur Kunst – aber die Kunst kann zum Besucher. Entweder virtuell oder in der Zeitung. Die Redaktion hat Menschen aus der Region, die professionell Kunst zeigen, darum gebeten, ihr Lieblingsbild auszusuchen und zu erzählen, warum sie gerade dieses ausgewählt haben. Diese kleinen „Kunstpausen“ erscheinen in loser Folge in der WÜMME-ZEITUNG.


Worpswede. Mehrfach ist Klaudia Krohn durch die aktuelle Ausstellung in der Galerie Altes Rathaus gegangen, bevor sie sich für ein Werk entschied. Zu Recht sei der Otto-Steinert-Preis, der im Rahmen des Fotofestivals Raw unter dem Motto „Fokus Nachwuchs“ in ihrer Galerie derzeit zu sehen wäre, an den Fotografen Rafael Heygster gegangen, findet sie, dennoch bewegt sie ein Werk der Serie Blickwechsel von der Künstlerin Ina Schoenenburg am meisten.

Es ist eine persönliche, situationsgebundene Entscheidung. Die Serie Blickwechsel, mit der sich Ina Schoenenburg seit 2011 beschäftigt, wecke bei ihr Kindheitserinnerungen. „Mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern bin ich auf dem Land aufgewachsen, wir haben Ausflüge gemacht, waren im Wald und in den Wiesen“, sagt sie in Erinnerung an ihre Kindheit in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Gerade in der jetzigen Situation sei man auf die Familie reduziert.

Sie ist fasziniert von der Aussagekraft, die diese jüngst entstandenen fotografischen Werke gerade in dieser Zeit haben. „Ina Schoenenburg ist in der DDR aufgewachsen“, erzählt die Kulturbeauftragte, vieles sei wiedererkennbar. „So wie es auch hier aussah“, sagt sie. Aber es seien eben gestellte Fotografien, die Schoenenburg von ihrer Familie und auch sich selbst als ein Langzeitprojekt angelegt habe, so Krohn.

Gerade in der in der Corona-Krise sei man enger an die eigene Familie gebunden, vieles reduziere sich jetzt auf deren Mitglieder. So viele Familien, die jetzt gemeinsam rausgehen oder Fahrradfahren habe sie sonst nicht wahrgenommen. Krohn fügt pragmatisch an: „Man sitzt in einem Boot.“

Aber auch unter künstlerischen Gesichtspunkten werfe das Werk, in dem sich die Mutter der Künstlerin mit ihrer Tochter zusammen mit dem Hund in einem Boot befinden, einige Fragen auf. „Fährt oder liegt das Boot? Wohin schauen die Personen im Bild?“, so Krohn. Während bei der Realisierung der Fotoserie für die Künstlerin die Frage, wie die einzelnen Familienmitglieder zu einander stehen und wie ambivalent Beziehungen und Gefühle, in die man hineingeboren werde, sein können, im Vordergrund steht, spiegelt für Krohn diese Fotografie die jetzige Situation wider. Sie hofft, dass Besucher irgendwann die Ausstellung in der Galerie Altes Rathaus doch noch erleben können und vielleicht ähnliche Empfindungen bei dem Anblick des Bildes haben werden.

Info

Zur Person

Klaudia Krohn

ist Kulturbeauftragte der Gemeinde Worpswede und verantwortlich für das Programmd der Galerie Altes Rathaus an der Bergstraße.

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