Kunstpause Ein Bild als Dankeschön für freundschaftliche Herberge

Sigrun Kaufmann macht den Auftakt in unserer neuen Reihe Kunstpause. Sie zeigt Lisel Oppels Gemälde „Bauernhof Poppe“ aus dem Worpsweder Museum am Modersonhn Haus
30.03.2020, 18:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Cornelia Hagenah

Die Museen und Galerien sind derzeit geschlossen. Die Besucher können nicht zur Kunst – aber die Kunst kann zum Besucher. Entweder virtuell oder in der Zeitung. Die Redaktion hat Menschen aus der Region, die professionell Kunst zeigen, darum gebeten, ihr Lieblingsbild auszusuchen und zu erzählen, warum sie gerade dieses ausgewählt haben. Diese kleinen „Kunstpausen“ erscheinen in loser Folge in der WÜMME-ZEITUNG.


Worpswede. Stillstand gibt es bei Sigrun Kaufmann vom Museum am Modersohn-Haus nicht. Die letzten Vorbereitungen für die neue Ausstellung „…fast jeden Tag male ich – Lisel Oppel (1897-1960)“, die jetzt im Untergeschoss des Hauses eröffnet werden sollte, sind fast abgeschlossen. Zu sehen werden sie erst später sein, aber auf ein Werk, das ihr besonders ans Herz gewachsen ist, möchte Sigrun Kaufmann schon jetzt verweisen: 1944 entstand das Gemälde „Bauernhof Poppe“, und, so betont Kaufmann, es war wohl noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen. Es ist eine Leihgabe von Gustav Poppe aus Pennigbüttel, der es spontan nach einem Bericht in der WÜMME-ZEITUNG zur Verfügung stellte. „Ich war total überrascht, als ich gleich am nächsten Tag nach dem Aufruf einen Anruf von ihm bekam“, erzählt Kaufmann. Sie kannte Poppe von früher, aber man habe lange nichts mehr voneinander gehört, sie kennt auch seinen Hof, aber war erstaunt, dass er zwei Werke von Lisel Oppel hatte.

Jetzt ist die Freude groß, Kaufmann hat das Bild noch einmal reinigen lassen und so hängt das kleine Format jetzt in der Ausstellung. Ebenso begeistert über das Werk, das den reetgedeckten Hof der Familie Poppe als zentrales Bildmotiv zeigt, ist sie über die Geschichte, die auf die Entstehung des Bildes zurückführt. Gustav Poppes Großmutterwar mit Lisel Oppel befreundet und diese, so gibt Kaufmann die Geschichte weiter, habe in den Hof Poppe eingeheiratet und sei nach Pennigbüttel gezogen. Lisel Oppel hatte im Frühsommer 1944 eine Beziehung zu dem französischen Kriegsgefangenen Léon Cambray in Werschenrege oder Lesumstotel, und um per Fahrrad dorthin zu gelangen, habe Oppel immer auf dem Hof Poppe in Pennigbüttel bei Ihrer Freundin übernachtet. „Das liegt fast auf halber Strecke“, erzählt Kaufmann. Man wisse ja, dass Oppel gut vernetzt gewesen sei und oft für Zigaretten und Lebensmittel im Tausch gemalt habe, aber dieses sei ein ganz persönlicher Dank. Später habe sie noch einmal ein Porträt der Tochter gemalt, auch das hängt jetzt als Leihgabe im Museum. Wenn Kaufmann an die Künstlerin denkt, deren Werk sie jetzt zum 60. Todesjahr mit einer Retrospektive würdigen will, ist sie voll Bewunderung: „Wie Oppel sich in dieser Zeit durchgeschlagen hat, das ist absolut beeindruckend!“

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