Vergleich vor dem Landgericht Künstler erstreitet Preisgeld

Schwere Zeiten für Albin Homeyer: Zuerst untersagte ihm das Landgericht seinen „Kunstpreis Worpswede“ weiterhin so zu nennen, dann erstritt in einem zweiten Verfahren ein Künstler ein ausstehendes Preisgeld.
22.06.2020, 00:12
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lars Fischer

Worpswede/Verden. Die Mühlen der Justiz mahlen zuweilen langsam, aber sie mahlen. Rund drei Jahre nach dem Eklat von Einbeck hat nun erstmals ein Künstler vor Gericht zumindest einen Teilerfolg gegen Albin Homeyer erzielt. Wie berichtet, war dort im Jahr 2017 ein „Kunstpreis Worpswede“ von einem Isernhagener Kunstverein verliehen worden, die ausgelobten Preisgelder in Höhe von rund 20 000 Euro aber wurden nicht ausgezahlt. Initiator des Preises war Homeyer, der auch im Jahr zuvor und in den Jahren danach mit wechselnden ausrichtenden Institutionen das Projekt betrieb.

In der vergangenen Woche hatte bereits die Gemeinde Worpswede gegen ihn vor dem Landgericht Verden ein sogenanntes Versäumnisurteil erstritten. Demnach ist es Homeyer nun untersagt, den Namen Worpswede weiter zu nutzen. Bei Zuwiderhandlung droht ihm ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Homeyer kündigte am Freitag an, dagegen in Berufung gehen zu wollen. Er legte eine 18-seitige Klageerwiderung vor, in der es vor allem um Details bei der Nutzung des Begriffs „Worpswede“ geht. Außerdem beruft er sich darauf, dass Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke den Preis zunächst unterstützt hatte.

Während weder Homeyer noch sein Anwalt bei der Verhandlung in Verden anwesend waren, erschienen beide wenige Tage später auch persönlich vor dem Landgericht. Erneut war Albin Homeyer, mittlerweile in Goslar ansässig, der Beklagte. Der Hannoveraner Künstler Carsten Aschmann verlangte mit juristischer Hilfe des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Berlin das nach wie vor ausstehende Preisgeld von 2017. Aschmann wurde damals Dritter, Platz und Preisgeld wurden geteilt, sodass ihm 1250 Euro zustanden.

Das Verfahren ging bereits in die zweite Instanz, zuvor hatte das Amtsgericht Syke die Klage zurückgewiesen. Die Verdener Kammer kam zu einer anderen Auffassung. Sie ließ vor allem keinen Zweifel daran, dass die Forderung gegen Albin Homeyer rechtens ist. Der hatte sich zuvor wiederholt darauf berufen, dass nicht er persönlich verantwortlich sei, sondern der kurz nach der Preisverleihung aufgelöste Kunstverein. Albin Homeyer war dessen Gründer, Vorsitzender und zuletzt auch einziges Mitglied. Ein Urteil gegen ihn erging dennoch nicht, weil beide Parteien dem Gütevorschlag des Gerichts zustimmten: Die Kammer schlug einen Vergleich vor, nachdem Aschmann anstatt der geforderten 1250 Euro nun 780 Euro von Homeyer erhalte, also knapp zwei Drittel seiner Forderung. Homeyer machte geltend, dass er diese Summe nicht auf einmal zahlen könne, man einigte sich auf Ratenzahlungen.

Für Carsten Aschmann ist damit das Kapitel Kunstpreis abgeschlossen. Er hatte sich früh gemeinsam mit seinen Künstlerkollegen, die ebenfalls ihre Preisgelder nicht erhalten hatten, vernetzt, und versucht, gemeinsam den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Man plante eine spektakuläre Aktion, indem nach Eröffnung einer Folgeausstellung zum Kunstpreis in der Deutschen Bank Hannover die Künstler ihre Bilder persönlich abhängen und wieder mitnehmen wollten. Letztlich konnten sich die Künstler nicht über eine gemeinsame Strategie einig werden, zumal es unter ihnen einen „Maulwurf“ gegeben habe, wie Aschmann berichtet. Dieser habe Informationen an Homeyer weitergegeben. Zudem sagte die Deutsche Bank nach Bekanntwerden der finanziellen Schieflage des Ausrichters die Ausstellung umgehend ab.

Aschmann blieb dennoch an der Sache dran und setzte nun als erster Künstler seine Preisgeld-Forderungen gegen Albin Homeyer durch. Er selber sieht diesen Vergleich als Teilerfolg, der Weg dahin sei extrem schwierig gewesen: „Wir rannten dem Preisgeld hinterher, viele Einschreiben mit Zahlungsaufforderungen an diverse Adressen, die als ,nicht zustellbar‘ zurückkamen. Die Wochen vergingen. Dann zog ich die Reißleine und veranlasste eine zivilrechtliche Klage und löste mich damit aus den gemeinsamen Plänen aller geschädigten Künstler.“ Unterstützung fand er beim BBK Berlin, ohne dessen finanzielle Hilfe er den Prozess nicht hätte anstrengen können, wie er berichtet. „Mir war das Preisgeld mittlerweile egal, ich wollte die Veräppelung der Kunst und Künstler durch Homeyer stoppen. Er war die zentrale Figur in dieser Chimäre. Also ging die Klageschrift an ihn.“

Die Entschädigung beträgt 64 Prozent, gemessen am nicht gezahlten Preisgeld. Zu dem Prozentsatz muss Albin Homeyer auch die Prozesskosten tragen sowie eine Aufwandsentschädigung an Aschmann zahlen. Der Forderung Homeyers nach einer Verschwiegenheitsverpflichtung hat der Künstler brüsk zurückgewiesen. Er will über seine Erfolg sprechen und tut dies in aller in Deutlichkeit: „Denn nun ist klar, dass alle geprellten Preisträger Ansprüche geltend machen können.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+