Worpsweder Einrichtung Zukunft der Kunstschule Paula ist Thema

Der Ausschuss für touristische Entwicklung, Kunst und Kultur kommt am Dienstag, 22. Februar, im Rathaus Worpswede zusammen und berät unter anderem über die weitere finanzielle Förderung der Kunstschule Paula.
21.02.2022, 19:00
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Zukunft der Kunstschule Paula ist Thema
Von Dennis Glock

Worpswede. Das Konzept der Worpsweder Kunstschule Paula, die sich selbst als "lebendigen Galerieraum" beschreibt, kann man grob als steten Wandlungsprozess beschreiben. Die einzelnen Projekte gestalten die Räume bis in zufällige oder absichtliche Details, gemalt wird meist auf den Wänden selbst und die Ausstellungen sind permanenter Veränderung unterworfen. Fertig werden sie nie, es gibt bestenfalls Zwischenergebnisse, bevor die Wände wieder weiß getüncht werden und das nächste Projekt beginnt. Doch wie geht es in Zukunft mit der Kunstschule weiter? Die künstlerische Leiterin, Sara Schwienbacher, hat nun einen Antrag gestellt und bittet um einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 3500 Euro.

"Die Paula", wie die Verantwortlichen kurz und prägnant sagen, versteht sich als außerschulischer kultureller Bildungs- und Vermittlungsort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, häufig auch mit inklusiven Ansätzen. Gleichzeitig ist sie eine Art Forschungslabor, denn es sind nicht nur die Workshops, Kurse und Impulsausstellungen selbst, die experimentellen Charakter haben, es geht auch gleichzeitig immer darum, neue Formen der Kunstvermittlung auszuprobieren und zu erforschen. Dabei steht das Prinzip der Resonanz, also miteinander oder auf äußere Faktoren zu reagieren, im Mittelpunkt. Neben der Kunstschule selber sind die Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg und der Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen an dem seit 2016 umgesetzten Konzept beteiligt.

Gegenfinanzierung notwendig

„Wir haben das Modellprojekt mit der Frage nach kulturellen Teilhabekonzepten gestartet, um uns dem Künstlerdorf mit diversen künstlerischen Strategien anzunähern. Das ist uns gelungen, die Paula hat eine klare Position im Ort und ihren Wirkungskreis in den vergangenen Jahren deutlich erhöht“, heißt es von Schwienbacher in einem Schreiben an den Worpsweder Bürgermeister Stefan Schwenke. Trotz alledem musste sich Sara Schwienbacher in den vergangenen Jahren ein wenig neu erfinden. Denn im September 2020 begann ihr Mutterschutz, sodass sie für Ersatz sorgen musste. Diesen hat sie später in Valerie Löwe gefunden. Die Teilfinanzierung gelang hierbei durch Fördermittel. „Ein Teil des Leitungshonorars bleibt jedoch eigenes Engagement und das wohlbekannte Herzblut“, so Schwienbacher.

Auch nach ihrem Mutterschutz konnte Schwienbacher nicht in ihre alte Rolle zurückkehren. Im Juni 2021 hat ihre Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Künste Ottersberg geendet und somit auch die weitere teilfinanzierte Möglichkeit, als künstlerische Leitung in Worpswede tätig zu sein. Für das Jahr 2021 konnte sie die Finanzierung für Valerie Löwe eigenmächtig sicherstellen. Für das laufende Jahr soll nun diese künstlerische Leitung im Rahmen des Projektes „Fair*Sammlung“ finanziert werden. Ein entsprechender Zuwendungsbescheid des Landschaftsverbandes Stade in Höhe von 7850 Euro wurde dafür genehmigt. Um auf dieses Budget der Förderzusage zugreifen zu können, benötigt die Kunstschule Paula eine Gegenfinanzierung in Höhe von 4500 Euro. Einen Teil davon erhofft sich Schwienbacher nun, von der Gemeinde Worpswede zu bekommen, genauer gesagt 3500 Euro. Die fehlenden 1000 Euro sollen anderweitig eingeworben werden. „Ich hoffe sehr, dass die Gemeinde anerkennt, was wir in den vergangenen Jahren hier geleistet haben. Wir sind enorm gewachsen und müssen natürlich die Projekte, von denen auch Worpswede als Künstlerdorf profitiert, finanzieren“, sagt Schwienbacher.

Suche nach einem Dialog

Sollte die Gemeinde einwilligen, so wäre die Finanzierung für 2022 gesichert. Für die Folgejahre steht eine Finanzierung allerdings noch deutlich in der Schwebe. Deshalb will Sara Schwienbacher nun den Dialog mit der Gemeinde suchen. „Sollte finanzielle Mittel für die Folgejahre verweigert werden, wäre das wohl das Aus für die Kunstschule Paula. Klar, mein Herz würde sagen, dass wir das irgendwie auf eigene Faust hinbekommen, doch langfristig gesehen ist das einfach unrealistisch“, ist Schwienbacher ehrlich. 1986 hat sich die Gemeinde durch die Annahme einer Erbschaft von Gisela Wätjen verpflichtet, ein Malangebot für Kinder und Jugendliche zu schaffen und zu erhalten, was Schwienbacher Hoffnung macht: „Die Räume werden nach wie vor zur Verfügung gestellt, davon gehe ich fest aus. Doch ohne Fachkompetenz reicht das nicht aus. Ich blicke mit sehr viel Spannung auf die Entscheidung im Ausschuss.“

Zur Sache

Ausschuss am Dienstag

Der Worpsweder Ausschuss für touristische Entwicklung, Kunst und Kultur kommt am Dienstag, 22. Februar, um 19 Uhr zu einer öffentlichen Sitzung mit anschließendem nichtöffentlichen Teil im Rathaus, Bauernreihe 1, zusammen. Thema der Sitzung ist unter anderem die Vorstellung einer Studie der "ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH". Desweiteren stellt sich der Findorff-Verein Worpswede vor, über die finanzielle Zukunft der Kunstschule Paula wird beraten und auch über einen Antrag der Gruppe Grünen/Linken zur Schaffung von Unterstützungsmaßnahmen wird diskutiert. Weitere Informationen sind im Internet unter www.gemeinde-worpswede.de unter den Menüpunkten Rathaus/Politik/Ratsinformationssystem zu finden. Für Besucherinnen und Besucher der Sitzung gilt die 2G-Regelung.

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