Diskussionen in den Geschäften Maskenpflicht macht Mühe

Nach einigen Tagen der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Einkaufen knirscht es noch immer: Die Geschäfte müssen die Verordnung durchsetzen und fühlen sich von manchen Kunden alleingelassen.
05.05.2020, 18:30
Lesedauer: 4 Min
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Von André Fesser und Irene Niehaus

Worpswede/Grasberg/Lilienthal. Seit gut einer Woche gilt im Einzelhandel oder in öffentlichen Verkehrsmitteln die sogenannte Maskenpflicht. Kundinnen und Kunden müssen beim Einkauf oder in Bus und Bahn also Mund und Nase bedecken, um auf diese Weise der Verbreitung der Coronaviren entgegenzuwirken. Wer sich in der Gegend umsieht, sollte meinen, dass das eigentlich ganz gut läuft. Stimmt aber nicht, sagt Sönke Kärgel. Der Bäckermeister beklagt, dass immer noch viel zu viele Menschen die neue Regel nicht akzeptieren.

Kärgel hat einen guten Überblick: Er betreibt in Worpswede, Grasberg, Lilienthal und Bremen gleich acht Fachgeschäfte für Brot, Brötchen und Kuchen – was man halt so braucht, wenn man satt werden möchte. Die Geschäfte laufen nicht schlecht, sagt er, auch in Corona-Zeiten. In einigen seiner Filialen registriere er sogar Zulauf, vermutlich kauften die Menschen verstärkt wohnortnah ein, mutmaßt der Bäckermeister.

Einfach sei es in diesen Tagen aber dennoch nicht, denn seine 50 Mitarbeiterinnen und MItarbeiter müssten sich in zunehmendem Maße Diskussionen über Sinn und Unsinn der Maskenpflicht stellen. Immer wieder kämen Kunden auch ohne Mund-Nasen-Bedeckung herein, obwohl er an den Eingängen mit großen Aufklebern auf die Regeln hingewiesen hat. Wenn es gut laufe, versuchten die Kunden noch, über Abstandsregelungen und Personenzahlen zu verhandeln: Zählt ein Kind nicht nur als halbe Portion? Wenn es schlecht laufe, hätten seine Mitarbeiterinnen eine Auseinandersetzung darüber am Hals, ob die Maskenpflicht überhaupt verfassungsgemäß ist. „Dabei ist es gar nicht die Aufgabe meiner Verkäuferinnen, über das Grundgesetz zu diskutieren.“

Zumal sich Kärgel und seine Leute die Verordnung auch nicht selbst ausgedacht haben. Sie müssen sie nur anwenden. Und dabei gebe es auch keinen Spielraum, wie er festgestellt hat. Am ersten Tag der Maskenpflicht zum Beispiel, Anfang vergangener Woche, hätten sie noch einen sanften Einstieg versucht. Wer ohne Maske in den Laden kam, sollte freundlich auf die Pflicht hingewiesen werden, ohne gleich wieder fortgeschickt zu werden. Der Plan ließ sich nicht durchhalten, erzählt Kärgel: „Um sechs haben wir geöffnet, um neun hatten wir die Polizei im Haus, die uns auf die Pflicht hingewiesen hat.“ Daher sei es um so ärgerlicher, dass noch heute Menschen in seinem Laden stünden und beklagten, dass die Pflicht in anderen Geschäften nicht so eng ausgelegt würde. „Es ärgert mich, dass wir es richtig machen und dafür auch noch kritisiert werden.“ Eine Familie habe sich sogar schriftlich beschwert, nachdem sie gebeten worden sei, einige Mitglieder vor dem Laden zu lassen. Seine Geschäfte seien eher klein. Sind zwei Verkäuferinnen und ein Kunde drin, müssten die nächsten eben draußen warten.

Mit derartigen Erlebnissen sind Sönke Kärgel und sein Team natürlich nicht allein. Britta Ruchel zum Beispiel betreibt mit ihrem Mann drei Bäckereien in Bremen, darunter den Laden an der Borgfelder Heerstraße. Sie berichtet, dass sich die allermeisten Kunden an die Mundschutzpflicht hielten. Wenn sie ihre Maske vergessen hätten, würden sie sich ein Tuch überziehen oder schnell nach Hause gehen, um eine Bedeckung zu holen. Aber längst nicht alle sähen es ein, sich an die Regel zu halten, wenn sie nur schnell ein paar Brötchen holen wollten, sagt Britta Ruchel. „Das sind dann vor allem Ältere“, bedauert sie. Es sei etwas nervig, dass sich einige Leute nicht daran hielten, „aber es wird besser. Vielleicht müssen sie sich dran gewöhnen.“ Sie selbst sei eher jemand, der die Kunden nicht darauf anspreche. „Eigentlich müsste es doch jeder wissen, dass es Pflicht ist.“

Bei ihm in Grasberg hätten bisher alle Kunden eine Maske aufgehabt, erzählt hingegen Bäckermeister Gerd Buttgereit, der mit seiner Frau 18 Filialen der Feinbäckerei und Konditorei Barnstorff führt. „Die Leute steigen ohne Maske aus dem Auto auf, setzen sie auf, kommen zu uns rein und setzen sie draußen wieder ab“, sagt Buttgereit. So sei es richtig, schließlich gebe es eine Maskenpflicht, die Verkäuferinnen trügen ja auch eine Bedeckung. Nur einmal habe ein Kunde gefragt, ob es auch ohne gehe. Nein, lautete die Antwort. „Er ist dann zurück zum Auto und hat seine Maske geholt“, berichtet Gerd Buttgereit. Die Kunden würden die Mundschutz-Pflicht ernst nehmen, hat er beobachtet, aber das halte manche nicht davon ab, auch mal einen lustigen Kommentar über die Bedeckung zu bringen.

Bei Kärgel und Kollegen ist das mitunter anders. Dabei sei aber nicht alles schlecht, betont der Bäckermeister. Die meisten Kunden hätten sich mit dem Thema ja arrangiert und ihre Gewohnheiten geändert. Viele seien zum Beispiel auf Kartenzahlung umgestiegen, die Zahl habe sich verfünffacht. Und auch im Team sei der Zusammenhalt in der Corona-Krise gestiegen: „Ich spüre einen großen Zusammenhalt und die Bereitschaft, die Situation zu packen“, sagt er. Maske hin, Maske her.

Info

Zur Sache

Mund-Nasen-Schutz

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist laut Landesregierung für alle Personen verpflichtend, die als Fahrgast ein Verkehrsmittel des Personenverkehrs und die hierzu gehörenden Einrichtungen nutzen. Die Verpflichtung gilt also bei der Nutzung von Bussen, Bahnen und Zügen, aber auch in Taxen. Gleiches gilt für Besucherinnen und Besucher von Verkaufsstellen, also insbesondere im Einzelhandel wie Supermarkt, Baumarkt, Drogerie oder Bekleidungsgeschäft. Es bedarf einer Mund-Nasen-Bedeckung, die geeignet ist, als textile Barriere eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln durch Husten, Niesen und Aussprache zu verringern. Zulässig sind auch Schals, Tücher oder selbst hergestellte oder gekaufte Masken aus Baumwolle oder anderem gut abdeckenden Material. Verkaufspersonal muss keine Maske tragen. Menschen, bei denen es aufgrund einer Behinderung durch die Bedeckung zu erheblichen Einschränkungen in der Kommunikation oder der Sinneswahrnehmung kommt, müssen auch beim Einkaufen oder im ÖPNV keine solche Bedeckung tragen. Auch wem es aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar ist, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, ist von der Maskenpflicht ausgenommen. Ein ärztliches Attest ist hilfreich, aber nicht zwingend vorgegeben. Es genügt die Glaubhaftmachung, um hiervon Betroffene nicht in die Arztpraxen zu zwingen. Verkaufsstellen des Einzelhandels und der öffentliche Personenverkehr können aber im Rahmen ihres Hausrechts verlangen, dass Kunden ohne Mund-Nasen-Bedeckung, die kein Attest haben, wieder gehen.

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