Worpsweder Gemeindefrühstück Mit heißem Kaffee ins kalte Wasser

Hannelore Horn und Birgit Mucha organisieren einmal im Monat das Worpsweder Gemeindefrühstück. Es geht vor allem ums gemeinsame Treffen, aber was dabei auf dem Tisch kommt, ist auch wichtig.
01.03.2020, 05:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Ein bisschen neidisch blicken Hannelore Horn und Birgit Mucha nach Lilienthal. Dort gibt es mit dem Amtmann-Schroeter-Haus einen Seniorentreff mit großem Programmangebot. Das finden die beiden in Worpswede nicht. Umso wichtiger sei es, dass auch im Künstlerdorf jemand etwas auf die Beine stellt, sodass sich besonders ältere Menschen treffen können, sagen sie. Und sie tun etwas dafür: Als Ende des vergangenen Jahres klar wurde, dass es aus gesundheitlichen Gründen mindestens vier neue Hände geben muss, die sich zukünftig um das Gemeindefrühstück kümmern, haben sie nicht lange gezögert. Eigentlich war der Stabwechsel erst für diesen Januar vorgesehen, dann mussten die Neuen aber überraschend schon im Dezember ran: Mit Kannen voll heißem Kaffee sprangen sie sozusagen ins kalte Wasser.

Es funktionierte, die beiden Ehrenamtlichen haben gemerkt, dass sie einen guten Draht zueinander und zu ihren Gästen haben. Und sie hatten Lust auf Neues: Immer nur Marmelade, Wurst und Käse reichten ihnen nicht, jetzt gibt es auch Salate, Räucherfisch und hart gekochte Eier, und ein paar neue Sorten Auflage stehen zur Auswahl, dazu frische Brötchen- und Brotsorten. Das wichtigste aber ist und bleibt die Begegnung – aber auch die Qualität des Kaffees darf nicht unterschätzt werden. „Der muss sofort von der Maschine in die Isokanne“, verrät Horn ihren wichtigsten Trick. Das hilft sowieso, denn die Maschine läuft auf Hochtouren an diesem Morgen; sie muss nicht nur die rund 20 Gäste im Gemeindesaal der Alten Schule versorgen, gleichzeitig ist am ersten Dienstag im Monat auch immer Dienstbesprechung der Kirchengemeinde eine Etage tiefer. Beide Veranstaltungen hängen am selben Tropf und nirgendwo kommen die Gespräche so richtig gut in Gang, wenn nicht genügend anregendes Getränk aus der Tasse dampft.

Die Verbindung zur Kirche ist eng, dennoch ist das Gemeindefrühstück keine kirchliche Veranstaltung: „Gemeinde“ ist hier als Verwaltungseinheit zu verstehen, alle Worpsweder sind eingeladen, die Kirche stellt lediglich den Raum. Es kommen in der Regel Menschen, die die 70 schon überschritten haben, aber auch das Alter ist keine Bedingung. Eingeladen ist, wer Kontakt haben möchte oder einfach nur Lust hat, für eineinhalb Stunden in Gesellschaft zu sein. „Man bekommt die Dankbarkeit dafür direkt zu spüren“, sagt Hannelore Horn. „Mir ist es im Leben immer gut gegangen, da gebe ich gerne etwas zurück.“ Fünf Euro kostet die Teilnahme, davon bezahlt das Zwei-Frau-Team die Einkäufe. Bleibt etwas Geld übrig, geht es an die Kirchengemeinde, als Dankeschön für den Raum, den sie zur Verfügung stellt. Der bietet nicht nur einen überragenden Rundumblick, er dürfte manch einen Alteingesessenen auch an seine Schulzeit an selber Stelle erinnern.

Dankbarkeit der Gäste

Zwischen Eindecken und Büffetaufbauen bleibt Zeit für einen ersten, schnellen Kaffee im Vorbeigehen – allein zu Testzwecken, wie die Organisatorinnen augenzwinkernd versichern. Sie sind beide zugezogen, die eine vor sieben, die andere vor 31 Jahren. Auch sie suchten Kontakt und gingen irgendwann zum Gemeindefrühstück, das es seit fast acht Jahren gibt, immer am ersten Dienstag im Monat ab 10 Uhr. Am 14. Oktober 2012 fand es zum ersten Mal statt, das kann Inge Grotheer anhand ihrer Quittungen noch genau nachvollziehen. Sie hat es damals mit weiteren Mitstreiterinnen aus der Taufe gehoben, zunächst mit einem biblischen Hintergrund. Heute ist die 81-Jährige immer noch dabei, als Besucherin. Die ersten Stammgäste treffen schon eine halbe Stunde vor Beginn ein. Horn und Mucha kennen das schon und sind vorbereitet. Nur noch einige Kleinigkeiten sind zu regeln: Hier fehlt noch eine Serviette, dort muss die Kerze angezündet werden.

Die Ansprache ist herzlich, die meisten Teilnehmer kennen sich, man ist per Du und nimmt sich in den Arm. Neue Teilnehmer sind schnell integriert. Wer dabei sein möchte, muss sich ein paar Tage vorher anmelden, sodass die Einkäufe in angemessener Menge im Vorfeld erledigt werden können. Horns und Muchas Arbeitstag hat schon um kurz nach Acht angefangen, beim Bäcker trafen sie sich, um frische Brötchen einzukaufen. Alles andere hatten sie bereits an den Vortagen eingekauft oder frisch vorbereitet. Sogar ihren gemeinsamen, regelmäßigen Yoga-Termin haben die beiden Frauen kurzerhand auf Montagnachmittag verschoben, als sie die Regie für das Frühstück übernahmen – so sehen sie sich sowieso am Vortag und können letzte Details besprechen.

Die Platten sind angerichtet, schnell wird noch die Dekoration auf der Käseplatte gerichtet. Beim Gemeindefrühstück gibt es ein Büffet, jeder holt sich dort, worauf er Lust hat. So trifft sich unterwegs, wer an der langen Tafel weit auseinander sitzt. An der Wand hängt ein Bild vom Abendmahl – das passt zum gemeinsamen Frühstück an dem sonst tristen Wintermorgen. Hannelore Horn gibt den Startschuss, ein paar Mal mit dem Kaffeelöffel an die Tasse geklimpert, zwei, drei kurze Sätze, und das Büffet ist eröffnet. Der Rest ergibt sich von alleine.

Weitere Informationen

Das Gemeindefrühstück findet wieder statt am Dienstag, 3. März, ab 10 Uhr im Gemeindesaal Alte Schule in Worpswede, An der Kirche 5. Anmeldungen bei Hannelore Horn unter 04792/ 956 94 75. Kostenbeitrag pro Teilnehmer fünf Euro.

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