Aula der Worpsweder Grundschule Mittagessen bei 13 Grad Raumtemperatur

Petra Papenfuß vom Schulverein ist entsetzt: Die Aula der Worpsweder Grundschule bekommt erst nächstes Jahr eine neue Heizung. Die Kinder essen dort bei 13 Grad zu Mittag - in ihren Winderjacken.
20.12.2019, 16:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Kessels

Worpswede. Jetzt bleibt den Schülern und Lehrern der Worpsweder Grundschule nur die Hoffnung darauf, dass das derzeitige milde Wetter bis zum Ende des Winters andauert. Der Schulausschuss beschloss in seiner jüngsten Sitzung, dass die Heizung der Aula, in der auch das Mittagessen eingenommen wird, erst zum nächsten Winter erneuert werden soll. Schneller gehen soll es mit der Installation von Lehrertoiletten in Aulanähe.

Die Leistung der Heizung in der Aula ist seit Jahren ungenügend. Michael Rath, der Leiter des Fachbereichs Baudienste in der Gemeindeverwaltung, erklärte in der Sitzung, an kalten Wintertagen könne die Aula nur auf 13 Grad erwärmt werden. „Dann essen die Schüler da in Jacken.“ Nicht nur die schwache Heizung sei das Problem. Die Wände der Aula seien fünf Meter hoch, die Firsthöhe in der Mitte des 300 Quadratmeter hohen Raums betrage über neun Meter, und warme Luft steige nun einmal nach oben. In drei Metern Höhe herrschten wahrscheinlich angenehmere Temperaturen als in Bodennähe. Aber auch die großen Fensterfronten mit 40 Jahre alten Aluminiumrahmen ließen viel Wärme hinaus und Kälte herein. „Die Fenster sind höchstens dazu geeignet, Zugluft abzuhalten.“ Würden die Fenster erneuert, könne die Aula auf 18 bis 20 Grad gebracht werden, aber auch dann müsste die Heizung ständig auf höchster Stufe laufen. Deshalb solle sie gegen eine wirksamere ausgetauscht werden.

Das Schulgebäude gehört dem Landkreis Osterholz, die Gemeinde hat es gemietet. Der Landkreis wäre grundsätzlich zu einer Erneuerung der Heizung und der Fensterfronten bereit, aber die Gemeinde habe ihre Wünsche für dieses Jahr zu spät angemeldet, erklärte Michael Rath. Sein Kollege Michael Blechmann ergänzte, dass die Kosten für einen Umbau der Aula auf die Miete aufgeschlagen würden.

Es gibt aber noch mehr zu tun. Seit der Mitteltrakt des Gebäudes nicht mehr für die Schule zur Verfügung steht, fehlen im Bereich der Aula Lehrertoiletten. „Wir warten seit drei Jahren, dass da was passiert“, sagte Schulleiterin Sabine Kleinau. Derzeit benutzten die Lehrer abgeteilte Kabinen der Schüler-WCs, das sei aber eigentlich nicht zulässig.

Auch die Ausschussmitglieder sparten nicht mit deutlichen Worten in Richtung Landkreis. „Osterholz macht nichts, lässt uns nur hohe Miete zahlen, obwohl der Mitteltrakt total veraltet ist“, meinte Heiko Pankoke (CDU), und Werner Schlüter von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) eine Mietminderung vor. Schließlich sei der Vermieter in der Pflicht, das Gebäude in Ordnung zu halten.

Die Fensterfronten zu erneuern würde 248 000 Euro kosten, die Kosten für eine neue Heizung sind noch nicht ermittelt. Für neue Lehrer-Klos wird mit 32 000 Euro gerechnet. Zu diesen 280 000 Euro kommen nochmals 30 000 Euro für Gutachten, unter anderem zur energetischen Sanierung des Daches. Dieses Geld hat Worpswede aber nicht; die erwarteten Mittel aus dem Konjunktur-Investitionsprogramm des Landes (KIP II) fließen voll in die Grundschule Hüttenbusch, die eine Küche und eine zur Mensa ausgebaute Aula erhält. Die neuen WCs könnten ohnehin nicht aus KIP II bezuschusst werden, da dies nur bei Investitionen von über 40 000 Euro möglich sei, sagte Michael Rath.

Dann solle man die Lehrer-WCs sofort bauen, schlug der Ausschussvorsitzende Stefan Bötjer (SPD) vor, und das Geld vom Verwaltungsausschuss in den Haushalt einstellen lassen ohne Beteiligung des Finanzausschusses, da dieser erst Mitte Februar wieder tage, und das sei zu spät für eine Auftragsvergabe. So wurde es dann auch bei zwei Enthaltungen einstimmig beschlossen. Die Aula soll bis zum nächsten Herbst in einen beheizbaren Zustand gebracht werden. Man solle „deutlich vor den Sommerferien“ zu einer Entscheidung kommen, verlangte Stefan Bötjer. Petra Papenfuß vom Schulverein kommentierte diesen Beschluss in der Fragestunde nach der Sitzung mit den Worten: „Ich bin entsetzt.“ Die Eltern hätten genug davon, dass ihre Kinder in der Kälte essen müssten.

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