Neuer Gemeinderat in Worpswede

Worpswede wird grüner

Die Grünen sind die großen Gewinner, die SPD ist die Verliererin in Worpswede. Die Mehrheitsverhältnisse im Rat bleiben konstant, aber das grün-alternative Lager geht deutlich gestärkt aus der Wahl hervor.
13.09.2021, 17:17
Lesedauer: 3 Min
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Worpswede wird grüner
Von Lars Fischer
Worpswede wird grüner

Stefan Schwenke (links) bleibt Worpsweder Bürgermeister, Herausforderer Jochen Semken zieht für die UWG in den Gemeinderat und den Osterholzer Kreistag ein.

CARMEN JASPERSEN

Worpswede. Stefan Schwenke kann weitermachen. Wie berichtet, hat der Worpsweder Bürgermeister am Sonntag die Wahl um das Amt des Verwaltungschefs der Gemeinde mit fast einer Zwei-Drittel-Mehrheit (65,1 Prozent) klar gegen Jochen Semken gewonnen. Wie erwartet, wird sich Schwenke in den kommenden fünf Jahren aber mit einer anderen Zusammensetzung im Gemeinderat auseinandersetzen müssen. Neu vertreten sind Bündnis 90/Die Grünen, die erstmals mit einer eigenen Liste antraten und aus dem Stand auf 17 Prozent kamen – sie haben damit vier Sitze erobert, einen weniger als die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), die auf 19,5 Prozent kam.

Beobachter hatten erwartet, dass die UWG, die bislang faktisch das grün-alternative Spektrum in der Worpsweder Lokalpolitik vertrat, Wähler an die Konkurrenz aus dem eigenen Lager abgeben würde, mit einem Verlust von 4,9 Prozentpunkten fiel der Aderlass aber relativ moderat aus. Gemeinsam kamen beide Gruppierungen auf 36,5 Prozent und sind damit stärker als die CDU, die trotz leichter Verluste mit 36,1 Prozent (2016: 37,6 Prozent) nach wie vor stärkste Partei in Worpswede ist. Sie büßte einen Sitz ein und ist im neuen Rat mit acht Abgeordneten vertreten, Grüne (vier) und UWG (fünf) kommen zusammen auf neun Sitze. Für den UWG-Fraktionsvorsitzenden Semken ein gutes Ergebnis. Die Verluste seien aufgrund der besonderen Konstellation klar gewesen, dass sie nur einen Sitz weniger bedeuten, sei verschmerzbar, befand er.

Hohe Wahlbeteiligung

Großer Verlierer bei der Worpsweder Gemeinderatswahl ist die SPD, die nur noch auf 20,3 Prozent kam, acht Prozentpunkte weniger als 2016, ihre Fraktion schrumpft von sieben auf fünf Personen. Auch Die Linke hat mit 4,0 Prozent rund ein Drittel ihrer Wähler verloren (2016: 6,2 Prozent), bleibt aber ebenso bei einem Sitz wie die FDP, die mit 3,2 Prozent minimal dazu gewinnen konnte (plus 0,8 Prozentpunkte).

Der neue Gemeinderat, der sich in der nächsten Sitzung am 1. November konstituieren wird, hat ein komplett verändertes Gesicht. Der bisherige Ratsvorsitzende Gerd Witte (SPD) wird ihm ebenso wenig angehören wie sein Genosse Tobias Gerken, neu dabei ist für die Sozialdemokraten Anke Kämna. Frank Schmidt, der zusammen mit Kämna den Ortsverband führt, zeigte sich "sehr enttäuscht" über das SPD-Ergebnis. Er habe mit Verlusten gerechnet, jedoch nicht in dieser Höhe, sagte er am Tag nach der Wahl. "Einfache Erklärungen haben wir dafür nicht", so der Sozialdemokrat, der ebenfalls nicht mehr im neuen Rat sitzen wird. Man müsse nun die "Wunden lecken".

Umbruch bei der CDU

Der größte Umbruch steht der CDU-Faktion bevor, die mit Jonas Schwenke, dem Sohn des Bürgermeisters, Bernhard Kaufmann, André Meier, Roman Stelljes sowie dem Bergedorfer Ehepaar Katharina und Michael Haar gleich sechs von acht Posten neu besetzt. Mit Ausnahme von Meier und Stelljes wurden alle Kandidaten direkt gewählt. Mit dem Schlußdorfer Michael Haar, Hubert Hahndrich, Friedrich-Karl Schröder, Willi Seidel und Wolfgang Wedelich schieden gleich eine ganze Riege erfahrener Ratspolitiker aus. Gerhard Schröder und Stefan Thölken verpassten den Wiedereinzug, sodass Partei- und Fraktionschef Heiko Pankoke viel Arbeit bevorstehen dürfte. Er selber, der mit 1140 Stimmen das beste Direktergebnis in Worpswede erzielte und ganz knapp auch noch in den Kreistag einzog, sagte, für die CDU sei es "super gelaufen". Traurig stimmte ihn nur, dass man einen Sitz verloren habe, obwohl die Partei gegenüber 2016 um 858 Stimmen zugelegt habe. "Das liegt an der hohen Wahlbeteiligung, über die wir uns dennoch freuen", so Pankoke. Sie lag mit 66,3 Prozent deutlich über dem Wert der vergangenen Kommunalwahl: 2016 machten lediglich 57,4 Prozent der Worpswede von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Ein überraschendes Comeback gibt es bei den Grünen: Susanne Weichberger, die schon einmal kurzzeitig für die UWG im Rat saß, gewann ein Direktmandat und verdrängte so den Parteivorsitzenden Michael Sawatzki (Listenplatz vier). Kreischefin Almut Helvogt gewann ebenfalls direkt, über die Liste kommen Kristina Teege und Marcus Beyer dazu. Sawatzki war mit diesem Ergebnis zufrieden, hatte sich allerdings persönlich mehr ausgerechnet, wie er sagte. Dennoch seien vier Sitze ein starkes Statement, zumal nur einer dieser Sitze von der UWG zu den Grünen wanderte. Der CDU habe man überraschend ein Mandat abnehmen können, der SPD gleich zwei.

Bei der UWG sind Johannes Scholz und Tim Hendrik Behrmann neu dabei, ausgeschieden sind Imke Lorenzen, Hans Helmut Pein und Ilse-Marie Seijger. Bernd Rugen (Linke) und Thomas Conrad (FDP), die bislang gemeinsam eine Gruppe bildeten, konnten beide ihre Sitze verteidigen. 25. Ratsmitglied ist und bleibt Bürgermeister Stefan Schwenke qua Amt. Der sagte bereits am Wahlabend, er freue sich "einen tollen Job in seinem verrückten Dorf" fünf weitere Jahren machen zu dürfen. Er sei stolz auf sein Abschneiden, hatte allerdings auch einen erneuten Sieg erwartet, dennoch: "Eine gewisse Unsicherheit bleibt immer. Auch nach 20 Jahren im Amt freue ich mich, weitermachen zu dürfen."

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