Künstlerhäuser Worpswede Neuorientierung auf Kernkompetenzen

Schwere Zeiten für die Worpsweder Künstlerhäuser: Die Gebäude sind sanierungsbedürftig, das Forum ist vom Abriss bedroht. Mit einem neuen Konzept will der Trägerverein die Einrichtung wieder auf Kurs bringen.
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Von Lars Fischer

Worpswede. Wohin genau der Weg führen wird, ist noch unklar. Dass man sich aber auf machen will und muss, betont der Vorstand der Worpsweder Künstlerhäuser deutlich. Nicht nur inhaltlich, auch baulich stehen dem Verein und den von ihm betriebenen Martin-Kauschke-Ateliers Neuerungen bevor. Erste Orientierung bietet dabei eine Machbarkeitsstudie, die nun im Worpsweder Kulturausschuss vorgestellt wurde. Der ist dafür zu einer Sondersitzung zusammengekommen und hat das Konzept einstimmig und wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Dass die Förderung junger Künstler, die bis 2009 auch das Land Niedersachsen in Worpswede betrieb, unbedingt zu einem lebendigen Künstlerdorf dazugehöre, war an diesem Abend unter allen Akteuren unbestritten. Deutlich wurde aber auch, dass es bei der weiteren Entwicklung der Künstlerhäuser große Herausforderungen gibt. Insbesondere die Situation um das baurechtlich nur temporär geduldete Forum, aber auch der Zustand der Atelierhäuser selber, sind dabei heikel.

Der Trägerverein hat die Firma Kulturexperten beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Dieter Pleyn stellte als der verantwortliche Autor diese Studie vor und kam im Wesentlichen zu dem Schluss: Die Kernkompetenz der Häuser sind Stipendiatenunterbringen und der Akademieaustausch – und für beides sind die Räume nicht geeignet. Für Gruppen fehlt schlichtweg der Platz, und Stipendiaten, die nach seiner Vorstellung zukünftig für zwölf Monate gebunden werden sollen, fehlt der Arbeitsraum, denn auch, wenn die Atelierhäuser so heißen, wie sie heißen, bieten sie doch im Grunde nichts anderes als fünf Wohnungen – noch dazu in einem sanierungswürdigen Zustand.

Unter dem umstrittenen und mit großem Eklat geschassten vorherigen Leiter Tim Voss hatten die Künstlerhäuser auch Symposien veranstaltet. Davon rät Pleyn zukünftig ebenso ab wie von einem eigenen Ausstellungsbetrieb. Natürlich sollen die Arbeiten der Stipendiaten nach einem einjährigen Aufenthalt auch öffentlich zu sehen sein, aber dies müsse sinnvollerweise in Kooperation mit den örtlichen Museen erfolgen. Gerade diese Vernetzung beispielsweise mit dem Worpsweder Museumsverbund voranzutreiben, ist einer der wichtigsten Aspekte seines Papiers.

Damit es aber überhaupt solche Arbeiten geben kann, sollen drei der fünf Wohnungen zu Ateliers werden. Denn der Ort für die Kunstproduktion fehle bislang. Das sogenannte Forum, ein temporär angelegtes Holzgebäude im Garten, erfüllt zwar diesen Zweck, es hat aber keine Zukunft. Nur noch bis März 2019 gibt es eine Duldung vom Landkreis, weil die nötige Baugenehmigung fehlt. Hans Ganten, ehemaliger Kulturausschuss-Vorsitzender und Vorstandsmitglied der Künstlerhäuser, betonte die Notwendigkeit, dass die Gemeinde mit dem Landkreis über eine weitere Duldung verhandeln müsse, denn ein Planfeststellungsverfahren, mit dem der Bau nachträglich auf ein legales Fundament gestellt werden könne, sei in der Kürze der Zeit nicht machbar. Auch seine Vorstandskollegin Susanne Weichberger unterstrich: „Wir brauchen nicht dieses Gebäude, aber wir brauchen seine Funktion.“

Wie groß insgesamt der finanzielle Aufwand für die bauliche Sanierung sein werde, konnte Pleyn nicht sagen. Drei bis fünf Jahre veranschlagt er dafür, währenddessen könne der laufende Betrieb fortgesetzt werden. Dafür überschlug er jährliche Kosten von 114 000 Euro, von denen rund 30 000 Euro auf die Gemeinde Worpswede zukämen, die allerdings wohl auch aus Landes- oder gar Bundesmitteln kogefördert werden könnten, wie unter anderen auch der Ausschussvorsitzende Jochen Semken unterstrich. Für die Einforderung zukünftiger Fördermittel sei die Studie ebenfalls ein wichtiges Werkzeug, so Pleyn. Bislang fördert die Gemeinde den Verein institutionell mit 9500 Euro im Jahr, weitere 10 000 Euro stellt sie für Projekte bereit.

Auch für Bürgermeister Stefan Schwenke ist klar: „Wir müssen etwas dafür tun, um ein lebendiges Künstlerdorf zu sein.“ Er lobte in diesem Zusammenhang auch die bereits begonnene Neuausrichtung der Künstlerhäuser. Mit Katharina Groth, die Anfang des Jahres die künstlerische Leitung übernommen hat, ist die Institution deutlich sichtbarer im Ort geworden. Ihr Projekt Ausnahmezustand, das das leer stehende Hotel Eichenhof seit März mit stetig wechselnden Ausstellungen bespielt, ist ein erster Ansatz für die vielfach geforderte Öffnung der Einrichtung in den Ort hinein. Inwieweit das Konzept der Kulturexperten, das ja möglichst von eigenen Ausstellungsprojekten abrücken will, damit kompatibel sein könnte, blieb offen.

Arie Hartog, zweiter Vorsitzender der Künstlerhäuser und Direktor des Bremer Gerhard-Marcks-Haus, sieht in der Studie vor allem Chancen, auch und gerade darin, dass eben noch nicht alle Details feststünden.

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