Orientierungslauf Orientierungsläufer Kilian Lilje: Mit Kompass und Karte

Als Sieger der Männer-Hauptklasse hat Kilian Lilje auf sich und einen eher unbekannten Sport aufmerksam gemacht. Der 25-Jährige vom TSV Worpswede ist Orientierungsläufer. Dabei läuft man mit Kompass und Karte.
04.11.2020, 09:21
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Von Karsten Hollmann

Worpswede. Auf der Armlehne des Sofas liegt aufgeschlagen ein Buch des deutschen Triathlon-Superstars Jan Frodeno, daneben „Das Geheime Band“, ein Buch des Försters und Bestsellerautoren Peter Wohlleben über den Wald. Der Sport und der Wald spielen im Leben von Kilian Lilje eine große Rolle – und das nicht nur literarisch. Kilian Lilje vom TSV Worpswede ist Orientierungsläufer. Präziser: Der 25-Jährige ist Niedersachsens erfolgreichster Orientierungsläufer der Männer.

Bei diesem Sport läuft man vor allem durch den Wald. „Ich bin aber auch vom Triathlon begeistert und kann mir durchaus vorstellen, auch diese Sportart einmal auszuüben“, sagt Lilje. Dieser machte gerade als Sieger der Männer-Hauptklasse im Hinblick auf die Landesrangliste und dem somit größten Erfolg dieser Abteilung in der Vereinsgeschichte erstmals so richtig auf sich aufmerksam. „Ich war über die gesamte Saison sehr stabil. Dennoch war der Sieg überraschend“, versichert Kilian Lilje. Dieser hätte auch gerne eine Laufbahn im Fußball gestartet. „Ich war aber super schlecht und wurde in den Spielen der F-Jugend des FC Worpswede noch nicht einmal eingewechselt“, teilt der junge Mann mit. Großer Fußballfan ist Kilian Lilje aber trotzdem. „Mein Großvater Werner Schmidt hatte immer eine Dauerkarte für das Weserstadion und hat mich oft dort mit hingenommen“, informiert Lilje. Er halte nun in guten wie in schlechten Zeiten Werder Bremen die Daumen.

Dass Kilian Lilje im Orientierungslauf gerade gute Zeiten erlebt, verdankt er auch seinen Erfahrungen, die er von September 2019 bis in den April dieses Jahres in Australien gesammelt hat. „Ich habe auf Tasmanien Schülern und Jugendlichen technisches Training im Orientierungslauf gegeben“, teilt der Worpsweder mit. Auch als Sportler und Kartenzeichner habe Lilje „Down under“ eine Menge gelernt. „Ich hatte schon eine tolle Zeit in Australien“, betont der 25-Jährige. Sein Work-and-Travel-Aufenthalt in der Heimat der Aborigines war ursprünglich bis Mitte Mai geplant. Wegen der Corona-Pandemie brach der Aktive seine Zelte aber bereits einen Monat vorher dort ab. „Ich hatte befürchtet, dass ich sonst nicht wieder nach Deutschland zurückgekommen wäre“, sagt Kilian Lilje.

Dass Lilje auch in seinem Sport schon ganz gut herumgekommen ist, dokumentieren seine Karten, die er an einer Aufstellwand in seinem Wohnzimmer aufgehängt hat. Unter anderem war Kilian Lilje bereits in Slowenien, Frankreich, Finnland und Dänemark sportlich aktiv. Beim Orientierungslauf geht es nicht zuletzt auch darum, Karten richtig lesen zu können. „Dafür benötigt man schon ein gewisses Grundtalent. Ein Höhenrelief muss man sich zum Beispiel vor seinem geistigen Auge vorstellen können“, erklärt Lilje. Bei anderen Läufen gelte es, mittels eines Kompasses die Richtung bis zum Ziel zu halten. „Dabei kann man aber sehr viel isoliert für sich trainieren“, ergänzt der Heilerziehungspfleger, der in einer Einrichtung in Borgfeld mit behinderten Kindern und Jugendlichen arbeitet. Es gebe durchaus Konkurrenten in seinem Sport, die zwar schneller seien, aber durch die schlechtere Orientierung dennoch später im Ziel landeten, meint Lilje. TSV-Coach Uli Bandt führte ihn vor 15 Jahren an den Sport heran.

Niedersachsens derzeit erfolgreichster Orientierungsläufer der Männer treibt fast jeden Tag Sport. „Ich laufe fünfmal in der Woche. Dazu kommen dann noch ein bis zwei Tage Athletiktraining“, verrät Lilje. Er spule in der Woche ein Laufpensum von etwa 60 Kilometern ab. „Die Menschen aus meinem Umfeld kennen es alle, dass ich schlechte Laune bekomme, wenn ich nicht laufen kann“, sagt Kilian Lilje. Ein Knochenmarksödem am Schienbein und Achillessehnenentzündungen bremsten den Sportler schon einmal aus. „Seit Dezember des vergangenen Jahres bin ich aber beschwerdefrei und habe deshalb erstmals durchtrainiert“, berichtet der Worpsweder. Deshalb müsse er aber nun auch mal pausieren.

Auch wenn diverse Meisterschaften in diesem Jahr der Corona-Krise zum Opfer gefallen sind, kann kein Lockdown sein Training behindern. „Als Individualsportler darf ich schließlich jederzeit meinen Sport ausüben“, gibt Kilian Lilje zu bedenken. Da auch noch eine weitere Person dabei erlaubt ist, kommt auch Liljes Klubkollege Christoph Freudenfeld das eine oder andere Mal im Training ins Spiel. „Von ihm kann ich noch viel lernen. Christoph ist auch sehr fit für sein Alter und auf der Straße auch schneller als ich“, lobt Kilian Lilje den 45-Jährigen. Lilje nimmt auch ab und zu an Straßenläufen teil und weist über fünf Kilometer eine sehr ordentliche Bestzeit von 18:20 Minuten auf. Auf der Zehn-Kilometer-Strecke hat er die magische 40-Minuten-Grenze in 39:40 Minuten auch schon deutlich unterboten.

„Ich peile aber eine Verbesserung meiner Bestzeit über die zehn Kilometer auf 37:10 Minuten an“, verrät der Werder-Fan. Die besten Orientierungsläufer der Bundesrepublik würden auch schon mal eine Zeit von 35 Minuten schaffen. „Ich muss also auf jeden Fall noch an meiner Schnelligkeit arbeiten, wenn ich in Deutschland ganz nach vorne möchte“, sagt Kilian Lilje. Dessen Ziel sind die Deutschen Meisterschaften im Sprint im Jahre 2022 in Hamburg. „Die Strecke kenne ich schon ganz gut. Im Sprint bin ich am besten. Hier habe ich auch sämtliche Ranglistenläufe gewonnen“, frohlockt der 25-Jährige. Die Sprint-Wettbewerbe würden nicht im Wald, sondern in der Stadt ausgetragen und seien in technischer Hinsicht nicht so anspruchsvoll. „Man muss hier aber bei hohem Tempo Karten lesen können“, erklärt Kilian Lilje.

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