Streit um Wiese in Worpswede Nie gebauter Spielplatz wird Bauland

Um eine Wiese am Worpsweder Paula-Modersohn-Becker-Weg gibt es Streit: Die Gemeinde möchte sie als Bauland verkaufen, die Nachbarn wollen sie als Treffpunkt und Bolzplatz behalten und fordern ein Vorkaufsrecht.
22.03.2020, 17:31
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Kessels

Worpswede. Wenn eine Wiese am Paula-Modersohn-Becker-Weg bebaut wird, kann die Gemeinde Worpswede mit einem Verkaufserlös von deutlich über 100 000 Euro rechnen. Diese Aussicht schien dem größten Teil des Planungsausschusses durchaus verlockend. Fast einstimmig empfahl der Ausschuss in seiner letzten Sitzung vor der Corona-Pause, für die Grünfläche einen Bebauungsplan aufzustellen. Anwohner des Paula-Modersohn-Becker-Wegs, die als Zuhörer der Sitzung beiwohnten, waren alles andere als begeistert. Vielleicht ergibt sich für die Gemeinde aber noch die Möglichkeit, die Wiese zu verkaufen, ohne dass sie bebaut wird.

Das Grundstück an der Außenseite der Kurve im Paula-Modersohn-Becker-Weg, das im Nordosten von einem Stichweg begrenzt wird, sollte ursprünglich mal ein Kinderspielplatz werden, erklärte Fachbereichsleiter Michael Rath. Aber es habe kein Bedarf bestanden, zudem sei in Niedersachsen 2011 die Pflicht entfallen, bei allen Neubaugebieten einen Spielplatz anzulegen. Derzeit sei die Fläche eine Wiese, die teilweise als Parkplatz verwendet werde. Sie sei von ähnlicher Größe wie die übrigen Grundstücke am Weg, also groß genug für ein Wohnhaus. Wenn die Gemeinde die Wiese verkaufen würde, könnte sie mindestens mit einem Erlös von 120 000 Euro rechnen, denn das entspreche dem Bodenrichtwert.

Gemeinde will Grundstück verkaufen

„Das ist eine Top-Lage“, meinte Andreas Uphoff, eine Bebauung sei sinnvoll. Aber die Gemeinde solle das Grundstück besser meistbietend auf den Markt bringen, denn dann lasse sich bestimmt mehr erzielen als der Richtwert. Eva Bunn von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) war skeptisch: Der Paula-Modersohn-Becker-Weg stehe, weil er ein recht altes Baugebiet sei, vor einem Generationenwechsel, meinte sie. Es sei damit zu rechnen, dass dort bald wieder junge Familien einzögen, und dann werde vielleicht doch noch ein Spielplatz benötigt. Aber auch jetzt solle die Fläche nicht bleiben, wie sie sei, so Bunn weiter; man könne eine Blühwiese anlegen. Andererseits könne sie sich auch eine Bebauung vorstellen, aber mit einem kleineren Haus als in der Nachbarschaft. Ihre Fraktion sei in dieser Frage nicht einig.

Werner Schlüter gehört zu dem Teil der UWG-Fraktion, der gegen jede Bebauung ist. Die Fläche könne zu einem Park umgestaltet werden, dort könnten Kinder spielen und alte Leute sich treffen, fand er. „Das ergäbe einen schönen Mittelpunkt für das ganze Wohngebiet.“ Bernd Rugen (Linke) nannte es gar ein „Unding“, dass der Spielplatz noch immer nicht existiere, schließlich sei er im Bebauungsplan vorgeschrieben. Aber es gebe genug Spielplätze in Worpswede, auch solche, die kaum besucht würden, wandte Friedrich-Karl Schröder (CDU) ein. Blühwiesen könne man auch auf den Privatgrundstücken anlegen. Von einer Bürgerbefragung, wie sie Werner Schlüter vorschlug, riet Michael Rath ab: Es gehe um ein Grundstück von 1300 Quadratmetern. „Wenn Sie dafür eine Bürgerbefragung machen, machen Sie bald nur noch Befragungen“, warnte er. Mit den Stimmen von CDU und SPD gegen die Stimme von Werner Schlüter bei Enthaltung von Eva Bunn wurde dann empfohlen, dass die Gemeinde das Grundstück verkaufen soll.

„Per Widmung enteignet“

„Abenteuerlich“, meinte dazu ein Anwohner, der seit 1969 am Paula-Modersohn-Becker-Weg wohnt, in der Bürgerfragestunde nach der Sitzung. Die Straße sei anfangs Privatstraße gewesen, alle Bauherren hätten das Spielplatzgrundstück und die Straße mitfinanziert, erst später sei die Straße öffentlich gewidmet worden. Das sei quasi eine Enteignung gewesen. „Und jetzt will die Gemeinde damit auch noch Geld verdienen“, schimpfte der Anwohner und forderte ein Vorkaufsrecht für Anlieger.

Eine direkte Nachbarin der Wiese wies darauf hin, dass dort seit einiger Zeit das jährliche Straßenfest stattfinde, das dem Zusammenhalt der Nachbarschaft sehr guttue. Autos stünden dort nur selten, die Wiese werde aber von Kindern als Fußballplatz genutzt. Ihr sei vor einem halben Jahr vom Bürgermeister mündlich ein Vorkaufsrecht zugesichert worden, aber seitdem habe sie trotz einer Nachfrage nichts mehr von der Gemeinde gehört.

Andreas Uphoff hielt ein Vorkaufsrecht für Anwohner zwar für möglich, aber auch für problematisch, denn es könne sein, dass dann mehrere Nachbarn Interesse an einem Kauf hätten. Sie selbst würde einen Preis zahlen, der dem Preis für Bauland entspreche, sagte die direkte Nachbarin, aber sich verpflichten, die Wiese zu ihren Lebzeiten nicht zu bebauen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+