Schießstand Waakhausen

Ratlosigkeit nach Schießstand-Schließung

Zum Schießstand Waakhausen gebe es keine Alternative, sagen Vertreter der Jäger in Bremen und Osterholz. Für sie wäre eine dauerhafte Schließung eine Katastrophe.
12.06.2019, 05:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Lars Fischer

Einen Plan B gibt es nicht. Für die Jagd im Landkreis Osterholz und Bremen sei der Schießstand in Waakhausen von existenzieller Bedeutung, betonen die Spitzen der beiden Landesjägerschaften. Marcus Henke, Vizepräsident des Verbands in der Hansestadt, bemüht gar das Kanzlerinwort: „Alternativlos“ sei die Anlage bei Worpswede.

Wie berichtet stellt der bisherige Betreiber zum 30. Juni den Betrieb auf dem umstrittenen Stand ein. Was danach kommt, ist völlig offen. Fakt ist aber auch: Mit dem Rückzug der Betreibergesellschaft ist nicht zwangsläufig das Ende des Schießstands besiegelt. Die Betriebserlaubnis gilt weiterhin; findet sich ein neuer Betreiber, so kann er zu den bisherigen Bedingungen den Schießbetrieb wieder aufnehmen, müsste allerdings auch die Sanierung der Anlage bewerkstelligen. Auf diese Lösung setzt Henke, ebenso sein Kollege Florian Lucas aus Grasberg. Er ist Vorsitzender der Landesjägerschaft Osterholz. Gemeinsam mit den Kollegen aus dem Nachbarbundesland will er Gespräche mit allen Beteiligten führen mit dem klaren Ziel, dass in Waakhausen wieder geschossen werden kann.

Ausbildung gefährdet

Beide Jagdverbände bilden auf der Anlage ihren Nachwuchs aus, außerdem müssen Jagdscheininhaber, die in niedersächsischen Staatsforsten unterwegs sind, einmal jährlich einen Schießnachweis ablegen, der ebenfalls dort abgenommen wird. Auf Bundesebene wird zurzeit an einer Novelle des Jagdrechts gearbeitet. Fachleute gehen davon aus, dass nach Inkrafttreten dieser auch alle anderen Jäger einmal im Jahr eine solche Prüfung absolvieren müssen. Allein in Bremen wären das 1000 Betroffene.

Weiterer Nutzer ist der Jagd- und Wurftaubenclub Osterholz (JWC), dessen Vorsitzender ebenfalls Henning Kruse, Geschäftsführer des bisherigen Betreibers in Waakhausen, ist. Der Verein wurde 1963 gegründet und betreibt Schießen als Leistungssport. Mit Jan-Henrik Heinrich stellte er 1996 und 2000 einen Olympiateilnehmer und Weltrekordhalter. Auch Vincent Haaga, aktueller Vizeweltmeister im Skeetschießen, ist JWC-Mitglied. Ohne eigene Anlage werde das Vereinsleben wohl zum Erliegen kommen, prognostiziert Kruse.

Bundesweites Schießstandsterben

Die Lage ist aus Sportler- wie aus Jägersicht prekär, denn das bundesweite Schießstandsterben setzt beiden Interessengruppen erheblich zu. Hennig Kruse nennt Zahlen, die das Dilemma verdeutlichen: „2011 gab es in Niedersachsen noch 128 Schießstände, aktuell sind davon noch 32 in Betrieb. Ab 1. Juli dann noch einer weniger.“

Zuletzt traf es in der Region den Wurftaubenschießstand in Bad Bederkesa: Der Landkreis Cuxhaven schloss ihn zum 1. April dieses Jahres. Dort wurde schon seit 2009 nur noch mit Eisenschrot auf einem Skeetstand und einem Trapstand geschossen. Dennoch liegen aus früheren Zeiten, als noch bleihaltige Munition benutzt wurde, „schädliche Bodenveränderungen im Sinne des Bundes-Bodenschutzgesetzes vor“, schreibt dazu der zuständige Kreis. „Einen Schießbetrieb auf der genannten Fläche wird es demzufolge nicht mehr geben.“ Derzeit werde die Sanierung vorangetrieben. Und auch in Bad Bederkesa steht die Anlage auf hochmoorigem Untergrund, vergleichbar mit dem in Waakhausen.

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Damit fällt für die Nutzer des Stands bei Worpswede eine weitere Ausweichmöglichkeit weg. Auch die am nächsten gelegene Anlage in Rhadereistedt im Landkreis Rotenburg steht zurzeit nicht zur Verfügung – sie wird saniert und ist deswegen vorübergehend geschlossen. Dort soll in diesem Jahr ein Wall gebaut werden, der die Geräuschbelastung verringern und das Aufsammeln der Munitionsreste vereinfachen soll – so wie es auch für Waakhausen geplant war. Allerdings im Unterschied dazu auf vorwiegend sandigem Grund und nicht, wie von Kruse beabsichtigt, aus belasteten Z2-Material, sondern aus unbedenklicher eingestuften Baustoffen der Klassen Z1 und Z1.2.

Andreas Rugen, Vorsitzender des Rhadereistedter Vereins, rechnet damit, dass man im Herbst die Anlage wieder nutzen kann – weiterhin mit Bleimunition. In welchem Umfang ist allerdings offen, die Baugenehmigung und die damit verbundenen Auflagen liegen noch nicht vor. Rugen erwartet sie in den kommenden Tagen und will dann umgehend mit den Bauarbeiten beginnen. Klar ist für ihn aber: Die Kapazitäten, die in Waakhausen wegfallen, wird Rhadereistedt nicht kompensieren können, dafür sei die Anlage viel zu klein. „Ich bedauere die Probleme dort sehr“, sagt Rugen, macht aber gleichzeitig deutlich, man habe keinerlei Bestrebungen, die Nutzer abzuwerben.

Weitere Ausweichmöglichkeiten liegen über eine Autostunde entfernt, beispielsweise im rund 100 Kilometer entfernten Garlstorf in der Lüneburger Heide oder auf der anderen Weserseite. Nicht zuletzt deshalb wäre eine dauerhafte Schließung von Waakhausen ein „Riesenproblem“, wie Marcus Henke sagt. Für den Bremer Jägervertreter ist klar, dass ein solcher Totalausfall nicht auszugleichen sei. Man sei schlicht auf die Anlage angewiesen, wenn man die Aufgabenstellung, die an die Jagd gestellt wird, weiter erfüllen wolle. „Ohne Möglichkeiten zur Ausbildung haben wir keinen Nachwuchs“, sagt er. Man müsse klar mit der Situation umgehen und "um die Ecke denken“, um eine Lösung zu finden – auch damit nicht der Landkreis Osterholz auf den millionenschweren Sanierungskosten sitzen bleibe. Die kann aus seiner Sicht aber nur bedeuten, den Betrieb in Waakhausen wieder aufzunehmen.

Betreiber bleibt haftbar

Das ist für die Gegner der Anlage natürlich kein erstrebenswertes Szenario. Andreas Oeller, federführend bei der Bürgerinitiative Waakhausen, betont zwar die Notwendigkeit der Jagd, aber er sieht keine Zukunft für den Schießstand an der Hammeniederung. Und er vermutet auch andere Hintergründe für die Einstellung des Schießbetriebs, als Kruse sie mitteilte. In einer Presseerklärung macht die Initiative deutlich, dass nach ihrer Rechtsauffassung der Betreiber nun befürchten müsse, in Haftung genommen zu werden. „Die Verantwortung für einen gesetzeskonformen Betrieb des Schießstandes und die jetzt vom Platz ausgehende Umweltgefährdung (...) liegt auch nach Einstellen des Schießbetriebes beim Verein und Betreiber. Die Verwaltung fordert jetzt nur ein, was jahrelang missachtet wurde.“ Für Oeller steht außer Frage, dass es aktueller Stand der Technik sei, Wurfscheibenanlagen mit einem Wall zu betreiben. „Allerdings ist zu vermuten, dass die in Waakhausen vorliegenden Bodenverhältnisse dies unmöglich machen.“ Das wiederum müssen Gutachter nun ebenso beurteilen wie die tatsächliche Umweltbelastung.

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