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Vom Traum, eine Profireiterin zu sein

Hüttenbuschs Chantal Rödel steht vor einer großen Zukunft im Springreiten. Die ersten Schritte hat die 16-Jährige bereits gemeistert. Weitere sollen folgen.
27.04.2021, 08:32
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Vom Traum, eine Profireiterin zu sein

Chantal Rödel feierte bei ihrem ersten S-Springen auf Anhieb eine Platzierung.

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Hüttenbusch. Während andere Sportler sehnsüchtig darauf warten, wieder ihren gewohnten Aktivitäten nachzugehen, hat Chantal Rödel vom RFV Hüttenbusch-Neu Sankt Jürgen trotz des Corona-Lockdowns alle Hände voll zu tun. Die Springreiterin frönt ihrem Hobby fast jeden Tag und nimmt dabei auch sehr erfolgreich an Turnieren teil. Im vergangenen Jahr heimste die 16-Jährige ihre erste Platzierung in einem S**-Springen in Sandbostel ein.

Auch der für Niedersachsen zuständige Pferdesportverband Hannover würdigte bereits die Leistungen der Zehntklässlerin durch die Aufnahme in die Fördergruppe des Landeskaders mit ihrem Pferd Voodoo Fire. „Ich hoffe, dass ich im Laufe des Jahres auch in den eigentlichen Landeskader komme“, sagt Rödel. Trainiert wird die Schülerin von Anja-Sabrina Heinsohn vom RV Zeven beziehungsweise vom RV Der Montagsclub. Vier- bis fünfmal in der Woche reitet Rödel auch auf dem Hof von Heinsohn in Boitzen bei Zeven diverse Pferde wie Charlottenburg, Come on Doro, Voodoo Fire, ATC‘s Gijon, Valencia, Casadino und ATC‘s Shantou G, die sie auch bei Turnieren vorstellt. Aber auch mit ihrem eigenen Pferd Live Aid feierte sie bereits Siege in A- und L-Springen. Da der Wallach aber erst sechs Jahre alt ist, darf Rödel mit ihm erst im kommenden Jahr in S-Springen antreten.

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Im heimischen Offen-Stall in Worpswede besitzt das Reittalent darüber hinaus die Zuchtstute Fleur de Soleil, die gerade ein Fohlen bekommen hat und mit der Rödel bereits im M-Springen erfolgreich war. Um zum Training nach Boitzen zu gelangen, wird die ganze Familie eingespannt. Auch Großvater Paul Kirsch fuhr Rödel schon dorthin. Manchmal holt Heinsohn ihren Schützling auch in Worpswede ab. Meist begleitet aber Mutter Heike Rödel ihre Tochter zum Training und fährt sie auch zu den Turnieren. Heike Rödel war es auch, die die Leidenschaft für die Vierbeiner bei ihrer Tochter einst weckte. Dabei hatte diese überwiegend mit dem Trabrennsport zu tun. „Ich wollte aber richtig selbst reiten und habe dann auch irgendwann mit dem Reitunterricht begonnen“, berichtet die Schülerin der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal, die im Sommer zum Wirtschaftsgymnasium nach Zeven wechseln wird.

Vor zehn Jahren nahm Chantal Rödel ihre ersten Reitstunden. Schnell fand eine Spezialisierung auf den Springsport statt. „Die Dressur fand ich immer ein bisschen langweilig. Das dauerte mir alles zu lange. Springen fand ich immer spannender“, verrät die 16-Jährige. Die Corona-Pandemie und der damit zumindest teil- und zeitweise komplett wegfallende Präsenz-Unterricht an der Schule entpuppt sich für Rödel im Hinblick auf ihr großes Hobby sogar als Vorteil – kann sie sich ihr Training nun besser einteilen. „Insofern kommt mir Corona sogar zugute“, urteilt sie. Rödel, die derzeit im Wechsel-Unterricht eine Woche in der Schule und eine Woche im Home-Schooling ist, strebt nämlich eine Profi-Karriere im Reitsport an.

„Ich möchte das Reiten schon zu meinem Beruf machen. Aber erst einmal gilt es für mich, einen vernünftigen Schulabschluss hinzubekommen. Und dann möchte ich auch studieren. Schließlich weiß man nie, ob es auch etwas mit dem Profisport wird“, sagt sie. Auch Verletzungen könne sie nicht ausschließen. Wobei: Ernsthaft verletzt hat sich die Sportlerin bislang nur beim Turnen. Nach einem Armbruch vor vier Jahren erklärte sie ihre Turnlaufbahn vorzeitig für beendet und konzentriert sich seitdem vollständig auf den Reitsport. „Zeit für andere Sachen bleibt dabei sowieso nicht mehr“, sagt sie. Über Freizeit-Stress könne sie sich aber nicht beklagen. „Ich bekomme alles gut unter einen Hut. Ich kann es mir auch gut einteilen und weiß genau, wann ich welches Pferd vorbereiten muss“, versichert der Youngster.

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Anfang des Sommers im vergangenen Jahr bejubelte Rödel bei einem Turnier in Bremervörde ihre erste Platzierung in einem S-Springen auf Voodoo Fire. Dabei hatte sie gerade erst begonnen, überhaupt an S-Prüfungen teilzunehmen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es schon so schnell mit einer Platzierung klappen würde“, räumt sie ein. Im September 2020 gesellte sich dann in Sandbostel die erste Schleife in einem S**-Springen hinzu. „Weil Voodoo Fire bereits vorher über Erfahrung in S-Springen verfügte, habe ich mich sehr sicher gefühlt“, betont die Springreiterin. In diesem Jahr möchte sie den nächsten Schritt gehen und ein S-Springen gewinnen.

Auch eine Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften strebt Rödel an. Im vergangenen Jahr verpasste sie die DM-Qualifikation als Sechste der Landesmeisterschaften der Junioren im Reitsportmekka Luhmühlen nur knapp. „Dabei hatte ich sogar ein Springen gewonnen“, blickt sie zurück. Für eine DM-Quali muss sie bei den niedersächsischen Titelkämpfen unter die besten fünf Starter kommen und sich zusätzlich auch noch bei einem Qualifikationsturnier in einem S**-Springen möglichst platzieren. „Ich möchte mich in Luhmühlen noch verbessern“, kündigt die Gesamtschülerin an. Die Landesmeisterschaften der Junioren sind für Juli geplant.

An die Corona-Schutz-Bedingungen bei Turnieren hat sich Rödel inzwischen gewöhnt. „Anfangs war es schon ein bisschen komisch, nur mit Maske auf einem Turniergelände herumzulaufen. Irgendwann habe ich mich aber auch an die Abstandsregeln gewöhnt“, sagt sie. Da keine Zuschauer und nur jeweils eine Begleitperson zugelassen seien, fühle sie sich auf den Turnieren auch sehr sicher. Wenn ihre Mutter sie nicht begleitet, steht ihr meist ihre Freundin und Vereinskameradin Nele Antonia Wendt zur Seite.

Früher war die zweifache Deutsche Meisterin Simone Blum Rödels Vorbild im Springsport. „Mittlerweile habe ich aber selbst schon so viel in meinem Sport erreicht, dass ich kein Vorbild mehr benötige. Ich lasse alles auf mich zukommen“, erklärt die angehende Oberstufenschülerin. Ihre Trainerin Anja-Sabrina Heinsohn helfe ihr dabei, noch besser zu werden. „Man kann immer noch etwas dazulernen. Perfekt wird man im Reiten niemals“, erklärt Rödel. Ihr Lieblingsfach in der Schule ist ausgerechnet Mathematik. „Das finden in meiner Klasse einige schon recht komisch. Aber es handelt sich nur um ein Vorurteil, dass Mädchen automatisch kein Mathe können“, urteilt Rödel, die vor kurzem noch in einem M-Springen in Luhmühlen auf ATC‘s Gijon platziert war.

Info

Zur Person

Chantal Rödel (16)

reitet, seit sie sechs Jahre alt ist und gehört dem RFV Hüttenbusch-Neu Sankt Jürgen an. Trainiert wird die Springreiterin von Anja-Sabrina Heinsohn (RV Der Montagsclub), auf deren Anlage in Boitzen bei Zeven sie auch als Bereiterin tätig ist. Rödel besucht die zehnte Klasse der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Lilienthal und möchte anschließend ihr Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium in Zeven erwerben und dann studieren. Der Youngster tritt mit insgesamt acht Pferden bei Turnieren an und gehört zur Fördergruppe des Pferdesportverbandes Hannover, die als Vorstufe zum niedersächsischen Landeskader zählt. Rödel wohnt in Worpswede und war bereits in einem S**-Springen platziert. In diesem Jahr möchte sie sich zum ersten Mal für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren.

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