Literarisches Trio

Schreibfamilie

Die Tochter schreibt Fantasybücher, die Mutter Teufelsmoorkrimis und auch der Vater veröffentlicht Belletristik. Marieke Picard stellt ihr neues Buch jetzt vor, Christa und Winfried Picard ziehen in Kürze nach.
06.02.2020, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Schreiben wird im Haus Picard großgeschrieben. Die Eltern Christa und Winfried Picard haben beide schon mehrere Bücher verfasst, und auch ihre Tochter Marieke, deren zweiter Fantasy-Roman gerade erschienen ist, hat schon einiges veröffentlicht. Ein gemeinsames Haus gibt es zwar nicht mehr – Marieke lebt mit ihrer Familie im brandenburgischen Schöneiche, die Eltern sind im vergangenen Jahr von Grasberg nach Worpswede gezogen – die literarische wie die familiäre Verbundenheit bleibt aber bestehen. Die Drei sind ihre schärfsten Kritiker und größten Förderer – nicht das schlechteste Konzept fürs Familienleben, wie es scheint.

Marieke Picard ist gerade zu Besuch bei ihren Eltern, denn am Sonnabend stellt sie ihren Roman „Julinda und die magische Eiche“ in Worpswede vor. Die erste Lesung des neuen Materials aber ist das nicht, nur die erste außerhalb ihrer Familie, denn sie liest ihre Texte ihren Eltern und ihren eigenen Kindern vor, noch bevor sie fertig sind. „Wenn sie wissen wollen, wie es weitergeht, dann weiß ich, dass der Spannungsbogen stimmt“, sagt die 38-Jährige, die im Hauptberuf Lehrerin ist. Auch die Eltern lesen sich ihre Texte gegenseitig vor. Sie aber sitzen auch beim Schreiben meist dicht beieinander, jeder mit dem Laptop auf den Knien, Sessel an Sessel im neuen Wohnzimmer. „Ihr habt ja auch mehr Zeit“, sagt die Tochter, die auch mal im Café oder draußen in der Natur schreiben möchte, meistens aber doch am Schreibtisch arbeitet. Ein wenig Neid klingt mit.

Literarisches Trio

Dabei war die Jüngste im literarischen Trio die Erste, die einen Roman schrieb. Zwar hatte Winfried Picard, der wie seine Ehefrau hauptberuflich als Psychologe arbeitete, zuvor schon Fachliteratur veröffentlicht, aber an fiktive Geschichten machten sich die ältere Generation erst später. Dafür fing Marieke mit 14 Jahren an, inspiriert von einer Aufgabe in der Schule schreib sie „Das schwarze Kreuz“. Christa Picard tippte das handgeschriebene Manuskript ab, aber ein Verlag fand sich damals trotz großer Anstrengungen nicht.

Entmutigen ließ sich die junge Autorin nicht, und noch als Schülerin gewann sie ihren ersten Nachwuchspreis mit einer Pferdegeschichte. Ausgerechnet ein Reitunfall mit folgender Gehirnerschütterung hielt sie davon ab, den Preis selber im Empfang zu nehmen. Zur Verleihung ging ihr Vater. Die Vermutung, dass ihn dieser Ruhm dann selber auf die belletristische Schiene gebracht habe, weist er zwar entschieden, aber auch grinsend von sich. 2012 erschein sein erster, psychologisch ausgerichteter Roman „Reisingers Träume“. Er hatte zuvor über Schamanismus und dann über Selbstversorgung geschrieben. Bis zum vergangenen Jahr hat er auf dem Hof der Familie in Otterstein einen Großteil der Nahrungsmittel selbst produziert; jetzt hat einer der beiden Söhne die Landwirtschaft übernommen.

Mariekes Brüder haben das Schreib-Gen offenbar nicht geerbt, auch nicht von Christa Malitz-Picard, die neben der Geschichte der Engelkens, der Vorbesitzer des Hofs, und einer weiteren Familienchronik eine ebenfalls therapeutisch geprägte Erzählung herausbrachte. Vor allem aber wurde sie mit ihren Teufelsmoor-Krimis um Kommissar Peter Köster, von denen bislang drei Bände erschienen sind, bekannt. Sie schreibt gerade an dem vierten Teil der Reihe, während ihr Mann sein nächstes Buch schon fertig hat. Sein zweiter Roman „Blaubeeren Sommer“ soll im März erscheinen.

Und auch Marieke Picard steckt schon wieder tief in einer anderen Geschichte. Sei arbeitet an der Fortsetzung von „Druidenkind“ von 2018, ihrer ersten eigenen Veröffentlichung nach einigen Beiträgen in Anthologien. Während der erste Teil dieser Trilogie in Irland und der neue in Schottland spielt, führt „Julinda und die magische Eiche“ nach Worpswede. Schon die Cover-Illustration lässt erkennen: Bei dem Baum kann es sich nur um die sogenannte Mackensen-Eiche handeln. Tatsächlich spielt die in der fiktiven Geschichte eine so große Rolle, dass sie – nachdem der Baum im Herbst 2017 ganz real umgefallen war – das Manuskript noch einmal ändern musste. „Das muss ja einen Grund gehabt haben“, meint sie vielsagend und verschweigt die Details.

Die Geschichte beginnt damit, dass Julindas Eltern für ein Jahr auf Forschungsreise gehen. Die Tochter soll solange bei der Großmutter in Worpswede wohnen, direkt nebenan lebt ihre beste Freundin Leonie. Gemeinsam erleben die beiden Mädchen ein fantastisches Abenteuer, in dem Hexen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Ein bisschen Bibi Blocksberg im Teufelsmoor sozusagen, aber auch bekannte Worpsweder kommen darin vor.

Weitere Informationen

Marieke Picard stellt „Julinda und die magische Eiche“ am Sonnabend, 8. Februar, ab 14 Uhr im Bioladen Moorrübe am Walter-Bertelsmann-Weg 2 in Worpswede vor. Der Eintritt ist frei. Das Buch ist in der Edition Falkenberg erschienen, ISBN 978-3-95494-215-3 und kostet 12,90 Euro. Weitere Infos unter www.picard-buecher.de.

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