Ausstellung auf Worpsweder Flaniermeile Skulpturenpfad auf der Bergstraße

Worpswede ist um fünf Ausstellungsorte reicher: Auf der Bergstraße sind jetzt Betonsockel aufgestellt worden, die erstmals für ein Jahr mit fünf Skulpturen – ausschließlich von Künstlerinnen – bespielt werden.
05.05.2021, 08:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Sisyphus, so berichtet es die griechische Mythologie, musste seinen Fels Tag für Tag neu den Berg hinauf rollen. Damit Gesteine – oder auch Kunstwerke aus anderen Materialien – nicht auch die Bergstraße wieder hinunter rollen, stehen seit dieser Woche fünf massive Betonsockel auf der Worpsweder Flaniermiele, die so auch ein bisschen mehr eine Kunstmeile werden soll. Ähnlich wie die Plagen für den König aus Korinth war auch der Weg dorthin eine langwierige und steinige Angelegenheit, im Ergebnis aber durchaus nachhaltiger. Denn die Quader sind als dauerhafte Ausstellungsflächen für Kunstwerke gedacht, die jeweils ein Jahr darauf stehen bleiben sollen. Gleichzeitig helfen sie, den Verkehr noch ein bisschen mehr auszubremsen. Die Standorte können verlegt werden, wenn sie sich als nicht optimal erweisen sollten.

Der Impuls zu diesem Skulpturenpfad, der noch verlängert werden soll, stammt aus dem Gemeindeentwicklungsprozess und ist mehrere Jahre alt. Nun ist er umgesetzt, und die ersten fünf Arbeiten, die von der Kunsthistorikerin Mirjam Verhey kuratiert worden, sind Künstlerinnen vorbehalten, sodass auch ein direkter Bezug zur diesjährigen Ausrufung Worpswedes als Frauenort hergestellt wird. So bezieht sich der Titel der ersten Ausstellung „Tote gibt’s hier genug. Fünf lebendige Positionen“ auch weniger auf die Alten Worpsweder, als vielmehr auf die Tatsache, dass alle 42 niedersächsischen Frauenorte Tote als Patinnen haben, im Falle Worpswedes natürlich Paula Modersohn-Becker.

Das Thema Frauenort greift Rima Radhakrishnan mit ihrem Werk an der Goldschmiede Uphoff explizit auf. Sie arbeitet gar nicht bildhauerisch, sondern mit Wort-Listen, die sie auf den ansonsten leer bleibenden Sockel – und auch auf anderen Flächen im Ort – geschrieben hat: allesamt Wörter aus dem Duden mit dem Präfix Frau- in alphabetischer Reihenfolge. Die konventionellste Arbeit ist eine Bronze von Gisela Eufe an der Sparkasse, die sich dem Thema Eva und der Sündenfall zuwendet. Futuristischer und ambivalenter kommt „Esther“ daher, eine Collage der Bremerin Anja Fußbach, die eine Tänzerin oder ein Modell aus geschweißtem Kleid, aber mit echten Cowboy-Stiefeln und einem roten Plastikkopf in exaltierter Pose vor die Kunsthalle Netzel platziert hat. Was am anderen Ende des Restes einer Leine in ihrer Hand einmal war, bleibt offen.

Einen Lebensreigen aus drei verschiedenen alten Frauen hat Annegret Maria Kon gebrannt und am Großen Parkplatz unter einen Baum gruppiert. Claudia Piepenbrock, die 2014 den Nachwuchspreis beim Paula-Modersohn-Becker-Kunstpreises des Landkreises Osterholz gewonnen hatte, hat schließlich „ihren“ Sockel ebenfalls zweckentfremdet: Sie hat ihn mit einem Stück Fassade verkleidet – einer „Blend-Architektur“, wie sie selber sagt. Sie findet aber, ihr Werk vor dem Alten Rathaus könnte genauso ein lackierter Fingernagel sein. Alle fünf jetzt beteiligten Künstlerinnen sollen in diesem Sommer auch in der kommunalen Galerie mit einer Gemeinschaftsausstellung zu sehen sein.

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