Worpsweder Buchhändlerinnen: „Desaster“ Soforthilfe zu bürokratisch

Genervt von zu viel Formularen: Worpsweder Buchhändlerinnen fordern eine vereinfachte Antragstellung für finanzielle Unterstützung.
31.03.2020, 11:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Cornelia Hagenah

Unternehmer und Selbstständige haben aufgrund der Corona-Krise die Möglichkeit Soforthilfen zu beantragen. In Niedersachsen ist die Nbank für die Soforthilfe zuständig, doch scheint es nicht gerade einfach zu sein, an das Geld zu kommen. Betroffene schildern das Antragsverfahren als umständlich und kompliziert. Auf dem Internetportal sei „am Mittwochnachmittag kein Durchkommen“ gewesen, wie Silke Schroeter von der Buchhandlung Friedrich Netzel berichtet. Der Text auf der Internetseite lautet am Freitagmittag noch immer: „Da unser Portal weiterhin stark ausgelastet ist, bitten wir alle, die den Zuschuss Niedersachsen-Soforthilfe-Corona beantragen wollen, sich vorerst nicht mehr zu registrieren. In Kürze können Sie den Antrag ohne Kundenportal stellen.“ Seit Freitag Abend hat sich die Antragstellung zumindest etwas verbessert und Anträge können per Download ausgefüllt werden. Dennoch ist die Antragstellung immer noch nicht so einfach, sagt Schroeter.

Für Schroeter, die mit ihrem Laden selbst betroffen ist und als Vorsitzende für den Gewerbeverein Worpswede spricht, ist das ein „Desaster“. Sie versucht, nicht nur für sich selbst einen Antrag zu stellen, sondern auch ihre Informationen mit anderen Betroffenen zu teilen. „Mich stresst das total“, meint sie, ständig änderten sich die Formularen, die auszufüllen sind. Sie wolle die richtigen Infos weitergeben, doch das scheint recht schwierig. Den Beschluss zur Soforthilfe findet sie gut, dennoch sei das Verfahren zu kompliziert. In Niedersachsen müsse man sich ein mehrseitiges Dokument herunterladen und zudem noch einen Auszug aus dem Handelsregister beifügen. „Man fühlt sich überfordert, und man steigt kaum durch“, meint Schroeter.

Auch Der Buchladen in der Findorffstraße 17 ist betroffen. Geschäftsführerin Elke Schlüter sagt, sie brauche Zuschüsse, um die Liquidität zu sichern. „Die Kosten laufen weiter, die Rechnungen müssen bezahlt werden, damit wir nicht pleitegehen“, meint sie. Wie andere Inhaber von Geschäften, die jetzt geschlossen bleiben müssen, wünscht sie sich eine vereinfachte Antragstellung für die Soforthilfe. So wird es auch vom Landesverband Nord des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, mit denen Schroeter und Schlüter in Verbindung sind, gesehen.

Der Börsenverein versteht sich als Sprachrohr der Buchbranche. Als Verband vertritt er die Interessen von drei Handelsstufen: Buchhandel, Verlage und Zwischenbuchhandel. Die Antragstellung sei von Bundesland zu Bundesland verschieden, erklärt Katrin Albert-Helbing auf telefonische Nachfrage. In Bremen und Mecklenburg-Vorpommern müsse man nur ein zweiseitiges Formular herunterladen, ausfüllen und an die Bank schicken. So fordert der Verband die bürokratischen Hürden für Buchhändler und Verleger zu beseitigen. „Unser Einsatz, auch in schwierigen Zeiten Bildung und Unterhaltung für die Gesellschaft bereitzustellen, wird dadurch zusätzlich behindert“, schreibt er. Durch Internetservices und Lieferangebote stellten auch Buchhändler die Versorgung sicher. „Wir wünschen uns hier eine Anerkennung unserer Leistung, indem die Abwicklung vereinfacht wird“, so der Börsenverein. Dies wünschen sich auch Schroeter und Schlüter. Auch wenn sie beide ein ähnliches Angebot für ihre Kunden bereit halten, stehen sie jetzt in engerem Kontakt. Denn beide befürchten, dass sie einen Teil ihrer Kunden an große Online-Firmen verlieren. „Man lebt ja vom Gespräch“, meint Schroeter. Und auch Schlüter erzählt, dass viele Kunden gerne zum Stöbern in ihren Laden gekommen seien und dann auch das eine oder andere Buch mitgenommen hätten. „Alles das fällt jetzt weg“, resümiert sie.

Beide Buchläden versuchen Lösungen zu finden, um ihre Stammkunden dennoch zu halten. Silke Schroeter betreibt in ihrer Buchhandlung in der Findorffstraße 29 auch einen Online-Shop, bei ihr können auch weiterhin telefonisch vorbestellte Bücher abgeholt werden. Wer lieber zu Hause bleiben möchte, kann bei der Buchhandlung von Elke Schlüter Bücher telefonisch bestellen, die dann an die Haustür geliefert werden. Auch Gutscheine für Bücher können erworben werden, um so zum Erhalt des Geschäftes beizutragen. Schlüter hat dazu Aushänge in ihr Fenster gehängt. Unter dem Motto „Wir sind Ihre Amazonen“ versucht sie die Kundschaft, die jetzt vor der Tür bleiben muss, zu motivieren, Lesefutter zu erwerben. Mit einigen Helfern hat sie jetzt einen Lieferservice für Bücher organisiert. Sowohl im Buchladen bei Elke Schlüter als auch bei der Buchhandlung Netzel können bestellte Bücher vor der Tür abgeholt werden.

Silke Schroeter ist es nach Tagen endlich gelungen ihren Antrag loszuschicken. „Aber es ist ziemlich kompliziert, ohne meinen Steuerberater hätte ich das nicht geschafft“, sagt sie etwas beruhigter und hofft, dass der Antrag bald bewilligt wird. Und etwas Positives habe die Krise, findet Silke Schroeter trotz aller Widrigkeiten und Ungewissheiten: „Die Leute geben jetzt Trinkgeld beim Bezahlen.“ Wer Bücher bestellen und die Worpsweder Buchhändler unterstützen möchte, kann dies bei der Buchhandlung Friedrich Netzel telefonisch unter 04792/ 12 02 oder per E-Mail an info@buchhandlung-netzel.de oder bei der Buchhandlung Elke Schlüter unter der Telefonnummer 04792/ 18 27 tun.

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