„Unsere Vereine“: GC Worpswede Das Geheimnis des Golfsports: Präzision schlägt Kraft

Der GC Worpswede freut sich über eine gute Entwicklung. Dabei stellen sich viele Golfinteressierte vor allem eine Frage: Wo ist eigentlich der Platz?
07.04.2021, 11:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Als der Golfclub (GC) Worpswede Mitte der 1970er Jahre seine Zelte in Vollersode-Giehlermühlen aufschlug, haftete dem Sport so manches Vorurteil an. „Wir Golfspieler hatten den Ruf, besonders elitär zu sein und ausschließlich in Karo-Hosen auf den Platz zu gehen“, erinnert sich Worpswedes Schriftführerin Renate Tegeler zurück.

Derart abgehoben seien die Gründungsmitglieder aber keinesfalls gewesen. „Wir laufen in ganz normalen Freizeit-Kleidern herum. Bei uns ist auch jeder willkommen“, versichert Tegeler. Die 81-Jährige ist bereits seit 1975 dabei. Der Club zur Vahr habe aber durchaus den Eindruck vermittelt, nur einen ganz erlesenem Kreis zugänglich zu sein. „Da hatte man schon das Gefühl, nur Mitglied werden zu können, wenn man in den Verein hineingeboren wurde“, räumt das Worpsweder Vorstandsmitglied ein. Die aus Worpswede und Bremen stammenden Ehepaare, die sich Anfang der 1970er Jahre überlegten, einen eigenen Club zu gründen, wollten es aber anders handhaben.

„Jeder sollte hier Mitglied werden dürfen“, so Tegeler. Der Oberneulanderin sei es aber am Anfang dennoch ein wenig schwer gefallen, den Menschen auf dem Lande darüber zu berichten, Golf zu spielen. „Ich bin in dieser Hinsicht schon auf Unverständnis gestoßen. Auf dem Land war man schließlich entweder im Schützen- oder im Fußballverein“, sagt die rüstige Sportlerin. Viele Leute hätten aber auch gar nicht mitbekommen, dass ein Golfplatz entstanden ist. „Immer wieder habe ich gehört, dass Menschen gar nicht aufgefallen sei, dass wir einen Golfplatz errichten“, berichtet Renate Tegeler. Bei der hiesigen Bevölkerung sei es aber ein beliebtes Gebiet gewesen, um Heidelbeeren zu pflücken.

„Als Naturliebhaberin hat mich die Gegend auch sofort begeistert. Unsere Anlage ist wunderschön und ruhig gelegen. Es handelt sich um eine abwechslungsreiche Oase“, urteilt Renate Tegeler. Bis es auch eine bespielbare Oase wurde, verging noch viel Zeit. An fast jedem Wochenende wurde ein Arbeitsdienst für die Mitglieder angesetzt. „Am Anfang haben die Mitglieder mehr gearbeitet als Golf gespielt“, informiert Worpswedes Präsident Thore Meyer. Schwere Äste, ja ganze Bäume, mussten abgetragen und Steine entfernt werden. „Wir mussten auch deshalb alles auf dem Gelände aufräumen, um einen Befall der Bäume mit Borkenkäfern zu verhindern“, sagt Renate Tegeler. Erst im Jahre 1979 wurde eine erste Neun-Loch-Anlage eingeweiht. Der Landkreis Osterholz hatte aber auch bereits der Erweiterung auf eine 18-Loch-Bahn zugestimmt. Deren Einweihung erfolgte dann im Jahre 1986.

Kaum ein Worpsweder Golfer verfügte bereits über Vorerfahrungen in diesem Sport, sodass immer wieder ein Ehepaar, das bereits in Kolumbien Golf gespielt, sowie ein weiteres Ehepaar, das in Bremerhaven-Geestemünde Erfahrungen in dieser Sportart gesammelt hatte, für Anleitungen herhalten mussten. Die Worpsweder liehen sich aber ab und an auch mal einen Trainer vom Club zur Vahr aus. Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch das Ehepaar Klose, das in Worpswede in der Nachbarschaft von Karl Tegeler wohnte. Deren Sohn Alexander Klose ist mittlerweile hauptberuflich als Vizepräsident des Deutschen Golfverbandes tätig und mit der Tochter von Renate und Helmut Tegeler, Elke Klose, verheiratet. Enkel Julius Klose studiert zwar in Hamburg, ist aber trotzdem Mitglied beim GC Worpswede. Dessen Eltern Alexander und Elke Klose leben in Wiesbaden. „Elke Klose war eine sehr gute Golferin bei uns“, betont Thore Meyer.

Aber auch Alexander Klose erlernte das Golfspielen beim GC Worpswede. „In Worpswede fragen sich viele Leute, wo sich denn eigentlich der Platz des Vereins befinden würde“, teilt Renate Tegeler mit. Viele seien dann überrascht, wenn sie erführen, dass dieser etwa 15 Kilometer von Worpswede entfernt liegt. Die Verdienste der Schriftführerin um den Verein sind gar nicht hoch genug zu bewerten. „Renate ist die gute Seele des Clubs“, lobt Vereinskollege Eckard Heinsohn die langjährige Golf-Schiedsrichterin, die dem Verein in verschiedenen Funktionen diente.

Der GC Worpswede verfügt über zahlreiche Mannschaften, die sich am Spielbetrieb beteiligen. Vor allem der Herrenbereich ist mit Mannschaften im Altersklassen (AK)30-, 50-, 65- und 70-Bereich sehr aktiv. Der Verein verfügt sogar über gleich zwei AK65-Teams. Die offene Herrenformation löste sich dagegen gerade auf. Diese Lücke könnte aber demnächst die ambitionierte Jugendmannschaft schließen. Zu diesem Team gehört auch Bent Meyer, der Sohn von Thore Meyer. Der Clubpräsident spielte viele Jahre Fußball beim TV Axstedt und Tennis beim TC Axstedt. „Golf zu spielen, ist für mich wie ein Kurzurlaub in der Natur“, schwärmt Thore Meyer, der auch bereits seinen Vater Werner Meyer für den Sport begeistern konnte. „Generell ist es aber ein großer Fehler, zu spät mit dem Golfen anzufangen“, betont der Vereinschef, der vor sechs Jahren vom Vize-Präsidenten zum Präsidenten aufstieg.

Die Kunst beim Golfspielen ist es, die Konzentration über einen Zeitraum von etwa drei bis vier Stunden hochzuhalten. „Ansonsten versaust du dir deinen Score. Auch wenn man gegen jemanden antritt, spielt man letztendlich immer in erster Linie gegen sich selbst“, sagt Thore Meyer. Man müsse auch für jede Bahn eine eigene Taktik verfolgen. „Wir haben einen guten Zulauf“, freut sich der 50-Jährige.

Technik gehe beim Golf immer vor Kraft. „Es geht nicht darum, wie ein Zimmermann auf den Ball draufzuschlagen. Die Präzision ist viel wichtiger“, so der Leiter des Amtes für Immobilienmanagement des Landkreis Osterholz. Deshalb könnten Frauen auch genauso gut Golf spielen wie Männer. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern bei den Mitgliedern liege bei etwa 60:40 Prozent zu Gunsten der Männer.

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