Rettung der Artenvielfalt

Worpsweder legen Listen aus

In Worpswede ist die Unterstützungsaktion für das Volksbegehren Artenvielfalt gestartet.
13.06.2020, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus

Worpswede. Der Naturschutzbund (Nabu) und 114 weitere Organisationen setzen sich für einen besseren Artenschutz in Niedersachsen ein. Seit Anfang Mai läuft deshalb ein Volksbegehren, mit dem drei Gesetze geändert werden sollen, um den dramatischen Rückgang bei Pflanzen und Tieren zu stoppen. Unterstützung erhält die Aktion des breiten Bündnisses aus Naturschützern, Parteien und Bio-Anbietern auch von Worpswedern. Dazu zählen der lokale Nabu, die Grünen, die UWG Worpswede und der BUND. Sie werben nun im Künstlerdorf um Unterschriften. „Gerade auch in Worpswede als Teil der Teufelsmoor-Region hat die Natur einen hohen Stellenwert und ist Anziehungspunkt für Einheimische ebenso wie für Gäste“, betont Jochen Semken von der UWG. „Wir sind davon überzeugt, dass es Zeit ist zu handeln.“

Unterschriftenlisten zur Teilnahme an dem Artenschutz-Volksbegehren liegen an zentralen Stellen in der Gemeinde aus, unter anderem im Bioladen Moorrübe, im Hotel Buchenhof, in der Mosterei Fabelsaft sowie in der Regen-Apotheke in Hüttenbusch. Ansprechpartner sind Bernd Zacharias vom Nabu, Almut Helvogt von Bündnis90/Die Grünen, Jochen Semken sowie Hans-Gerhard Kulp vom BUND. "Wir können nicht von Brasilien verlangen, den Regenwald zu schützen und bei uns über 90 Prozent der Moore und Wälder wirtschaftlich nutzen“, bekräftigt Hans-Gerhard Kulp. Teilnahmeberechtigt sind alle Erwachsenen ab 18 Jahre, die ihren ersten Wohnsitz in Worpswede haben.

Der Großteil der geforderten Änderungen im Volksbegehren „Artenvielfalt. Jetzt!“ betrifft das niedersächsische Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz, einige betreffen auch das Niedersächsische Wasser- und Waldgesetz. Die Initiatoren fordern unter anderem mehr Vielfalt in der Landschaft, weniger Pestizide und mehr Ökolandbau, Wiesen und Weiden als artenreichen Lebensraum zu erhalten sowie mehr naturnahe Wälder. Die Hintergründe seien dramatisch. „In Niedersachsen ist die Hälfte von 11 000 Tier- und Pflanzenarten bedroht“, beklagt Klaus Ahrens, Vize-Präsident des deutschen Berufs- und Erwerbs-Imkerbundes und einer der Initiatoren des Volksbegehrens. Ahrens warnt zudem vor einem weiteren Bienensterben.

Bauern in Niedersachsen sind allerdings enttäuscht, dass Nabu und Grüne das Volksbegehren durchziehen, obwohl sich Landwirte, Landwirtschaftskammer und Naturschützer doch gerade erst auf eine weitreichende Selbstverpflichtung im „Niedersächsischen Weg“ geeinigt hatten. Albert Schulte to Brinke, Präsident des Landvolks Niedersachsen, wirbt für den von der Landwirtschaft mit der Landesregierung und Naturschutzverbänden ausgehandelten Rahmenvertrag zu Natur-, Arten- und Gewässerschutz. Das vom Nabu Niedersachsen zeitgleich auf den Weg gebrachte Volksbegehren bezeichnete er am Dienstag als „irritierend“, zumal der Nabu-Vorsitzende Holger Buschmann in die Ausarbeitung des „Niedersächsischen Weges“ einbezogen gewesen sei.

Den „Niedersächsischen Weg“ und seine Vereinbarungen wertet der Worpsweder Jochen Semken als Schritt in die richtige Richtung. Hoffnungsfroh stimme ihn, dass das Landvolk die Maßnahmen mittrage und unterschrieben habe. Jetzt allerdings sei es wichtig, die Vereinbarung gesetzlich zu verankern, denn eine Absichtserklärung sei weniger verbindlich als die mit dem Volksbegehren angestrebte gesetzliche Regelung, so Semken.

Wegen der Corona-Pandemie verzichten die Worpsweder Akteure vorerst auf Aktionen vor Ort, sind aber dabei, Info-Veranstaltungen und Führungen zum Thema Artenvielfalt zu planen. Info-Stände vor Supermärkten seien schon jetzt möglich, erzählt Semken. Er sei sehr zuversichtlich, dass 25 000 Unterschriften recht schnell zusammenkommen. Die braucht das Artenvielfalt-Bündnis nämlich binnen sechs Monaten für die Zulassung eines Volksbegehrens. Nach einer Prüfung durch die Landesregierung müssen nach Angaben des Nabu dann binnen weiterer sechs Monate zehn Prozent der Wahlberechtigten – knapp 610 000 Niedersachsen – die Initiative unterstützen. Diese käme dann als Gesetzentwurf in den Landtag. Lehnt das Parlament diesen Entwurf ab, folgt zwingend ein Volksentscheid.

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