25 Jahre Music Hall Worpswede

Wie die Erfolgsgeschichte des Klubs begann

Mit einem Konzert der New Moscow Jazz Band fing alles an. Die Worpsweder Music Hall feiert ihren 25. Geburtstag mit einem Sommerfest am 24. August.
12.08.2019, 07:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lars Fischer
Wie die Erfolgsgeschichte des Klubs begann

Bands wie Silbermond, die sonst deulich größere Hallen füllen, schätzen an der Music Hall die Nähe zu ihren Fans.

FOTOS: Lars Fischer

Die Worpsweder Kulturgeschichtsschreibung beginnt meist im Jahr 1889, als die Kunst in Gestalt dreier Maler in das bis dato unbedeutende Moordorf kam. Mit der Musikgeschichte dauerte es noch ein gutes Jahrhundert länger: Sieben Unterschriften, die am 3. März 1994 die Vereinsgründung besiegelten, waren der formale Akt, der als Jahrestag der Gründung der Worpsweder Music Hall in diesem Jahr gefeiert wird. Wohin der Weg führen würde, war damals bestenfalls grob skizziert. Dass es aber eine solch nachhaltige Erfolgsgeschichte werden würde, hat selbst der selten um eine kühne Idee verlegende Initiator Hans-Dieter Ludwig so nicht vorausgeahnt.

H.-D., wie er genannt wurde, hatte bereits im Jahr zuvor begonnen, in dem mehr oder weniger brachliegenden Dorfsaal erste Konzerte zu veranstalten. Ein befreundetes Ensemble, die New Moscow Jazz Band, suchte einen Konzertort, und H.-D. machte es möglich. Bereits zu Pfingsten 1993 spielte wieder die Musik an der Findorffstraße, in einem Haus, dessen Geschichte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht. Die dortige Schankwirtschaft war Mittelpunkt des Ortes, hier fanden Hochzeiten, Kinovorführungen und Beerdigungen statt, im Saal wurde zu Gericht gesessen und gefeiert, getagt und gestritten, geturnt und getanzt.

Mitte der 1990er-Jahre aber hatte er die besten Zeiten hinter sich, und das war ihm auch deutlich anzusehen. Technik war so gut wie keine vorhanden, Patina dafür umso mehr. Noch Jahre später gab es hinter der Bühne nur ein Torfklo. Als es endlich renoviert werden konnte, machte der Worpsweder Maler Harm Hoffmann daraus einen höchst erotischen Sündenpfuhl. Jugendfrei ist die Rauminstallation nicht, sie zeigt vielmehr die Liebe zum überraschenden Detail, die über zweieinhalb Jahrzehnte geblieben ist.

Verein statt profitorientiertes Gewerbe

Nach recht improvisierten Anfängen ist die Music Hall längst ein professionell geführter Klub mit allem, was an technischen Voraussetzungen heute Standard ist. Und doch ist vieles anders in dem Dorf, dessen Name internationale Künstler zwar meist nur mühevoll über die Lippen bekommen, ihn dafür aber kaum mehr wieder vergessen. Worpswede steht auf der Landkarte der Orte mit den beliebtesten Klubs, nicht nur in der Region, sondern landes- und europaweit. Denn mit der Professionalisierung, die ihren Ausgangspunkt in der Gründung des Trägervereins nahm, ist nicht die unkonventionelle Seite des Unternehmens verschwunden. Noch heute ist die Music Hall ein Verein und kein profitorientiertes Gewerbe. Ehrenamt und Einsatz weit über das übliche Maß hinaus sind gefordert und für die Verantwortlichen selbstverständlich. Gastfreundschaft gilt als hehres Gut, und das erfahren sowohl die Menschen auf der Bühne als auch die davor.

Kurze Sommerpause

Die Arbeit ist in 25 Jahren nicht einfacher geworden, aber anders. Die Musikindustrie schwächelt seit Langem, das Livegeschäft aber boomt, weil es oft die letzte wirkliche Einnahmequelle für Künstler ist. Konzertanfragen gibt es jede Menge, aber die Ansprüche – die eigenen wie die des Publikums – sind gestiegen. Es gibt viele Anekdoten aus einem Vierteljahrhundert Music Hall, von denen der aktuelle Vereinsvorstand gerne erzählt. Von großartigen Freundschaften, die entstanden sind, und von manchen Stars, die sich ein wenig seltsam aufführten. Von Musikern, die nie ankamen, und anderen, die wie aus dem Nichts auftauchten. Und vom Bundesverdienstkreuz, das es 2017 für Doris Fischer, Vorsitzende des Music-Hall-Trägervereins, für den ehrenamtlichen Einsatz für die Kultur gab. Der größte Einschnitt aber war der Tod von Hans-Dieter Ludwig, der 2007 zur Umstrukturierung der gesamten Vereinsarbeit führte.

Lesen Sie auch

Aber eigentlich ist kaum Zeit für eine große Rückschau. Mit dem Herbst steht die nächste konzertintensive Saison vor der Tür, die Sommerpause war kurz. Am 14. August spielen Thees Uhlmann und Grillmaster Flash vor ausverkauftem Haus, am 16. und 17. August gibt es zwei Tage Open-Air-Kino im ebenfalls neu gestalteten Biergarten und am 23. August ist der Ire Ryan Sheridan zu Gast. Die umfangreichen Renovierungen im vergangenen Jahr hatten das siebenköpfige Vorstandsteam und ihre zahlreichen Mitstreiter zudem an die Belastungsgrenze geführt. Um so froher ist Doris Fischer, dass der Vorstand in diesem Jahr auf zehn Mitglieder angewachsen ist. Vor allem, weil mit Alexa Baro, Sven Bartel und Andreas Wilhelm drei langjährige Freunde des Klubs Verantwortung übernehmen und die Vorstandsriege verjüngen. Manches haben Fußball und Musikgeschäft eben gemeinsam: Auch und gerade ein Traditionsklub muss sich zukunftsfähig aufstellen.

Weitere Informationen

Zum Jubiläum wird es eine Geburtstagsfeier geben. Allerdings fällt diese deutlich kleiner aus als noch das Open-Air-Festival zum 20-jährigen Bestehen 2014. Am Sonnabend, 24. August, gibt es ab 17.30 Uhr ein Sommerfest im Saal und auf dem Außengelände mit Essen, Getränken und Musik. Dabei ist die Band Massenkaraoke, die sich quer durch die Musikgeschichte spielt und dabei ihr Publikum zum sechsten Bandmitglied am Mikrofon macht. DJ Mellowtron, Yogi Jockusch und Johannes Hirt aus der Hamburger Kampnagel-Fabrik bieten zudem einen Mix aus DJing, Live-Percussion und -Saxofon. Der Eintritt kostet zehn Euro. Weitere Infos unter www.musichall-worpswede.eu.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+