Der Plan mit dem Elfmeterschießen

Spiele meines Lebens: Wie „Hansi“ Liedtke mit dem FC Worpswede Pokalsieger der Alten Herren wurde

Irgendwie ins Elfmterschießen retten und dann auf Torwart Uwe Stelljes hoffen - so lautete der Plan der Alten Herren des FC Worpswede. „Hansi“ Liedtke erinnert sich noch genau an den Pokaltriumph 2005.
12.03.2021, 08:58
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
Spiele meines Lebens: Wie „Hansi“ Liedtke mit dem FC Worpswede Pokalsieger der Alten Herren wurde

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Worpswede. Überraschende Siege bleiben meist besser in Erinnerung als „normale“ Erfolge. Dies trifft auch auf ein Spiel von Hans-Werner „Hansi“ Liedtke zu, der in der Saison 2004/2005 unerwartet den Fußball-Kreispokalsieg mit den Alten Herren des FC Worpswede feierte. Den 5:3-Finalerfolg über die TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf nach Elfmeterschießen bezeichnet Liedtke als das Spiel seines Lebens.

Der frisch gebackene Meister aus Wörpedorf war mit Klasse-Kickern wie Günter Schnakenberg und Sebastian Weil als klarer Favorit in die Partie gegangen. „Wörpedorf hatte sicherlich die besseren Einzelspieler in seinen Reihen. Doch wir waren schon ein eingeschworener Haufen“, erklärt Liedtke. Für diesen war es auch ein Wiedersehen mit seinem Ex-Klub. Nach sechs Jahren in Bornreihe hatte sich Liedtke in seiner Herrenzeit für eine Saison den Grasbergern angeschlossen. Worpswedes Torwart Uwe Stelljes, der sich mit „Hansi“ Liedtke das Traineramt teilte, gab seinen Mitspielern einen klaren Matchplan für das Finale mit auf den Weg. „Uwe hat uns gesagt, dass wir nur irgendwie ins Elfmeterschießen kommen sollten, ehe er dann den Rest für uns erledigen würde“, erinnert sich Liedtke zurück. Stelljes galt schließlich als wahrer Elfmeterkiller. Dies hatte der Spielertrainer bereits in den Begegnungen auf dem Weg ins Endspiel mehrfach bewiesen. „Also haben wir in der Woche vor dem Finale zweimal trainiert und dabei vor allem das Elfmeterschießen geübt“, lässt Hans-Werner Liedtke wissen. Ansonsten sollte es der kämpferische Einsatz lösen. „Wir wussten schließlich, dass wir Wörpedorf in spielerischer Hinsicht unterlegen sein würden“, teilt „Hansi“ Liedtke mit.

Der Einsatzwillen und das Elfmeterschießen sollten den Hausherren folglich den Triumph bescheren. Zunächst einmal war das Elfmeterschießen aber noch weit weg und geriet durch die 1:0-Führung der Gäste auf dem Weyerbergplatz in Worpswede sogar in noch größere Entfernung. „Wir hatten gerade zu Beginn der Partie zu viel Respekt vor unserem Gegner. Wir wussten um die schnellen Konterspieler des Gegners. Deshalb haben wir uns auch erst einmal hinten eingeigelt“, berichtet „Hansi“ Liedtke.

Durch den Rückstand war die Taktik, möglichst lange ein 0:0 zu halten, schnell über den Haufen geworfen. „Wir mussten also mehr für die Offensive tun“, gibt der 50-Jährige zu bedenken. Ein wenig spielte dem Außenseiter dann auch die Gelb-Rote Karte gegen Wörpedorfs Thomas Schomaker in die Karten, der noch im ersten Abschnitt vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde. „Diesen Platzverweis hatte ich zwischenzeitlich völlig vergessen. Darauf muss ich Schoko demnächst mal bei der Arbeit ansprechen“, erklärt „Hansi“ Liedtke. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur arbeitet schließlich bei der Firma Nabatherm in Lilienthal mit Thomas „Schoko“ Schomaker als Ofenbauer zusammen.

„Hansis“ gefürchteter Hammer

Weil die Akteure aus dem Künstlerdorf noch einen Treffer benötigten, um das angestrebte Elfmeterschießen zu erreichen, hielt auch Libero Hans-Werner Liedtke in der zweiten Hälfte kaum noch etwas hinten. „Vorstopper Ulli Wiese ist für mich hinten geblieben, wenn ich mich mit in den Angriff eingeschaltet habe“, informiert der zweifache Familienvater. Besonders aus der Distanz probierte es „Hansi“ Liedtke immer wieder mit seinem gefürchteten rechten „Hammer“. Aber erst zehn Minuten vor dem Ende wurden die Schussversuche des Spielertrainers auch endlich belohnt. „Ich hatte mir selbst den Ball erkämpft und habe dann endlich Holger Lohmann im TSG-Kasten überwunden. Vor Holger hatten wir schon Respekt. Das war schließlich ein richtig guter Keeper“, urteilt Hans-Werner Liedtke.

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Da es bis zum Schluss beim 1:1-Remis blieb, ging es im Anschluss direkt ins Elfmeterschießen. „Wir hatten uns also an unseren Teil der Absprache mit Uwe Stelljes gehalten“, sagt Liedtke. Nun musste Stelljes also liefern. Und dieser lieferte dann auch, indem er gleich zwei Strafstöße abwehrte, unter anderem den von Stefan Mehrtens. „Damit ziehen wir Stefan noch heute auf“, lässt „Hansi“ Liedtke wissen. Mehrtens schnürt seine Stiefel inzwischen auch für den FC Worpswede. Gemeinsam mit ihm bejubelte Liedtke auch bereits den Ü40-Pokalsieg vor zwei Jahren.

Im Elfmeterschießen des Pokalfinales der Alten Herren trat auch „Hansi“ Liedtke selbst an. Dieser war schon immer ein ausgewiesener Experte in dieser Disziplin. Links unten ist für den Rechtsfuß das meist gewählte Ziel. Das dürfen auch die gegnerischen Torhüter ruhig wissen. „Schließlich kommt es für mich darauf an, platziert und hart zu verwandeln“, so Liedtke. An einen derart getretenen Ball komme dann auch kein Schlussmann der Welt heran. Als der Ofenbauer vor etwa eineinhalb Jahrzehnten in einer Saison als Kicker im zweiten Team aushalf, verwertete Liedtke so auch mal sämtliche Elfmeter im zweistelligen Bereich. „Es dürften so ungefähr zehn gewesen“, versichert der Altmeister.

Sicher vom Punkt

Auch in seiner Zeit beim SV Blau-Weiß Bornreihe war „Hansi“ Liedtke meist für das Verwandeln der Elfmeter verantwortlich. Das klappte aber in einem Match der Blau-Weißen beim TSV Ottersberg nur so mittelprächtig. Liedtke wich von seiner Gewohnheit ab, den Ball links unten aus seiner Sicht zu platzieren und hämmerte das Spielgerät stattdessen an den Querbalken. „Im Zeitungsbericht von damals war zu lesen, dass der Ball so hart geschossen war, dass er von der Latte bis zur Mittellinie zurückprallte“, sagt der 50-Jährige. Im Kreispokalfinale entschied er sich hingegen für die bewährte Methode und war damit erfolgreich. Weil auch alle anderen Worpsweder ins Schwarze trafen, war der 5:3-Sieg der Platzherren besiegelt. Der Held neben „Hansi“ Liedtke war natürlich Schlussmann Uwe Stelljes. „Es ist genau gekommen, wie Uwe uns es vorher prophezeit hatte. Uwe hat aber nicht nur in diesem Spiel super gehalten. Er brachte die gegnerischen Stürmer auch bei den Niedersachsenmeisterschaften zur Verzweiflung“, betont sein Teamkollege.

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Die feucht-fröhliche Feier nach dem Triumph war fast schon Ehrensache. „Die Begeisterung war riesig. Bei der Feier ging ganz schön die Post ab. Pokalsieger wird man schließlich nicht so häufig“, gibt Hans-Werner Liedtke zu bedenken. In weiser Voraussicht hatten sich die Worpsweder den Arbeitstag nach dem Spiel auch freigenommen. „Besonders schön für uns war es natürlich, den Pokalsieg auf eigenem Platz mit unseren Fans feiern zu können“, sagt Liedtke. Ein großer Teil der etwa 200 Zuschauer habe es mit den Hausherren gehalten. „Aber die Wörpedorfer hatten natürlich wegen des Derbys auch einige Leute mitgebracht“, berichtet der Abwehrspezialist. Der Groll über die erlittene Pokalniederlage hielt sich bei den Wörpedorfern in Grenzen. Schließlich hatten die Worpsweder Holger Lohmann und Co. erst kurz zuvor mit einem Sieg beim Titelrivalen TSV Steden/Hellingst zum Meister gemacht. So hatten beide Teams etwas zu feiern.

Noch heute sprechen die Pokalsieger von einst oft von diesem Finale. Zum siegreichen Team gehörten unter anderem Andreas Rüter und Matthias Caesar, mit denen sich „Hansi“ Liedtke einmal in der Woche zum Stammtisch im Vereinsheim trifft, wenn nicht gerade ein Lockdown herrscht. „Da bringt dann jeder etwas zu Essen mit“, so der FCW-Jugendleiter. Die zehnköpfige Gruppe unternimmt auch Ausflüge nach Norderney oder Mallorca.

Info

Zur Person

Hans-Werner „Hansi“ Liedtke (50)

wuchs in der Fußball-Jugend des TV Falkenberg auf. Bis zur A-Jugend spielte er dann für den SV Lilienthal-Falkenberg, ehe er bei den Herren vier Jahre für den TV Lilienthal unter den Trainern Bernd Frank und „Hansi“ Weichler in der Bezirksoberliga und in der Bezirksliga auflief. Sechs Jahren beim SV Blau-Weiß Bornreihe folgte noch eine Serie bei der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf. Dann wechselte der Ofenbauer zum FC Worpswede, dem er bis heute treu geblieben ist. Unter dem damaligen Coach Werner Thoden gelang dem FC Worpswede mit Liedtke vor zwei Jahrzehnten als erstem Team aus dem Landkreis Osterholz als Kreisliga-Vizemeister über die Relegation der Aufstieg in die Bezirksklasse 3. Nach einem Achillessehnenriss, einem Adduktorenabriss und drei Operationen am Knöchel war er lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Als Coach scheiterte Liedtke ein paar Male beim Versuch, die zweite Herrenformation in die Kreisliga Osterholz zu bringen. Seit einem Jahrzehnt fungiert der gelernte Gas- und Wasserinstallateur als Jugendleiter im Klub. Liedtke machte auch den Schiedsrichterschein, trat aber nie aktiv als Referee in Erscheinung. Er trainiert bei den Worpswedern zurzeit die U7 und die Bambinis. „Hansi“ Liedtke ist seit 22 Jahren mit Sabine Liedtke verheiratet, mit der er die gemeinsamen Kinder Marvin (20) und Hannah Liedtke (18) hat. Marvin Liedtke kickt im zweiten Herrenteam des FC.

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