Wohnmobile hoch im Kurs

Verleiher in Ritterhude profitiert von Corona-Pandemie

Reisen mit dem Wohnmobil stehen in der Corona-Zeit hoch im Kurs. Die Vermieter sind ausgelastet und auf manchen Stellplätzen in der Region wird es schon eng.
05.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Brigitte Lange, Lars Fischer, Christian Valek und Peter von Döllen
Verleiher in Ritterhude profitiert von Corona-Pandemie

In Worpswede sind vor allem an Wochenende die Stellplätze knapp: Björn Feil hat für sich und seine Familie noch einen bekommen.

Fabian Wilking

Reisen gehört wohl zu den beliebtesten Hobbys der Deutschen. Kein Land scheint uns zu fern, kein Flug zu weit. Das Coronavirus hat dem allerdings Grenzen gesetzt. Viele Traumziele sind derzeit nicht erreichbar. Andere haben aufgrund von Masken-, Abstands- und Hygienepflichten stark an Anziehungskraft verloren. Und auch die Sorge, aus dem Urlaub direkt in die Quarantäne zurückzukehren, lässt viele Menschen vor Reisen in die Fremde zurückschrecken. André Dietz ist einer, der davon profitiert: „Bis September sind meine Wohnmobile verliehen“, sagt der Ritterhuder.

Urlaub in Deutschland ist ein Trend in diesem Pandemie-Sommer. Vielleicht, weil sich die Urlauber im eigenen Land vor – oder auch mit – einer Infektion sicherer fühlen, oder aber weil sie die hiesigen Regeln kennen. Einige gehen allerdings noch einen Schritt weiter und begeben sich mit Bett, Küche und Bad auf Reisen. Kurz: Sie sind mit dem eigenen oder gemieteten Wohnmobil auf Tour. Und auch das hauptsächlich im Inland. „Bisher reisten gut 70 Prozent der Wohnmobilisten ins Ausland“, erzählt André Dietz. Dieses Jahr sei es genau umgekehrt: „Jetzt bleiben 70 Prozent von ihnen in Deutschland.“

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Das Interesse an dieser Art von Urlaub ist bereits über die vergangenen Jahre stetig gewachsen. Dieses Jahr laufe es allerdings „extrem gut“, sagt Dietz über seinen Wohnmobil-Verleih. 2005 entdeckten der Ritterhuder und seine Frau das Wohnmobil für sich selbst als Reisemöglichkeit. „Damit haben wir so viel Spaß gehabt“, erzählt er. Deshalb seien sie auf die Idee gekommen, professionell Wohnmobile zu vermieten.

Er betreibe das aber nicht im großen Stil, sondern nebenberuflich, sagt André Dietz. Sechs Wohnmobile habe er insgesamt im Angebot. Die Nachfrage, die aufgrund von Corona deutlich stärker ausfalle, könne er damit kaum befriedigen. Erst ab 20. September bis Ende Oktober habe er noch Buchungslücken, freie Wochenenden. Dann ist für 2020 Schluss: „Von November bis März vermiete ich nicht.“ Keine Chance also für Winter-Camper. Und selbst für 2021 hat er bereits Buchungen.

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Bei einigen handele es sich um Kunden, die eigentlich dieses Jahr mit dem Mobil los wollten, deren Termin jedoch in die Zeit des Shutdowns gefallen war. „Statt die Reise zu stornieren, haben sie sie aufs nächste Jahr verschoben“, berichtet André Dietz. Sie würden diese deshalb auch zu denselben Konditionen bekommen, wie es für 2020 ausgemacht war.

Auch Dietz glaubt, dass seine Wohnmobile unter anderem so gefragt sind, „weil die Leute nicht in Hotels wollen“. Mit den Wohnmobilen könnten sie ganz einfach auf Abstand gehen. „Und nach jeder Vermietung werden unsere Wohnmobile erst mal desinfiziert; außerdem werden sie nicht sofort wieder vermietet“, erklärt der Ritterhuder.

Wer für diesen Sommer tatsächlich noch ein Wohnmobil ergattert habe, der müsse nun allerdings schauen, ob er an seinem Wunsch-Reiseziel auch einen Platz auf einem Campingplatz bekommt. André Dietz vermutet, dass gerade an der Küste viele Plätze längst ausgebucht sind. Ein freier Wohnmobil-Stellplatz, wie sie Gemeinden auf oder an Parkplätzen vorhalten – wie etwa in Grasberg –, sei wahrscheinlich leichter zu bekommen und eine gute Alternative, lautet sein Rat.

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Den grundsätzlichen Trend bestätigt auch Ralf Soujon. Er betreut die rund 50 Stellplätze am Worpsweder Hammehafen und verspürt eine deutlich gestiegene Nachfrage. „Wir versuchen, dass wir niemanden nach Hause schicken müssen, aber am Wochenende wird es manchmal schon sehr knapp.“ Die begehrten Tage seien mindestens zwei Wochen im Voraus ausgebucht. Auch unter der Woche ist so viel los, dass er glaubt, bis zum Ende der Saison die Frühjahrsflaute wieder aufgeholt zu haben. Nachhaltig sei der Trend aber wohl nicht, vermutet er: „Nächstes Jahr fahren bestimmt wieder viele ins Ausland.“ Jetzt aber boomt es an der Hamme.

Die Stellplätze in Hambergen und Gnarrenburg profitieren derzeit noch nicht besonders von dem Trend. Es handelt sich hauptsächlich um Plätze, die eher für eine Übernachtung gedacht sind. Sie werden meist von Wohnmobilisten genutzt, die auf ihren Fahrten eine Nacht überbrücken müssen oder wollen. Dafür brauchen sie in der Regel keinen Stromanschluss oder große sanitäre Anlagen.

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20 Plätze gibt es in Gnarrenburg, und die würden gut angenommen, wie Melanie Blank vom Touristikverein sagt. Aber die Auslastung sei derzeit vergleichbar mit der der vergangenen Jahre. Einen Effekt durch das Coronavirus kann sie nicht bestätigen. Genau sagen können es die Verantwortlichen aber nicht. Das Abstellen ist kostenlos, die Nutzung wird gar nicht erfasst.

In Hambergen befindet sich der Stellplatz auf dem Festplatz. Dort kostet die Nutzung eine Gebühr. Die Touristikbeauftragte der Samtgemeinde Hambergen, Anke Fiedler, hat ein ungewöhnliches Phänomen beobachtet. Zu Beginn der Corona-Pandemie war der Platz gesperrt. „Da war die Nachfrage relativ hoch“, sagt Fiedler. Dann wurde ein Hygiene-Konzept aufgestellt und die Nutzung wieder erlaubt. Seitdem gebe es kein verstärktes Interesse an den Wohnmobilstellplätzen mehr.

Bislang ist nur wenigen Nicht-Wohnmobilisten aufgefallen: In Osterholz-Scharmbeck liegen die Stellplätze auch direkt in der Innenstadt. An der Langen Straße, nebenan von der August-Schlüter-Halle, und im Campus-Bereich gibt es insgesamt jeweils drei Stellplätze, wie Rolf Fahrenberg vom Bauamt der Kreisstadt erläutert.

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Beide Flächen sind ganzjährig geöffnet und verfügen über je eine Möglichkeit zur Abfall und Abwasserentsorgung sowie zum Frischwasser-Tanken. Am Campus wird den Rastenden mit dem benachbarten Allwetterbad zudem auch eine Bade- und Duschmöglichkeit geboten. Zudem sind dort ferner eine Gaststätte und ein Lebensmittelgeschäft ansässig. Hunde sind ebenso erlaubt, und auch ein Starkstrom-Anschluss (CEE) für die Fahrzeuge ist am Campus vorhanden.

Wie stark die Plätze genutzt werden, lasse sich nicht genau sagen, betont Fahrenberg. Es würden keine Erhebungen dazu gemacht. Aber man schaue sich dort natürlich hin und wieder um, betont er. Der Leiter des Ordnungsamtes, Volker Pfeil, bestätigt das. Mitarbeiter der Stadt hätten zum Beispiel ein Auge darauf, dass die Plätze für Wohnmobilisten auch frei blieben und damit nutzbar seien. „Wir haben schon den einen oder anderen aufgeschrieben, der die Plätze unrechtmäßig belegt hat“, so Pfeil. Häufig würden Autos dort unerlaubt parken, „vor allem, wenn Unterrichtszeit ist.“

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