Kreative existenziell bedroht Worpsweder Appell an die Politik

Der coronabedingte Lockdown setzt der Kreativwirtschaft zu. Hilfen für Soloselbständige von Land und Bund fehlen. Rund zwei Dutzend Worpsweder Künstlerinnen und Künstler appellieren an die Politik.
27.04.2020, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Kunst- und Kulturschaffende haben zurzeit große Sorge, im Geflecht der Pandemie-Hilfen hinten herunterzufallen, hat der Schwaneweder Kurator und Kreistagsabgeordnete Björn Herrmann festgestellt. Insbesondere in Worpswede, wo er zuletzt im Rahmen des Raw-Fotofestivals tätig war, gehe die Existenzangst um, so Herrmann. „Die aktuellen kombinierten Landes- und Bundesprogramme sehen keine Hilfen mehr für Soloselbstständige vor, die keine Betriebsstätte und keine laufenden Betriebskosten haben“, berichtet er. Sein Eindruck: Die Bekenntnisse zu Kunst und Kultur als „Kitt der Gesellschaft“ scheinen plötzlich nicht mehr zu zählen.

Daher hat er zusammen mit einer Gruppe Künstler und Kreativer aus Worpswede einen Appell gestartet, der an die Landtagsabgeordneten Axel Miesner, Oliver Lottke und Eva Viehoff, den Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil sowie an Jörg Mielke als Chef der niedersächsischen Staatskanzlei gegangen ist. Die rund zwei Dutzend Unterzeichner machend deutlich, dass ein großer Teil aller Freiberufler in Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft den Lockdown wirtschaftlich nicht überleben werde: „Das Coronavirus trifft alle. Den Künstlerinnen und Künstlern, den Kreativen und Soloselbstständigen nimmt es die Luft zum Atmen. Denn mit der sinnvollen Entscheidung, bis mindestens Ende August Großveranstaltungen zu untersagen, ist vielen von ihnen die Existenzgrundlage genommen.“ Ersparnisse, falls überhaupt vorhanden, seien vielfach schon aufgezehrt, die meisten laufenden Kosten ließen sich nicht stunden. „Selbst wer sparsam lebt, kommt jetzt an seine Grenzen.“ Das einzige Kapital von Sängern, Schauspielern, Dirigenten und Musikern, Malern und Grafikern sei ihre Kreativität, unzählige virtuelle Ausstellungen, Online-Lesungen und Livestreams hätten das gerade jetzt bewiesen. Gagen gab es dafür in der Regel nicht.

„Warum steigt der Staat in das unternehmerische Risiko von Konzernen ein, hilft beim Kurzarbeitergeld, lässt aber diejenigen im Regen stehen, die oft gezwungenermaßen selbständig sind?“, fragen die Unterzeichner. „So kann niemand überleben und so darf die Gesellschaft mit den Kreativen nicht umgehen!“ Die Künstler fordern eine schnelle und unbürokratische Unterstützung beim Lebensunterhalt und Solidarität für diejenigen, „die uns lachen und weinen lassen. Die uns die Augen öffnen für das Schöne und das Schreckliche. Und für das Menschliche.“ Sie wollen die Politiker überzeugen, diesen Menschen etwas von dem zurückzugeben, was diese in die Gesellschaft eingebracht hätten. „Kunst und Kultur sind systemrelevant“, schreiben sie. Herrmann hofft, so den Blick der politischen Öffentlichkeit auf diejenigen lenken zu können, die vielfach „unter dem Radar“ blieben. Und: „Viele von ihnen scheuen die Öffentlichkeit in dieser Frage und schämen sich, als Betroffene in diese Diskussion einzugreifen.“

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