Werke von Carl Emil Uphoff Ausstellung mit Einordnung

Im vergangenen Jahr wurde die Ausstellung mit Bildern von Carl Emil Uphoff in der Worpsweder Kapelle Maria Frieden noch wegen der NS-Vergangenheit des Malers abgesagt. Nun aber ist sie zu sehen.
08.04.2021, 11:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Donata Holz

Worpswede. Maria hält das Jesuskind im Arm. Um sie herum Frauen, die das Neugeborene begrüßen. Carl Emil Uphoff zeigt ein ungewöhnliches Szenario in seinem Gemälde „Madonna mit Kind“, das er in expressionistischer Manier malte. Zu sehen ist es in einer Ausstellung in der katholischen Kapelle Maria Frieden, die vor einem Jahr aufgrund der nationalsozialistischen Gesinnung des Malers abgesagt wurde. Nun wird sie doch präsentiert – nach einer Zeit „fruchtbarer“ Diskussionen, so der erste Vorsitzende des Fördervereins Maria Frieden, Rolf Podgornik, und der Enkel des Künstlers, Philipp Uphoff, der das Werk verwaltet.

Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes sollte die Ausstellung im vergangenen Jahr eröffnet werden. Doch Proteste und Zweifel führten zum Abbruch des Projektes. „Dennoch war man sich einig, die Bilder zu zeigen. Doch sollte erst einmal über die Problematik diskutiert werden“, so Podgornik. So folgten zahlreiche Gespräche über die Frage, wie und ob man Werke von Künstlern, die Mitglieder der NSDAP waren, zeigen sollte. „Es war ein sinnvolles Jahr, in dem die Thematik aufgearbeitet wurde“, verdeutlicht Podgornik, der sich freut, die Ausstellung jetzt präsentieren zu können. Parallel dazu wird der Diskussionsverlauf anhand verschiedener Presseartikel dargestellt.

Einladung Heinrich Vogelers

Carl Emil Uphoff wurde 1885 als neuntes Kind einer Hammerschmied-Familie in Witten geboren. Nachdem er zunächst eine Kaufmannslehre absolviert hatte, begann er autodidaktisch seinen künstlerischen Weg. Von der Moderne angezogen und dem Wunsch folgend, innovativ zu arbeiten, ging er 1909 nach Paris. Dort besuchte er für kurze Zeit die Kunstschule von Henri Matisse, fühlte sich in dem Umfeld jedoch nicht wohl. Er verließ die französische Metropole und ging nach Holland, um die niederländische Malerei zu studieren.

Sein Interesse an dem Werk Paula Modersohn-Beckers und eine Einladung Heinrich Vogelers führten ihn schließlich nach Worpswede. Das künstlerische Umfeld inspirierte ihn, sodass er sich dort niederließ. Er arbeitete in dem ehemaligen Atelier von Paula Modersohn-Becker auf dem Brünjeshof, den er später erwarb. In dieser Zeit schrieb Uphoff ebenso Gedichte wie Theaterstücke. Sein Stück „Potiphar“ wurde 1910 in Worpswede erstmals aufgeführt. Ein Jahr später gründete er mit seinem Bruder Fritz erfolgreich die Werkgemeinschaft mit dem Ziel, hochwertige Grafik-Editionen herauszugeben. In der Malerei war es Bernhard Hoetger, der den expressionistischen Stil Uphoffs beeinflusste.

Überzeugter Nationalsozialist

Für Philipp Uphoff bedeutet die Ausstellung auch eine Fortführung der Auseinandersetzung mit der Kunst zur Zeit des Nationalsozialismus. Ihm ist es wichtig, aus der Geschichte zu lernen und nicht über sie zu schweigen. Die Haltung seines Großvaters empfindet er als sehr ambivalent. Noch in den Zwanzigerjahren sah dieser sich als Sozialist, der sich in Worpswede engagierte und unter anderem ein Mitbegründer der „Freunde Worpswedes“ war. Im Nationalsozialismus habe er später die „Rettung Deutschlands“ gesehen. Obwohl auch Arbeiten von ihm als „entartet“ beschlagnahmt und zerstört wurden, hatte er sich vollends den Nazis verschrieben, so Uphoff. Er lief in seiner Uniform durch den Ort, trat häufig als Redner im Sinne der NSDAP auf und habe dafür gesorgt, dass Werke von Kollegen aus Ausstellungen entfernt wurden.

In seinem Werk findet man jedoch keine Hinweise auf nationalsozialistische Kunst. Die Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind, stammen aus der Zeit zwischen 1908 und 1920. Außer dem Madonnenbild sind aus der religiösen Phase noch zwei großformatige Gemälde zu sehen: die „Kreuzigung“ und „Himmelfahrt“. Auch hier zeigt sich die flächige Anordnung der gestreckten, kantigen Figuren, wie sie im Expressionismus entwickelt wurden. Ungewöhnlich ist, dass Jesus hier nicht ans Kreuz genagelt, sondern mit Stricken festgebunden dargestellt ist.

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Daneben ist unter anderem ein sehr ausgewogen komponiertes Stillleben zu sehen ebenso wie eine expressive Landschaft. Carl Emil Uphoff arbeitet in unterschiedlichen Stilen, was letztlich auch darauf hinweist, dass er ein Suchender war – sowohl in der Kunst als auch im Leben. Das verbrachte er, nachdem er ab 1945 für eineinhalb Jahre interniert war, auf dem Brünjeshof. Er wohnte jedoch bis zu seinem Tod 1971 zurückgezogen in seinem Atelierhaus. Neben einer großen Zahl von Gemälden und Skulpturen hinterließ er tausende von Briefen und Schriftstücken, die noch unausgewertet sind. Sicher käme man durch ihr Studium dem Leben und Werk Carl Emil Uphoffs näher.

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Bis zum 11. November kann die Ausstellung in der Kapelle Maria Frieden täglich von 9 bis 18 Uhr besucht werden.

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