Worpsweder Kunsthandwerkermarkt

Ungewisse Zukunft

Der Worpsweder Kunsthandwerkermarkt steht vor einer ungewissen Zukunft. In diesem Jahr fiel er aus. Zudem geben Regina Blome-Weichert und Ingrid Ripke-Bolinius die Organisation der Veranstaltung ab.
22.11.2020, 16:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Cornelia Hagenah
Ungewisse Zukunft

Ingrid Ripke-Bolinius (rechts) und Regina Blome-Weichert zeigen ein Werbeplakat für den jüngsten Kunsthandwerkermarkt. Die Veranstaltung fiel coronabedingt aus. Sie steht vor einer ungewissen Zukunft. Die beiden federführenden Organisatorinnen hören auf.

CARMEN JASPERSEN

Worpswede. Eigentlich wäre das Worpsweder Rathaus am Wochenende hell erleuchtet gewesen, und Scharen von Besuchern hätten an den Marktständen im und um das Haus die hochwertigen handgestalteten Unikate bestaunt. Seit 30 Jahren findet am vorletzten Wochenende im November der Kunsthandwerkermarkt statt.

Doch in diesem Jahr ist alles anders, der Markt fiel coronabedingt aus, und auch die Zukunft des Kunsthandwerkermarktes, der ein Aushängeschild für Worpsweder Kunsthandwerker-Tradition geworden ist, ist noch ungewiss. Die beiden federführenden Organisatorinnen Ingrid Ripke-Bolinius und Regina Blome-Weichert hören auf. 15 Jahre lang hatten sie den Markt ehrenamtlich geplant. Für die Veranstaltung im November kommenden Jahres ist jetzt eine mögliche Lösung gefunden: Mithilfe einer Agentur in Kooperation mit der Gemeinde könnten die Planungen für den nächsten Markt bald beginnen. Im Fachausschuss wurde die Bereitstellung der Mittel empfohlen, sodass sie in den Beratungen zum Haushalt der Gemeinde im kommenden Jahr berücksichtigt werden können.

Die beiden Kunsthandwerkerinnen sind erleichtert, dass jetzt eine Lösung gefunden zu sein scheint. „Wir haben zwar noch Power, aber es ist Zeit, einen Schnitt zu machen“, sagt Regina Blome-Weichert, und Ingrid Ripke-Bolinius ergänzt: „Schon nach dem Jubiläumsmarkt 2019 ist die Problematik, die sich schon länger abgezeichnet hatte, diskutiert worden“.

Ebenso wie die anderen Mitglieder ihrer Gruppe – Birte Chmielewski, Brigitta und Hans-Jürgen Fuchs, Heidi Monsees, Berit Müller, Thomas Rinke, Christel Schäfer-Pieper, Susanne Seufzer und Sabine Wagner–, seien sie nicht mehr in der Lage, die gesamte Planung und Organisation des Marktes inklusive Betreuung der Veranstaltung sowie der teilnehmenden Gastaussteller ehrenamtlich und nahezu kostenlos durchzuführen. Da die Gruppe der Worpsweder Kunsthandwerker stetig schrumpfte, so die beiden, entwickelte sich der Markt immer mehr zu einer „Gästepräsentation, was zwar interessant und bereichernd war, aber zusätzliche Arbeit bedeutete“, wie Ingrid Ripke-Bolinius erläutert.

Keine Nachfolger gefunden

Die beiden Kunsthandwerkerinnen kümmerten sich bislang federführend um die Organisation des Kunsthandwerkermarktes. Seit 30 Jahren gibt es den Markt, und seitdem sind sie dabei. Seit 15 Jahren teilen sie als Doppelspitze die Organisation unter sich auf. Die Goldschmiedin Regina Blome-Weichert war für die Pressearbeit zuständig, pflegte die Internetpräsenz und Facebook-Seite. Zudem kümmerte sie sich um Texte und Flyer. Keramikerin Ingrid Ripke-Bolinius, die viel auf Märkten unterwegs ist, stellte die Kontakte zu Gastausstellern her, die sich für den Markt bewerben konnten, und übernahm auch die Koordination mit der Gemeinde.

Lange Zeit hatten sie versucht, eine Nachfolge zu finden, um das Fortbestehen des Marktes zu garantieren, doch all diese Versuche blieben erfolglos. „Vergleichbare Märkte arbeiten mit einem Budget von 20 000 bis 25 000 Euro“, konstatiert Ingrid Ripke-Bolinius, solle der Markt in Zukunft weitergeführt werden, so sei das mit dem bisherigen Budget nicht zu leisten, so das Resümee ihres ehrenamtlichen Engagements.

Für Ingrid Ripke-Bolinius ist es wichtig herauszustellen, dass alle Veranstaltungen aus den Teilnahmegebühren der Aussteller finanziert wurden und das Team weder personell noch finanziell eine Unterstützung bekommen habe. Für die Unterstützung der Gemeinde Worpswede, die kostenlos Räume zur Verfügung stellte, seien sie sehr dankbar.

Erleichtert sind die beiden Frauen, dass sich nun eine Lösung anbahnt. Umfängliche Gespräche mit der Kulturbeauftragten der Gemeinde Worpswede, Klaudia Krohn, und interessierten Agenturen, die bereit wären, die Veranstaltung in Kooperation mit der Gemeinde Worpswede durchzuführen, hatten stattgefunden, zudem wurde ein Kostenplan erstellt, der eine „Anschubfinanzierung“, wie Ingrid Ripke-Bolinius es nennt, seitens der Gemeinde vorsieht und durch höhere Teilnehmergebühren und mögliche Eintrittsgelder gegenfinanziert werden soll.

Grenzen des Ehrenamts

Auch für Klaudia Krohn ist die Fortführung des Kunsthandwerkermarktes von großer Bedeutung. Kunst und Kunsthandwerk seien Kernkompetenzen des Künstlerortes. Jedoch sei es nicht mehr möglich, solche Veranstaltungen weiterhin ehrenamtlich zu organisieren. „Es müssen neue Konzepte entwickelt werden, wie man zukünftig grundsätzlich mit großen Veranstaltungen umgeht“. Damit verweist sie auch auf weitere ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen wie die „Tage des Kunsthandwerks“ oder den Frühlingsmarkt.

Wenn Ingrid Ripke-Bolinius und Regina Blome-Weichert in den dicken Aktenordnern zum Kunsthandwerkermarkt blättern, werden zahlreiche Erinnerungen wach. Sie lachen, wenn sie die alten Presseberichte und Fotos überfliegen, und staunen, wie viele Artikel sich im Laufe der Jahre ansammelten. Viele gemeinsame Stunden verbrachten sie mit den Planungen, viele Menschen lernten sie durch die jahrelange Organisation kennen, viele Freundschaften wurden geschlossen. Sie denken an die Internetpräsenz, die sie schon im 2001 umsetzten, an die Plakatentwürfe, Themenausstellungen und den Spaß, die Freude und die Motivation, jedes Jahr aufs Neue die Planungen zu beginnen. „Es lief immer wie geschmiert, doch jetzt sind alle in die Jahre gekommen", resümiert Ingrid Ripke-Bolinius.

Mehr Freiheit für Kreativität

So erhoffen sich die beiden Frauen nun ein wenig mehr Freiheit für ihre eigene künstlerische Arbeit. Die Schmuckdesignerin Regina Blome-Weichert erzählt, sie habe schon eine Staffelei in ihrem Atelier aufgebaut und wolle nun auch malen.

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