Gesundheitsamt Osterholz Bundeswehr beendet Unterstützung

Seit Ende der Herbstferien haben Bundeswehr-Soldaten in den Katastrophenschutz-Ämtern vieler niedersächsischer Landkreise die Gesundheitsbehörden unterstützt. In Osterholz ist ihr Einsatz nun vorerst beendet.
04.02.2021, 09:00
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Bundeswehr beendet Unterstützung
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Nach rund drei Monaten Aushilfe sind Ende Januar die letzten Bundeswehrsoldaten aus dem Osterholzer Gesundheitsamt wieder abgezogen worden. Sie hatten den Landkreis bei der Kontaktnachverfolgung unterstützt, nachdem der sogenannte Inzidenzwert der wöchentlichen Corona-Infektionen auf mehr als 35 pro 100.000 Einwohner gestiegen war. Zeitweilig hatte der Wert über 100 gelegen und noch immer pendelt er zwischen 40 und 60, doch nach Angaben von Landkreis-Sprecherin Jana Lindemann könne die Arbeit in der Fallaufklärung auch ohne die militärische Amtshilfe „derzeit gut geleistet“ werden.

Der Bereich sei momentan mit der Leitung und sieben Sachbearbeitern besetzt; hinzu kämen Mitarbeiter des Finanzamts sowie zwei Containment-Scouts des Bundes. Von den zeitweilig vier Finanzbeamten seien drei an ihren eigentlichen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Der Landkreis richtet sein Augenmerk auf die sogenannte Vorwärtsermittlung, also die Feststellung der von der infizierten Person ausgehenden möglichen Infektionsketten. „Dies gelingt in nahezu allen Fällen, in aller Regel auch noch taggleich“, so die Sprecherin. Wer als Kontaktperson I registriert wird, muss für 14 Tage in Quarantäne.

Bei Bedarf arbeite das Team auch sonnabends und sonntags an der Nachverfolgung; zuletzt sei das aber nur vereinzelt der Fall gewesen und es falle auch keine nennenswerte Mehrarbeit an. „Die Überstunden der vergangenen Wochen konnten zum Großteil bereits abgebaut werden.“ Auf einem anderen Blatt steht Lindemann zufolge die sogenannte Rückwärtsermittlung, mit der die Infektion der betreffenden Person zum Ursprung verfolgt wird. Diese sei bundesweit ein Problem und auch mit einem höheren Personalstand nicht zu beheben. „Wenn infizierte Personen nicht wissen, wo sie sich angesteckt haben könnten, ist die Quelle schlicht nicht zu bestimmen.“

Bei der personellen Ausstattung seien indirekt auch die Landkreis-Beschäftigten zu berücksichtigen, die Reiserückkehrer, Alten- und Pflegeheime oder Kindertagesstätten und Schulen beraten. Sie wirken bei Bedarf ebenfalls in der Kontaktermittlung mit. „Bei einem starken Anstieg der Infektionszahlen können kurzfristig weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung aktiviert werden, die bereits in der Kontaktverfolgung tätig waren“, setzt Lindemann hinzu. Sie wären daher sofort einsetzbar.

Bescheide per E-Post

Unterdessen seien auch die IT-Möglichkeiten in den vergangenen Wochen weiter ausgebaut worden. So können mittlerweile Quarantäne-Bescheide automatisch aus dem Fachprogramm generiert werden und per E-Post versendet werden. „Wir arbeiten schon seit Jahren mit der elektronischen Akte, und mit dem vom Gesundheitsamt genutzten Fachprogramm sind wir digital gut aufgestellt“, versichert Lindemann.

Nachdem Gesundheitsministerin Carola Reimann im August angekündigt hatte, es werde bis Ende 2020 für bis zu eine Million Euro flächendeckend alle Gesundheitsämter mit dem digitalen Fall- und Kontaktpersonenmanagement-System Sormas ausrüsten, hatte es vergangene Woche Kritik der FDP-Landtagsfraktion an der schleppenden Umsetzung und Einführung gegeben. Die datenschutzkonforme IT-Anwendung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) ermögliche es, die Kontaktnachverfolgung effizienter zu gestalten, hatte Reimann vor einem halben Jahr erklärt. Die erfassten Daten ließen sich am HZI epidemiologisch auswerten, während Betroffene eine Zusatz-App für die selbstständige Gesundheitsüberwachung nutzen könnten.

Inzwischen hat die Ministerin eingeräumt, die Gesundheitsämter vor Ort hätten längst eigene Systeme und Insellösungen entwickelt; statt die EDV in sämtlichen Landkreisen umzukrempeln, habe seit dem Herbst die Fallbearbeitung Vorrang gehabt. Dabei mussten zunächst auch die Landesbediensteten, Soldaten und andere Helfer eingearbeitet werden. Es gebe auch noch immer eine „ungelöste Schnittstellenproblematik“ der E-Health-Software zu den Systemen des Robert-Koch-Instituts. Diese hat auch zur Folge, dass die täglich gemeldeten Fallzahlen der deutschen Behörden variieren.

Verschiedene Systeme

Sormas ist die Abkürzung für „Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System“; die Software zum Management von Maßnahmen in der Epidemiebekämpfung wurde 2014 im Kampf gegen das Ebola-Virus programmiert und inzwischen für den öffentlichen Gesundheitsdienst in der Bundesrepublik weiterentwickelt. Deutschlandweit ist das Programm Ende 2020 in 111 der 375 Gesundheitsämter installiert gewesen, so das Bundesgesundheitsministerium. Während die Bremer Behörden damit arbeiten, ist in Sachsen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und dem Saarland kein einziges Gesundheitsamt umgestiegen.

Bei den eingehenden Meldungen gilt ohnehin Demis (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz) als das Mittel der Wahl; die Lösung wird in allen Ämtern und Laboren genutzt. Für den Landkreis Osterholz bestätigt Jana Lindemann, in der Kontaktverfolgung werde das Gesundheitsamt auch künftig nicht auf Sormas zurückgreifen. Es lasse sich nicht ohne Weiteres in die eigenen Fachprogramme integrieren. „Wir versprechen uns dadurch auch keine maßgebliche Verbesserung unserer inhaltlichen Arbeit.“

Bis Mittwoch hat der Landkreis seit Pandemiebeginn 6255 Kontaktpersonen der Kategorie I erfasst. Dabei kommt es vor, dass eine Person mehrfach registriert und in Quarantäne geschickt wird. Wenn es sich nicht um eine bloße Verlängerung handele, werde so ein Fall neu gezählt, erklärt Lindemann. Aktuell gebe es knapp 200 Fälle, bei denen der Landkreis eine erneute Quarantäne unabhängig von der vorherigen verhängt habe.

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