Gewerkschaft in Sorge

28 Prozent arbeiten zu Niedriglöhnen

Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hat festgestellt, dass mehr als jeder vierte Vollzeitbeschäftigte im Kreis Osterholz im sogenannten Niedriglohnsektor tätig ist. Bundesweit liegt die Quote bei 18 Prozent.
17.10.2020, 17:22
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28 Prozent arbeiten zu Niedriglöhnen
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. 4252 Vollzeitbeschäftigte im Landkreis Osterholz haben im vergangenen Jahr weniger als 2267 Euro brutto im Monat verdient. Sie zählten damit nach amtlicher Einschätzung zum sogenannten Niedriglohnsektor.

Mit einem Anteil von 28,1 Prozent an den sozialversicherungspflichtigen Fulltime-Jobs lag der Landkreis Osterholz klar über dem Bundesdurchschnitt von 18,8 Prozent. Das geht aus den Zahlen der Bundesregierung hervor, die im September eine Kleine Anfrage der Linksfraktion beantwortet hat. Das Datenmaterial stammt von der Bundesagentur für Arbeit und füllt 624 Din-A4-Seiten (Drucksache 19/21734). Der sogenannte untere Entgeltbereich macht der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) besondere Sorgen. „Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend“, sagt Inge Bogatzki, Bezirksvorsitzende für das Land Bremen und umzu. Besonders wenig gezahlt werde in der Landwirtschaft, der Floristik und der Gebäudereinigung. „Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten“, warnt die Gewerkschafterin. Es drohe eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes. Die IG Bau appelliere an die Arbeitgeber, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen. In tarifgebundenen Unternehmen, das hätten Studien der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gezeigt, steige die Produktivität, die Mitarbeiter seien motivierter. Auch die Politik müsse mehr für Tarifbindung und Tariftreue tun, fordert Bogatzki und setzt hinzu: „Je mehr Menschen sich in den Gewerkschaften engagieren, desto mehr lässt sich gegenüber den Arbeitgebern herausholen.“

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