Nuklear-Katastrophe in Japan: SPD-Fraktionsvorsitzender für erneuerbare Energien Günter Ihmels setzt auf Wind

Von Sigrid Lüdtke
21.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Von Sigrid Lüdtke

Bokel. Tschernobyl und Fukushima werden künftig vermutlich in einem Atemzug genannt werden. Angesichts der Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan meldet sich der Beverstedter SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Günter Ihmels zu Wort. Der promovierte Kernphysiker ist Lehrer an der Waldschule Hagen und seit 1986 im Bokeler Gemeinderat aktiv - dem Jahr des GAU im Atomkraftwerk in Tschernobyl.

Seit 1996 ist Ihmels Mitglied im Beverstedter Samtgemeinderat. Dort macht er sich seit Jahren für den Ausbau regenerativer Energien stark, deren Nutzung er für dringlicher denn je hält. 1986 seien die Informationen nur spärlich durchgesickert, aber nach mehreren Tagen sei die Gewissheit gewachsen, dass auch Deutschland vom Fallout aus Tschernobyl betroffen war. Besonders Eltern sollten vorsichtig mit Nahrungsmitteln umgehen, keine frische Milch verwenden und die Kinder von Sandkästen fernhalten, hieß es damals.

Als früherer Mitarbeiter eines kernphysikalischen Instituts und als Physiklehrer habe er seinerzeit mit einem Kollegen Vorträge zum GAU und zu den Auswirkungen in Hagen, Lunestedt und Bokel gehalten. Es sei eine Initiative gegründet worden, um die radioaktive Belastung der Region zu testen. Proben von Laub, Fleisch und Gemüse seien gesammelt und an der Bremer Uni ausgewertet worden. Freunde und Verwandte hätten die Aktion finanziell unterstützt, während der damalige Leiter des Kreisveterinäramts die Arbeit als "Mediengeilheit" abgetan habe, so Ihmels. Letztlich ergaben die Untersuchungen, dass die Region glimpflich davon gekommen war.

Schlüsselerlebnis für Engagement

"Für mich wurde der Tschernobyl-Sommer Anlass, mich in der Kommunalpolitik zu engagieren", sagt Ihmels. Die Ereignisse hätten ihm gezeigt, dass ein Einmischen von vielen Menschen in die Parteipolitik notwendig sei, um Verhältnisse ändern zu können. Natürlich in kleinen Schritten. Auf der untersten Schiene der Politik gehe es nicht schnell voran: "Es war für mich eine große Freude, dass sich die Gemeinde Bokel finanziell an einem der ersten Windparks der Region in Misselwarden beteiligt hat." Dies sei ein Einstieg in die Nutzung regenerativer Energien gewesen. Später seien zwei Windparks in der Samtgemeinde Beverstedt hinzugekommen.

"Inzwischen haben wir parteiübergreifend beschlossen, den Einsatz regenerativer Energien weiter zu fördern", berichtet Ihmels aus dem Samtgemeinderat. Mit Hilfe der Hochschule Bremerhaven werde hoffentlich ein Energiekonzept entwickelt, das den weiteren verträglichen Ausbau der regenerativen Energien zulässt und damit die Atomkraft verdrängt. Im Jahre 2009 habe die SPD-Grüne-Dieck-Gruppe im Beverstedter Samtgemeinderat - gegen die Stimmen von CDU und FDP - eine Resolution durchgebracht, den Atomausstieg-Beschluss nicht anzufassen. Dabei habe auch die unmittelbare Nachbarschaft zum Atomkraftwerk Unterweser eine Rolle gespielt, für das eine Laufzeitverlängerung zu befürchten gewesen sei.

"Die Opposition hat uns vorgeworfen, damit die Wirtschaftskraft der Region zu schwächen", ärgert sich Ihmels. Geradezu grotesk sei für ihn der Vorwurf, mit der Forderung zur Abschaltung des Atommeilers gegen den Klimaschutz zu agieren: "Im Namen des Klimaschutzes den Ausbau von Kernenergie zu fordern, heißt für mich, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben", resümiert Ihmels.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+