SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil gibt sich beim Sommerempfang auf Gut Sandbeck optimistisch Gute Laune im Gepäck

Osterholz-Scharmbeck. In knapp fünf Monaten will er David McAllister (CDU) vom Thron stoßen und neuer niedersächsischer Ministerpräsident werden. Dafür absolviert Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil als SPD-Spitzenkandidat rund zehn Wahlkampfauftritte pro Tag. Am Donnerstagabend war der 53-jährige Jurist Ehrengast des Sommerempfangs der Osterholzer Sozialdemokraten und verbreitete Siegerlaune.
25.08.2012, 05:00
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Von Klaus Grunewald

Osterholz-Scharmbeck. In knapp fünf Monaten will er David McAllister (CDU) vom Thron stoßen und neuer niedersächsischer Ministerpräsident werden. Dafür absolviert Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil als SPD-Spitzenkandidat rund zehn Wahlkampfauftritte pro Tag. Am Donnerstagabend war der 53-jährige Jurist Ehrengast des Sommerempfangs der Osterholzer Sozialdemokraten und verbreitete Siegerlaune.

Osterholz-Scharmbeck. Zum neunten Mal veranstaltete der SPD-Unterbezirk Osterholz seinen Sommerempfang auf Gut Sandbeck. "Mit Rekordbeteiligung", wie die neue Vorsitzende Christina Jantz aus Schwanewede feststellte. Rund 160 Besucher trafen sich auf dem alten Rittersitz zum spätsommerlichen politischen Stelldichein bei Bratwurst, Bier und rhetorischer Begleitmusik, für die vor allem der Kandidat sorgte.

Stephan Weil kommt von einer Betriebsbesichtigung in Ritterhude, hängt sein Jackett über den Gartenstuhl, greift zum Mikrofon und stellt vor der Fachwerk-Scheune fest: "Egal, wo ich bin, überall ist gute Laune." Dabei blickt er nicht nur auf voll besetzte Gartentische, sondern auch auf die grün-gelbe Staudenreihe namens Rudbeckien. Als hätten die sich stellvertretend für die Grünen auf Gut Sandbeck eingefunden. Der Hannoveraner braucht sie, um McAllister ablösen zu können, denn eine Alleinregierung der SPD scheint illusorisch.

Für Weil, ein Befürworter des "aktiven Sozialstaats", sind Liberalisierung und Privatisierung rote Tücher. Und genau auf diesen Gleisen ist die schwarzgelbe Landesregierung aus seiner Sicht ins Abseits gefahren. In Sachen Bildung und Kinderbetreuung habe sie versagt, belege in der Tabelle der Bundesländer einen Abstiegsplatz. Die Ursache für "diese Misere" hat der Kandidat ebenfalls ausgemacht: Die Landesregierung habe jegliche Eigeninitiative eingestellt, knalle nur noch gehorsam die Hacken zusammen, wenn aus Berlin die Befehle kämen.

Der Oberbürgermeister aus der Leinemetropole gilt als Pragmatiker. Zehn Jahre war er Stadtkämmerer in der niedersächsischen Hauptstadt. Die Schuldenbremse, sagt er, sei für ihn verbindlich. Deshalb mache er keine unbezahlbaren Versprechungen. Eine Kampfansage hat er freilich im Gepäck: Die Bundesregierung müsse für auskömmliche Finanzen der Bundesländer und ihrer Kommunen sorgen.

Dazu gehört für Weil auch, Deutschlands Reiche mehr in die Pflicht zu nehmen. Soll heißen: Sie steuerlich stärker zu belasten. Zumal viele von ihnen zu Steuerflüchtlingen geworden seien. Und das ist für den ehemaligen Kämmerer eine "Straftat", die von CDU und FDP geduldet werde.

Später, in kleiner Runde, macht der niedersächsische SPD-Spitzenkandidat kein Hehl aus seiner Sympathie für die nordrhein-westfälische Landesregierung, die mit dem Ankauf von Steuersünder-Dateien sowohl die Schweizer Regierung als auch den Bundesfinanzminister verärgert. Weil: "NRW hat meine volle Sympathie. Ich würde als Ministerpräsident genau so verfahren." Dabei weiß sich der Jurist in juristisch sicheren Schuhen: Das Bundesverfassungsgericht hat im November 2010 die Nutzung der Steuersünderdaten bei der Strafverfolgung erlaubt.

Weils Optimismus im Hinblick auf die Landtagswahl am 20. Januar 2013 steckt an diesem lauen Spätsommerabend auch die SPD-Kandidaten für die Wahlkreise 59 (Daniela Behrens) und 60 (Jürgen Kuck) an. Die 44-jährige Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Unterweser (Schwanewede, Hambergen, Loxstedt, Hagen und Schiffdorf) sowie der Ritterhuder Fraktionsvorsitzende Jürgen Kuck (49), der in Grasberg, Lilienthal, Osterholz-Scharmbeck, Ottersberg, Oyten, Ritterhude und Worpswede antritt, sind zuversichtlich, die Wahlkreise direkt gewinnen zu können. Beide haben bei ihren Hausbesuchen eine Wechselstimmung ausgemacht. Und beide sehen wie der Spitzenkandidat in der älter werdenden Gesellschaft ein "Schlüsselthema", für das die schwarzgelbe Landesregierung keine Strategie besitze.

Die sogenannte demografische Entwicklung ist natürlich auch an der Osterholzer SPD nicht vorbeigegangen. Die meisten Besucher des Sommerempfangs 2012 waren auch schon vor neun Jahren dabei, als es auf der "Residenz von Bürgermeister Martin Wagener" (Stephan Weil) Bratwurst, Bier und politische Bestandsaufnahme zum Nulltarif gab.

Gute Laune im Gepäck

SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil gibt sich beim Sommerempfang auf Gut Sandbeck optimistisch

Zitat:

"Egal, wo ich bin,

überall

ist gute Laune."

Stephan Weil, SPD-Spitzenkandidat

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