Heimatverein Wilstedt demonstriert im Moor das Torfstechen

Gute Laune trotz harter Arbeit

Der Heimatverein Wilstedt will, dass altes Handwerk nicht in Vergessenheit gerät. Jetzt führten Mitglieder im Moor wieder das Torfstechen vor.
13.05.2013, 05:00
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Von Sabine Von Der Decken
Gute Laune trotz harter Arbeit

Dieter Bohling (vorne links) und Karl-Heinz Wobbe führten das alte Handwerk des Torfstechens vor.

Dek· Sabine Von Der Decken

Der Heimatverein Wilstedt will, dass altes Handwerk nicht in Vergessenheit gerät. Jetzt führten Mitglieder im Moor wieder das Torfstechen vor.

Wilstedt. Sie stehen auf Boden, der alles andere als jung ist. Mindestens 1000 Jahre alt ist der Torf, von dem Karl-Heinz Wobbe, Vorsitzender des Wilstedter Heimatvereins, und Dieter Bohling mit alten Geräten Torfsoden abstechen. Trotz des unbeständigen Wetters nehmen viele Wilstedter und Besucher aus den umliegenden Ortschaften die Gelegenheit wahr, sich über die harte Arbeit im Moor vor Ort zu informieren.

Seit sechs Jahren hat das Torfstechen im Wilstedter Heimatvereins Tradition. Initialzündung sei gewesen, so Wobbe, dass seine Enkelkinder vieles nicht kannten. So habe ihn damals aufgerüttelt, dass sie nicht wussten, woher etwa die Milch stammt. Damit Kinder und Erwachsene lernen, wie sehr sich im vergangenen Jahrhundert die Menschen hier in der Region angestrengt haben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, veranstaltet der Heimatverein einmal pro Jahr einen geselligen Torfstich. Mit dem Kremserwagen und zwei Oldtimertraktoren geht es dann vom Heimathaus in das Wilstedter Moor. Auf einer am alten Kirchweg von Grasberg-Schmalenbeck nach Wilstedt gelegenen Parzelle der Familie Ullrich demonstrieren die Mitglieder des Heimatvereins mit Genehmigung des Landkreises Rotenburg altes Handwerk.

Erinnerungen ausgetauscht

An diesem Morgen werden so manche Erinnerungen wach. "Weißt du noch, als wir als Kinder Kartoffeln gesammelt und Rüben verzogen haben?" Und auch das Torfstechen gehört für einige Besucher zur gelebten Vergangenheit. So ging Karl-Heinz Wobbe im Alter von acht Jahren ins Moor, um beim Stechen von Torf zu helfen. "Es ist gut, dass die Kinder es heute besser haben, aber sie sollen sehen, wie es früher einmal war", so die Idee, die hinter der Traditionsveranstaltung des Heimatvereins steht.

Obwohl der Verein durch Schenkung nun Besitzer eines Stücks Moorlandes ist, hat der Ort für den einmal im Jahr stattfinden Torfstich Bestand. Denn bis zum Jahr 2015 gilt die Genehmigung des Landkreises für den Torfstich zu Demonstrationszwecken auf dem am Kirchweg gelegenen Wiesenstück.

Dreimal pendelt der Kremserwagen an diesem Tag zwischen Heimathaus und Torfstich, um Interessierte ins Wilstedter Moor zu fahren. Hier erwartet sie außer Informationen zum alten Handwerk auch Günther Götsche, der für das leibliche Wohl der Besucher sorgt. Mit alten Gerätschaften wie Torfspaten und -messer und Holzschuhstiefeln demonstrieren die Mitglieder des Heimatvereins eindrucksvoll die mühevolle Arbeit der Moorbauern, die für den eigenen Bedarf nur den minderwertigen Brauntorf verwendeten. Der gute Schwarztorf, klärt Karl-Heinz Wobbe auf, wurde nach Bremen verkauft.

Für das nächste Jahr gibt es bereits Pläne, die Art der Verpflegung der Moorbauern mit einer "isolierten" Kiepe und mit feuchten Leinenbändern umwickelten Tonkruke den Besuchern näher zu bringen, ließ der Verein gestern wissen.

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