Niedriger Heizölpreis Händler im Kreis Osterholz haben volle Auftragsbücher

Viele Hauseigentümer im Kreis Osterholz haben den niedrigen Ölpreis genutzt und ihre Tanks auffüllen lassen, auch wenn sie noch genug Reserven für den Winter gehabt hätten. Die Händler freuen sich über volle Auftragsbücher.
28.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Heizölhändler in der Region haben derzeit gut zu tun. Die Talfahrt des Ölpreises hat viele Hauseigentümer dazu gebracht, ihre Tanks auffüllen zu lassen, auch wenn eigentlich noch genug Reserven da wären, um bis zum Ende des Winters über die Runden zu kommen.

Die Händler freuen sich über die vollen Auftragsbücher, doch so mancher befürchtet schon, dass spätestens im Sommer die große Leere eintreten wird, weil überall die Tanks noch gut gefüllt sind.

Heizölfahrer Uwe Kaiser ist mit seinem Tankwagen vor dem Haus an der Pennigbütteler Straße in Osterholz-Scharmbeck vorgefahren. „Bitte voll machen“, gibt ihm die Hausbesitzerin mit auf den Weg, als er den Schlauch an den Erdtank anschließt und die Technik am Fahrzeug klar macht. Im Tank sind noch gut 3000 Liter drin, doch jetzt soll es noch einmal einen Nachschlag in gleicher Größenordnung geben – kein Einzelfall in diesen Tagen bei den Heizölhändlern in der Region. Angesichts der derzeit relativ niedrigen Preise füllen viele Hauseigentümer ihre Tanks auf – da macht es auch nichts, dass der Preis zum Wochenanfang wieder um einige Cent angezogen hat.

Trend zur Vorratshaltung

56,70 Euro inklusive Mehrwertsteuer kosteten gestern im Bundesdurschnitt 100 Liter Heizöl. Vor einem Jahr waren es locker noch fast 25 Euro mehr. Klar, dass angesichts des Sinkflugs viele Hauseigentümer die Gunst der Stunde nutzen wollen. „Es gibt Kunden, die sonst 2000 Liter im Jahr verbrauchen, die jetzt 5000 oder 6000 Liter auf einmal bestellen“, berichtet Heino Böttjer von der Raiffeisen-Warengenossenschaft in Gnarrenburg.

Den Trend zur Vorratshaltung bekommen auch andere Händler in der Region zu spüren. Lothar Eßmann von der Firma Tecklenburg berichtet von zahlreichen Kunden, die in diesen Tagen auch kleinere Mengen bestellen. „Viele von ihnen haben im Herbst schon mal gekauft und bestellen jetzt noch einmal nach, was sie sonst vielleicht erst im April oder Mai getan hätten. Das ist nichts Außergewöhnliches“, sagt Eßmann.

Auch Karl-Heinz Freye von der Jantzon & Freye GmbH in Schwanewede berichtet, dass in diesen Tagen viele seiner Kunden anrufen, um vergleichsweise kleine Mengen zu ordern. Dies führt dazu, dass die Tankwagen des Unternehmens viel auf Achse sind. Die Lieferzeit beträgt derzeit ungefähr zehn Tage. Der Firmenchef freut sich einerseits über die gut gefüllten Auftragsbücher, andererseits denkt er aber auch an den Aufwand für das Unternehmen: „Der ist ja für uns gleich, egal ob wir eine große Menge Heizöl ausliefern oder eine kleine“, erzählt er. Freye blickt auch schon auf die Sommermonate: Bleibt es bis zum Rest des Winters so mild und wird relativ wenig Öl verbraucht, sei in Richtung Sommer eine „saure Gurkenzeit“ für die Heizölhändler zu befürchten. Den Kunden dürfte das egal sein: Sie freuen sich, dass sie von den günstigsten Ölpreisen seit 2009 profitieren können und erst einmal bis zum nächsten Winter Ruhe haben.

Der niedrige Ölpreis hat sich auch bei der Firma Johann Köster aus Lilienthal-Worphausen bemerkbar gemacht. „Viele sagen sich, dass sie lieber jetzt den Tank voll machen lassen wollen, ehe die Preise vielleicht wieder anziehen“, sagt Heinzwerner Helmke. Zwischen ein bis zwei Wochen beträgt angesichts der regen Nachfrage auch in dem Lilienthaler Unternehmen die Lieferzeit.

Bei Prognosen zur weiteren Preisentwicklung auf dem Ölmarkt hält sich der Heizölfachmann Helmke zurück – zu viele Faktoren würden da eine Rolle spielen. „Wir können nicht in die Glaskugel schauen“, sagt er. Sein Mitstreiter Heino Böttjer von Raiffeisen ist da nicht ganz so zurückhaltend: Er rechnet damit, dass die Heizölpreise zumindest bis zur Mitte des Jahres auf einem niedrigen Niveau bleiben werden und sie eher noch sinken könnten. Die OPEC habe angekündigt, die Förderquoten für Erdöl bis Juni nicht senken zu wollen. Zugleich werde die Nachfrage nach Erdöl weltweit voraussichtlich relativ gering bleiben, schätzt der Gnarrenburger.

Lothar Eßmann rechnet ebenfalls nicht damit, dass Heizöl so schnell wieder teurer wird. Doch er bleibt vorsichtig: Wie schwer vorhersehbar die Entwicklung sei, werde ihm aktuell wieder bewusst: Wer, so fragt er, hätte denn vor einem Jahr gedacht, dass die Erdölpreise so wie aktuell in den Keller gehen?

Dass die Lage für die Verbraucher derzeit einigermaßen entspannt ist, liegt aber eben nicht nur an den niedrigen Ölpreisen, sondern auch an dem bisher vergleichsweise milden Winter. Etwa 15 und 20 Prozent Heizöl, so schätzen Heizölhändler, könnten die Hausbesitzer in dieser Heizsaison einsparen.

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