Ohne Wegweiser Heidberger wollen nicht vergessen werden

Wer von der Heidberger Straße nach links in die Alte Reihe einbiegt, wird den Hinweis auf Heidberg vergeblich suchen. Das Schild weist nur nach Dannenberg. Kein Wort davon, dass der Weg dahin durch den kleinsten Ortsteil der Gemeinde Lilienthal führt.
28.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke und Undine Zeidler

„Wir wollen nicht vergessen werden“, sagen die Heidberger, und sie haben allen Grund dazu. Wer von der Heidberger Straße nach links in die Alte Reihe einbiegt, wird den Hinweis auf Heidberg vergeblich suchen. Das Schild weist nur nach Dannenberg. Kein Wort davon, dass der Weg dahin durch den kleinsten Ortsteil der Gemeinde Lilienthal führt. Dabei leben dort jede Menge engagierte Menschen, immerhin rund 450 Einwohner. Sie organisieren Feste und Veranstaltungen. Es gibt die Freiwillige Feuerwehr, den Kindergarten und einen Wanderweg im Dorf, dessen wichtigster Punkt seit 1974 das Dorfgemeinschaftshaus ist.

Bis 1974 war Heidberg eine selbstständige Gemeinde. Bis dahin gehörte Grasdorf noch dazu, doch Grasdorf wurde bei der großen niedersächsischen Gebiets- und Verwaltungsreform der Gemeinde Grasberg zugeschlagen. Die hätte sonst nicht genug Einwohner gehabt. Heidbergs Dorfgemeinschaftshaus steht an der Straße Alte Reihe und hat die Hausnummer 72. Bis 1974 beherbergte es die Dorfschule, doch dann wurde die kleine Schule geschlossen.

Dafür ist die „Heidberger Rappelkiste“ noch putzmunter. Der quirlige Kindergarten im Dorfgemeinschaftshaus bringt Leben ins Dorf. Doch auch sonst ist das große Haus an der Alten Reihe der Treffpunkt im Dorf. Hier wird gemeinsam gefrühstückt, geklönt und Karten gespielt. Für ihr Dorfgemeinschaftshaus wünschen sich die Heidberger von der Gemeinde eine neue Küche. Das sei doch nicht übermäßig viel, sagt Marina Hasak von der Ortsentwicklungsgruppe. Doch dann relativiert sie den Satz gleich wieder: „Von der Lobby her sind wird ja nicht so stark.“

Heidberg, da fährt man irgendwie durch oder dran vorbei. Dabei leben 450 Menschen in dem Dorf. Viele ältere Bewohner und Mittelalter, so beschreibt Hasak die Struktur. Wenn wieder mehr junge Leute in den Ortsteil zögen, wäre das natürlich schön. Also wollen die Heidberger ihr Dorf attraktiver machen. „Das Dorfgemeinschaftshaus ist der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Marina Hasak. Dort treffen sich alle vier Wochen die Frühstücksgruppe, der Klönschnack und die Kartenspieler. Außerdem kommt einmal im Monat der Pfarrer ins Dorfgemeinschaftshaus. Der Kindergarten bietet gleich nebenan den öffentlichen Spielplatz des Dorfes. Kein Wunder also, dass auch etwas Stolz in der Stimme von Marina Hasak mitschwingt, wenn sie sagt: „Ich wohne in einem Ortsteil zum Wohlfühlen.“ Hier kennt jeder noch jeden. Jeder gehört dazu, das schafft einen Zusammenhalt.

Damit es so bleibt, wie es ist oder gar besser wird, haben die Heidberger Rita von Halle und Marina Hasak in die Demografiekommission der Gemeinde Lilienthal geschickt. Zuhause im Dorfgemeinschaftshaus formuliert die Ortsentwicklerin von Halle als Heidberger Ziele zuerst einmal den Erhalt und die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses. Zusammen mit Seebergen wollen die Heidberger aber auch die Verkehrslage an der Landesstraße 154 verbessern. Sie sprechen von einer Verkehrsberuhigung im Abschnitt Heidberger Straße / Seeberger Straße. Die Radwege im Dorf haben auch schon bessere Tage gesehen. Außerdem, so kündigt Rita von Halle an: „Wir wollen den Wanderweg interessanter machen“. Bänke sollen und aufgestellt werden. Eine Stunde dauert der Rundweg durch die Heidberger Schweiz, er bietet ein schönes Panorama in die Niederungen.

Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Heidberg-Grasdorf, Joachim Osmers, lenkt den Blick auf die Landesstraße, auf der 70 und 100 Kilometer pro Stunde erlaubt sind und wo Autofahrer gerne noch mehr Gas geben. „Wir können die Verkehrssituation nicht ändern“, sagt Osmers. „Aber man kann ja sagen, was einen stört.“ Rita von Halle nennt es schon „Gefahrenlage“, wenn an der kurvigen Straße an den Bushaltestellen mit Schulkindern der Verkehr mit 100 Kilometern pro Stunde vorbei donnert.

Menschen wie Rita von Halle und Marina Hasak arbeiten ehrenamtlich für ihren Ortsteil, weil sie wollen, dass trotz gegenläufiger Trends auch wieder junge Leute in die Außenbereiche ziehen. Die sollen attraktiver werden. Damit stehen sie nicht alleine da.

Die Seeberger Nachbarn haben erbittert um ihre Schule gerungen, die in einem Jahr geschlossen werden soll. Heidberg hatte seine Schule schon 1974 bei der Gebietsreform verloren. Das Gebäude wurde zum Dorfgemeinschaftshaus umgewidmet. Allerdings ist es in die Jahre gekommen. Der marode Zaun, die Stufen am Eingang – überall sind es die Kleinigkeiten, an denen es hapert. Aber, so sehen es Rita von Halle und die anderen Heidberger: „Viele Kleinigkeiten ergeben eine große Sache.“ Und selbst da bleiben sie bescheiden. Marina Hasak sagt: „Wir sind ja auch bereit, was selber zu machen.“ Nur wollen sie eben bei den Entscheidungen in Lilienthal auch auch ein Wörtchen mitreden: „Unser Ziel ist, dass wir als Heidberg wahrgenommen werden.“

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