Grete Hoops aus Tarmstedt veröffentlicht mit „De Koh vergitt, dat se ’n Kalv ween is“ ihr zwölftes Buch Hintersinniges auf Platt

Plattdeutsch ist ihr eine Herzensangelegenheit: Die Tarmstedter Erfolgsautorin Grete Hoops gibt kurz vor Weihnachten ein neues Buch heraus; es ist bereits ihr zwölftes.
25.11.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Irene Niehaus

Plattdeutsch ist ihr eine Herzensangelegenheit: Die Tarmstedter Erfolgsautorin Grete Hoops gibt kurz vor Weihnachten ein neues Buch heraus; es ist bereits ihr zwölftes.

Ursprünglich wollte Grete Hoops nur ein Buch schreiben, mehr nicht. Und vorlesen, nein, das kam für sie gar nicht in Frage – zu schüchtern war sie, fand sie. Nun gibt sie mittlerweile ihr zwölftes Werk heraus, und Lesungen hat sie jede Menge hinter sich, „Hunderte“, sagt die 78-Jährige schmunzelnd. Fans hat sie inzwischen überall in Norddeutschland zwischen Schleswig-Holstein, Verden und der Lüneburger Heide.

Die Tarmstedterin sitzt in ihrem Wohnzimmer, behaglich warm ist es, gelegentlich legt sie einen Holzscheit in den Ofen nach und gießt ihrem Gast Tee ein. Sie erzählt von den Anfängen ihres Schreibens vor mehr als 13 Jahren. Da kam ihr erstes Büchlein auf den Markt. Auf Plattdeutsch, was sonst. Sie liebt ihre Muttersprache, dieses Unverblümte; eine Sprache voller Saft und Kraft, oft derb, aber nie verletzend. Sie möchte dazu beitragen, das Niederdeutsche zu bewahren. Seit dem Jahr 2000 hat sie Etliches publiziert, Geschichten aus dem Leben, gespickt mit trockenem, hintersinnig-norddeutschem Humor.

Nun liegt ihr neues Werk vor. „De Koh vergitt, dat se ’n Kalv ween is“ (Die Kuh vergisst, dass sie ein Kalb gewesen ist) heißt es, ein grünes Bändchen, passend zum Titel ist auf dem Einband eine gemalte Schwarzbunte mit Nachwuchs zu sehen.

20 kurze Erzählungen vereint das Buch auf 71 Seiten; ganz zum Schluss gibt Grete Hoops ihren Lesern noch eine kleine Übersetzungshilfe an die Hand. Jede der Anekdoten hat nicht nur einen wahren Kern, sondern einen wahren Hintergrund. „Alles ist so passiert“, weiß die gebürtige Ostertimkerin. Namen hat sie allerdings soweit verfremdet, dass niemand erkannt werden kann.

Die Ideen trägt die Tochter eines Viehhändlers auf vielfältige Weise zusammen. Bekannte erzählen ihr ungewöhnliche Begebenheiten, oder sie schnappt Döntjes am Rande von Gesprächen auf. „Viele Leute wissen gar nicht, dass ich das verarbeitet habe, was sie erzählt haben.“

Auf einen Aufruf in der Zeitung erhielt Grete Hoops eine Reihe von Anekdoten, etwa von einer Bremerin, die ihre Stuhlprobe mangels Zeit tatsächlich einmal per Post an den Hausarzt geschickt hatte. Der Brief kam allerdings nie an; wenig später stellte sich heraus, dass ein Postdieb in der Hansestadt sein Unwesen getrieben hatte. Womöglich hatte er erwartungsvoll auch in den dicken Umschlag mit der „stinkerigen, verdröögten Schiet“ gegriffen...

Grete Hoops’ Geschichten von gestern und heute handeln von der Vorweihnachtszeit, von Silvester, vom Karneval und vom Alltag. Eine kuriose Erzählung aus der Schulzeit, als noch der Rohrstock drohte, stammt von einer heute über 90-jährigen Seniorin, die früher in Tarmstedt lebte und die inzwischen in einem Altenheim in der Eifel wohnt. „Ihr Brief hatte sechs Seiten“, erinnert sich Grete Hoops. „Meine älteren Leser können sich sehr gut mit der Erzählung über einen Lehrer und seinen Schüler identifizieren.“

Schlitzohrig und schadenfroh

Andere von Grete Hoops verarbeitete Döntjes wurden ihr von Menschen aus Hüttenbusch, Fischerhude, Zeven und auch Bremerhaven zugetragen. Ein bisschen Schadenfreude, Schlitzohrigkeit und Spießbürgertum – das sind Zutaten für ihre Geschichten. „Ich mag es, wenn in ihnen nicht alles glatt läuft.“

Wenn sie ihre Geschichten auf Plattdeutsch aufschreibt, schließt sie die Augen und stellt sich vor, wie ihr Vater sie erzählt hätte. „Plattdeutsch ist ja eine bildreiche Sprache.“ Gezielt sucht sie nach passenden Redewendungen, und den Spannungsbogen zu halten, ist ihr wichtig. „Man muss auf die Pointe zuarbeiten.“ Nicht selten steht die Autorin nachts auf, um einen Gedanken oder „ein tolles plattdeutsches Wort“ aufzuschreiben, damit sie es am nächsten Morgen nicht vergessen hat.

Geschrieben hat die Tarmstedterin schon immer. Bereits in der Schule verfasste sie als begabtes Kind mit großer Freude Aufsätze. Ihre Leidenschaft hält bis heute an.

Grete Hoops’ Buch „De Koh vergitt, dat se ’n Kalv ween is“ ist unter der ISBN-Nummer 9783730810286 im Isensee-Verlag in Oldenburg erschienen. Die Illustrationen stammen von der Bremervörderin Christel Daub. Das Werk kostet 8,50 Euro und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+