Jungunternehmer haben Patent auf Heckklappenöffner / Freunde aus Kindertagen gründen drei Unternehmen Ideen für neue Firmen

Beckedorf/Aumund/Berlin. Christoph Eisold hat schon als 18-Jähriger in seinem ehemaligen Kinderzimmer mit seinen Freunden daran getüftelt, wie sie ihre Autos aufmotzen können. Jetzt ist er Geschäftsführer des jungen Unternehmens „GB Tuning“ mit Sitz in Beckedorf.
06.08.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Sylvia Wörmke

Beckedorf/Aumund/Berlin. Christoph Eisold hat schon als 18-Jähriger in seinem ehemaligen Kinderzimmer mit seinen Freunden daran getüftelt, wie sie ihre Autos aufmotzen können. Jetzt ist er Geschäftsführer des jungen Unternehmens „GB Tuning“ mit Sitz in Beckedorf. Zusammen mit seinen Geschäftspartnern besitzt er das Patent auf einen automatischen Heckklappenöffner, der in wenigen Minuten von jedermann und jederfrau selbst installiert werden kann. Das große Ziel: Die Firma will ein Name in der Tuning-Branche werden. Andere Freunde aus der Schwaneweder Jungsrunde von damals haben sich inzwischen auch mit Unternehmen und anderen Geschäftsideen selbstständig gemacht.

Automatische Heckklappenöffner gibt es schon. In den Oberklassen-Limousinen verschiedener Autohersteller auf elektronischer Basis. Allerdings laut Eisold nicht in Mittelklassewagen und nicht in kleinen City-Hüpfern. Hier haben die jungen Macher um den 25-jährigen gebürtigen Schwaneweder eine Nische gefunden, eine Marktlücke entdeckt. Weitere Zutaten: ein rein mechanisches System, millimetergenaue Spiraldruckfedern, wenig Kosten, einfacher Einbau.

In zehn Minuten kann jeder Autobesitzer den Öffner einbauen, sagt Christoph Eisold, allerdings braucht er noch jemanden, der beim Austausch der Dämpfer die Klappe hält. „Go simply“ eben. Unter diesem Namen ist das Produkt auf dem Markt und wird über das Internet verkauft.

Zum Einbausatz gehören zwei Spiraldruckfedern, Unterlegscheiben und zwei Schrumpfschläuche. Je nach Automodell variieren die Federn in Größe und Form. Produziert werden die Teile von einer Zuliefer-Firma. Am Firmensitz, Gewerbekamp in Beckedorf, dort wurden Büros mit einer Halle angemietet, erfolgt die Endmontage der Teile zum Einbauset. Von hier aus werden die Heckklappenöffner an die Kunden verschickt. Das Start-up-Unternehmen beschäftigt für diese Arbeit inzwischen einen Angestellten auf 450-Euro-Basis. Laut Jungunternehmer Christoph Eisold bewegen sich die Umsätze schon nach wenigen Monaten im fünfstelligen Bereich.

Christoph Eisold zeigt an seinem eigenen Wagen, wie der Hecklappenöffner, der mit dem Autoschlüssel betätigt wird, funktioniert. Und er demonstriert, wie jeder das Modell auch selbst in seinen Wagen einbauen kann. Allerdings klappt es noch nicht bei jedem Auto. Daran tüftelt das Team um Eisold gerade weiter. „Wir entwickeln gerade einen Gasdruckdämpfer für Fahrzeuge, bei denen der Einbau nicht möglich ist“, erklärt er. Zudem wird nach der Iso-Zertifizierung jetzt das TÜV-Siegel für die EU beantragt.

Auch sonst sprudeln die Kreativen vor Ideen. „Unsere Produktpalette wächst wöchentlich.“ Im Grunde geht es ihnen darum, dass Autofans ihre Fahrzeuge für wenig Geld, einfach ausgedrückt, aufmotzen können, feiner formuliert: veredeln können. Tunen bedeutet frei übersetzt verbessern.

Christoph Eisold hat das mit 18 mit seiner Clique aus der Waldschule Schwanewede ständig getan. „Unser Interesse an Autos war immer groß. Immer haben wir irgendetwas gemacht“, erzählt er. Die jungen Männer tüftelten und bastelten an ihren Wagen herum, um sie schicker zu machen. Daraus haben vier von ihnen die Geschäftsidee für „GB Tuning“ entwickelt. Für den Heckklappenöffner war der Grundgedanke: „Großer Komfort für wenig Geld.“ Nicht nur junge Leute sind die Zielgruppe. Auch Eltern und Familien, die bequem ihre Einkäufe, Getränkekisten, Kinderwagen oder sonst etwas in den Kofferraum packen möchten, ohne sie zuvor absetzen zu müssen.

Die jungen Leute basteln an weiteren Ideen wie einer LED-Einstiegsleiste, Spoilern und anderen Produkten, damit besonders junge Leute kostengünstig äußerliche strukturelle Veränderungen an ihren Autos vornehmen können. So wird dann äußerlich ganz einfach aus einem Golf 7 ein Golf 7 GTI. „Das ist aber alles rein optisch“, betont der Geschäftsführer der Firma. Von der Elektronik lassen sie die Finger.

Nach und nach bekommen die Unternehmer durch die Präsenz im Internet und vor allem den sozialen Medien wie Facebook aus ganz unterschiedlichen Bereichen Resonanz. Ein Veranstalter habe beispielsweise nachgefragt, ob sich die Firma bei einer Veranstaltung auf einem Flughafen präsentieren möchte.

Momentan werden Kooperationen zu örtlichen Autohäusern aufgebaut. Christoph Eisold und seine Geschäftspartner – wie er haben sie Betriebswirtschaft studiert – setzen alles daran, „dass die Firma wächst“. Geschäftsführer Eisold: „Wir stecken viel Energie rein.“ Und wie schon erwähnt: Sie wollen sich im Tuning-Geschäft einen Namen machen.

Einen Namen haben sich andere Freunde aus Kindheitstagen, die auch zum Freundeskreis gehörten und noch gehören, schon gemacht. Sie gründeten „Myswooop–das kauf ich dir ab“, Firmensitz in Vegesack-Aumund. Ihre Geschäftsidee ist – wir berichteten – die Verknüpfung von stationärem und Online-Handel von neuer und gebrauchter Ware mit Zusatzleistungen. Kunden können in den Geschäften ihre Räder, Instrumente, Kleidung oder sonst etwas verkaufen oder über das Unternehmen verkaufen lassen, selbst etwas erwerben oder über die Internet-Plattform einkaufen. Die Umsätze sind inzwischen siebenstellig. Jan-Lucca Sielski und die Brüder Benjamin und Simon Gabriel (zwischen 24 und 26 Jahre alte) beschäftigen schon 40 Mitarbeiter, haben Shops in Aumund und der Bremer City und sind Partner des Bremer Traditionsunternehmens Melchers. Ihr großes Ziel: ein bundesweites Filialnetz.

Das dritte Unternehmen, das ihr Schwaneweder Kumpel Jannik Schäfer gerade mit seinem Studienkollegen Johannes Meisenheimer aufbaut, geht thematisch in eine ganz andere Richtung. Der 25-Jährige bietet unter dem Titel „Stehaufmaennchen“ eine Schreibtisch-Erhöhung aus Wellpappe an. „Das ist eine Lösung, die für jeden erschwinglich ist“, erzählt der junge Mann, der seinen Firmensitz – noch ist es seine Wohnung – nach Berlin verlegt hat. Mit wenigen Handgriffen wird aus einem Schreibtisch ein Stehpult. Die treppenförmig ausklappbare, recycelbare Pappe wird auseinandergefaltet.

Auf der unteren Stufe kann die Tastatur gelegt werden, darüber steht dann der PC oder Laptop. „Das sorgt für eine gewisse Entspannung und Lockerheit am Arbeitsplatz und fördert zugleich ein bewusst gesünderes Arbeitsumfeld“, schreiben die Jungunternehmer auf ihrer Internetseite und: „Jeder sollte die Möglichkeit haben, im Arbeitsalltag in einer schmerzfreien, körperschonenden Position zu verbringen.“

Das sei viel günstiger als ein hydraulischer Schreibtisch, meint Schäfer. Die Idee stamme aus den USA. „Wir haben aber eine eigene Marke und eine eigene Technik entwickelt.“ In einem Werk in Hessen wird die Pappe für „stehaufmaennchen.eu“, so der Firmenname, produziert.

Für wenige Euro ist die Rücken schonende Arbeitserleichterung über das Internet zu beziehen. „Wir können noch nicht davon leben. Es ist ein Zubrot“, erzählt der 25-jährige Betriebswirt, der noch, wie sein Geschäftspartner „nebenbei“ arbeitet. Ihr Ziel ist natürlich, sich von den Gewinnen ihrer Firma ernähren zu können.

„Unser Interesse an Autos war immer groß.“ Christoph Eisold, Geschäftsführer
„Wir können noch nicht davon leben.“ Jannik Schäfer, Firmengründer
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