Start wäre Mitte 2018

IGS-Oberstufe: Kreis lässt Bedarf ermitteln

Ob an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal in Zukunft eine gymnasiale Oberstufe eingeführt wird, das hängt vom Ausgang einer geplanten Elternbefragung ab.
13.06.2015, 00:01
Lesedauer: 3 Min
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IGS-Oberstufe: Kreis lässt Bedarf ermitteln
Von Bernhard Komesker
IGS-Oberstufe: Kreis lässt Bedarf ermitteln

Die Christoph-Tornée-Schule in Lilienthal gilt für die Zukunft als ein möglicher Standort einer gymnasialen Oberstufe – falls die Befragung einen entsprechenden Bedarf ergeben sollte.

Hans-Henning Hasselberg

Ob an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal in Zukunft eine gymnasiale Oberstufe eingeführt wird, das hängt vom Ausgang einer geplanten Elternbefragung ab. Einstimmig empfahl der Schulausschuss jetzt dem Osterholzer Kreistag, nach den Sommerferien den voraussichtlichen Bedarf ermitteln zu lassen, um im kommenden Herbst oder Winter eine Entscheidung zu fällen. Ein erster elfter IGS-Jahrgang könnte theoretisch im Schuljahr 2018/19 mit den jetzigen Siebtklässlern (Jahrgang Heinrich) starten.

Befragt werden sollen die Erziehungsberechtigten, die im kommenden Schuljahr Kinder in den Jahrgängen fünf bis acht an der IGS Lilienthal haben. Dass etwa das Lilienthaler Gymnasium außen vor bleibt, hat nicht nur politische Gründe, wie Schuldezernentin Heike Schumacher im Ausschuss darlegte: Bislang schwankt die Zahl der Gymnasiasten, die nach der zehnten Klasse von Lilienthal auf eine andere Oberstufe wechseln, so stark, dass sich darauf gar keine verlässliche Prognose gründen lässt. „Wir sind da im Reich der Spekulation“ erklärte Schumacher, nachdem die CDU-Abgeordneten Werner Grobbau und Marie Jordan gefragt hatten, ob eine Oberstufe an der Ostkreis-IGS dem Schoofmoor-Gymnasium das Wasser abgraben könne.

Kirstin Döding (Grüne) ließ durchblicken, sie könne dem sogar etwas abgewinnen. Sie glaubt, wenn auch die Eltern am Gymnasium befragt würden, gäbe es wohl 30 Prozent Wechselwillige. Berufsschullehrer Reinhard Freericks hingegen sagte mit warnendem Unterton, dass andere Oberstufen ihre Kursvielfalt dann reduzieren müssten. Christine Börnsen (Wählergemeinschaft) erwiderte, für den Einzelstandort könne das angehen, nicht aber für die Bildungslandschaft im Kreis insgesamt. „Das Angebot wird dadurch eher bereichert; ich glaube nicht, dass eine IGS-Oberstufe dem Gymnasium die Schüler wegnimmt.“

Schumacher nickte. Sie rechne im Fall der Fälle mit unterschiedlichen Profilen sowie neuen Kooperationen und nicht zuletzt mit einem Anstieg der Abiturientenzahlen im Kreisgebiet insgesamt. All das sei auch gewollt so. „Als wir in Osterholz-Scharmbeck die Oberstufe an der IGS aufgebaut haben, hat es bei der Gesamtzahl der Oberstufenschüler einen massiven Sprung nach oben gegeben“, so die Landkreis-Dezernentin. Thomas Seifert, didaktischer Leiter der IGS Lilienthal, erklärte am Rande der Sitzung, der Planungsgruppe seiner Schule schwebe in der Tat eine Kooperation mit dem Gymnasium vor, wie es sie auch an den beiden Schulen in der Kreisstadt gebe.

Der Ausschussvorsitzende Gerhard Witte (SPD) sagte, gerade auch wegen Lilienthals Bevölkerungswachstum halte er eine eigen IGS-Oberstufe für den Ostkreis durchaus für vorstellbar. Es verstehe sich aber, dass zunächst belastbare Zahlen benötigt würden. Deren Qualität indes hatte Werner Grobbau angezweifelt. Immerhin sollen die Eltern von Fünftklässlern nun sagen, ob sie ihr Kind nach der zehnten Klasse weiter auf der Schule lassen wollen. Das sei womöglich arg früh und eher von Wunschdenken geprägt.

Heike Schumacher entgegnete, die Befragung der Kindergarten-Eltern beim Aufbau der IGS habe ein ähnliches Problem gehabt – dennoch sei die Schule recht zuverlässig angewählt worden. Anhaltspunkte gebe es zudem auch bei den Fünftklässlern über die Gymnasialempfehlung der abgebenden Grundschulen. Um eine IGS-Oberstufe vom Land genehmigt zu bekommen, müssen die Prognosen jährlich mindestens drei Lerngruppen à 18 Schüler hergeben, und das mindestens zehn Jahre lang.

Die Kreisverwaltung will in den nächsten Wochen und Monaten nicht nur die Elternbefragung vorbereiten, sondern sich parallel auch daran machen, die räumlichen Anforderungen und die finanziellen Folgen ungefähr abzuschätzen. Aus rechtlichen Gründen kommen nur der Standort Auf dem Kamp oder die Außenstelle Grasberg infrage, nicht aber Worpswede. In Lilienthal könnte unterdessen aber auch die Nutzung der jetzigen Christoph-Tornée-Schule (CTS) eine Option sein, teilt die Kreisverwaltung mit; wörtlich heißt es dazu in der Sitzungsvorlage: „Aufgrund der aufsteigenden Inklusion und voraussichtlichen Auflösung der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen wird die CTS dieses Gebäude nicht mehr dauerhaft nutzen.“ Problem: Wegen sinkender Schülerzahlen an der CTS ist in einem ungenutzten Teil des Gebäudes mittlerweile bereits eine Kindertagesstätte eingerichtet worden, die möglicherweise zunächst sogar noch erweitert werden muss.

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