Hamberger Naturschützer Heiko Ilchmann führt Gruppen zu Schlafplätzen der großen Zugvögel ins Günnemoor

Im Bann des Kranich-Flugs

Jedes Jahr im Herbst bietet das Günnemoor ein besonderes Naturschauspiel: Tausende von Kranichen verdunkeln den Himmel, wenn sie von ihren Futter- zu ihren Schlafplätzen fliegen. Nimmt das Nahrungsangebot ab, ziehen die Vögel weiter gen Süden. Bis dahin aber lockt das allabendliche Spektakel Schaulustige an.
01.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriele Von Döllen

Jedes Jahr im Herbst bietet das Günnemoor ein besonderes Naturschauspiel: Tausende von Kranichen verdunkeln den Himmel, wenn sie von ihren Futter- zu ihren Schlafplätzen fliegen. Nimmt das Nahrungsangebot ab, ziehen die Vögel weiter gen Süden. Bis dahin aber lockt das allabendliche Spektakel Schaulustige an.

Vollersode. Das Naturschauspiel, das sich den Kranichbeobachtern am Wochenende bot, war mit nichts zu toppen: Ein windstiller Tag bot gute Sicht über das Günnemoor. Während der Sonnenuntergang das Günnemoor in allen denkbaren Rottönen in warmes Licht tauchte, stand auf der anderen Seite des Moores der Vollmond bereits am Himmel und färbte diesen violett bis rosa. Aus dieser Richtung kamen sie: Große Kranichschwärme flogen unter dem fahlen Mond vor dem malerischen Farbenspiel zu ihrem Nachtquartier.

Die Beobachter, die Heiko Ilchmann vom Nabu Hambergen an diesen Ort geführt hatte, verstummten ergriffen, als immer mehr Kraniche und Wildgänse laut rufend einflogen und sich auf der Wiese hinter dem wiedervernässten Moor versammelten. Eine märchenhafte Kulisse direkt vor der Haustür. "Das dürften heute 2500 bis 3000 Vögel sein", schätzte Ilchmann.

Beim Aufbruch vom Hofladen Lütjen in Verlüßmoor war er sich nicht so sicher. "Voriges Wochenende haben waren ungefähr 4000 Kraniche hier gesehen. Die vergangenen kalten Nächte könnten aber so manchen Kranich zum Abflug veranlasst haben", vermutete er. Dabei sei die niedrige Temperatur nicht der Grund für die Überwinterung im Süden, sondern der Mangel an Nahrung. Der Kranich habe einen äußerst vielseitigen Speiseplan. Er ernähre sich sowohl von Kleintieren wie Fröschen, Mäusen und Insekten als auch von Kartoffeln und Saat. Die starke Erhöhung der Kranichzahlen in den vergangenen Jahren resultiere einerseits aus der Wiedervernässung als auch aus dem zunehmenden Maisanbau. "Für den Kranich ist es ein Schlaraffenland", so Ilchmann, der gleichzeitig vor den Gefahren der Mais-Monokultur warnte. "Der Umbruch von Moor zu Maisanbauflächen führt zu enormer CO2 Belastung. Die Rückbildung ist aktiver Umweltschutz", führte Heiko Ilchmann aus.

Die 1,2 bis 1,4 Meter großen Graukraniche seien seit 1990 mit steigender Tendenz im Günnemoor und Huvenhopsmoor zu finden. Inzwischen gäbe es zehn Brutpaare im Landkreis, in Niedersachsen seien es bereits 700. Die großen Scharen, die die Beobachtung im Herbst zu einem Naturerlebnis werden ließen und immer mehr Besucher anlockten, wären jedoch auf der Durchreise. Den von Skandinavien, dem Baltikum und aus Mecklenburg-Vorpommern kommenden Vögeln böten die wiedervernässten Moore ideale Bedingungen zur Rast. "Bei guten Windbedingungen oder plötzlichem Wintereinbruch fliegen sie weiter nach Frankreich oder Griechenland, wobei sie eine Geschwindigkeit von 40 bis 65 Stundenkilometern erreichen", erklärte Ilchmann. Seiner Gruppe von circa 30 Beobachtern schlossen sich immer mehr Spaziergänger an. Katharina Dießelberg unterstützte Ilchmann an diesem Wochenende. "Obwohl ich in Verlüßmoor wohne und täglich den Einflug beobachten kann, ist es jedes Mal wieder toll", schwärmte sie. Leider seien viele Menschen den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur aber nicht mehr gewohnt, bedauerte sie. Ilchmann bestätigte und wies auf einen Heißluftballon, der das Einfluggebiet überquerte. "Das ist purer Stress für die Tiere, die hier Energie für den Weiterflug sammeln müssen."

Die Gedankenlosigkeit einiger Beobachter könne die Kraniche extrem stören. "Die Blitzlichter der Kameras bewegen die Kraniche zum Auffliegen. Auch Silvesterkracher wurden hier bereits gezündet", sagte Dießelberg verständnislos. Darüber hinaus würden einige Unvernünftige in das Moor laufen, um näher an die Sammel- und Schlafstellen zu gelangen. "Das ist nicht nur unvernünftig, sondern auch extrem gefährlich", warnte sie. Eine optimale Mischung aus Informationen und Tipps finden Interessierte bei einer Führung, die zum Beispiel durch den Nabu Hambergen angeboten wird. Wenn dazu die Natur mit perfekten Bedingungen mitspielt, wird der Besuch der Kraniche im Günnemoor zu einem Naturerlebnis, das mit seiner Einzigartigkeit lange nachwirkt.

Eine weitere Kranichbeobachtung bietet der Nabu am 4. November. Treffen ist um 16 Uhr beim Hofladen Lütjen in Verlüßmoor. Anmeldung bei Heiko Ilchmann, Telefon: 04793/3782.

Im Bann des Kranich-Flugs

Hamberger Naturschützer Heiko Ilchmann führt Gruppen zu Schlafplätzen der großen Zugvögel ins Günnemoor

Zitat:

"Für den Kranich

ist es

ein Schlaraffenland."

Heiko Ilchmann, Kranich-Experte

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