Bis zu 80 Wohneinheiten: Hinter der Molkerei entsteht eines der größten Bauprojekte der Geschichte Worpswedes Im Frühjahr kommen die Bagger

Worpswede. Worpswede will wachsen und dehnt sich aus: 2016 erfolgt im Künstlerort der Startschuss für zwei weitere Großbauprojekte. Auf dem knapp 12 000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Böttjerschen Hofs an der Ecke Im Rusch/Sophie-Bötjer-Weg sollen bis zu 33 Wohneinheiten entstehen.
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Von Michael Schön

Worpswede will wachsen und dehnt sich aus: 2016 erfolgt im Künstlerort der Startschuss für zwei weitere Großbauprojekte. Auf dem knapp 12 000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Böttjerschen Hofs an der Ecke Im Rusch/Sophie-Bötjer-Weg sollen bis zu 33 Wohneinheiten entstehen. Im Plangebiet „Hinter der Molkerei“ werden sogar 36 000 Quadratmeter verbaut.

Die Arbeiten zur Erschließung des Wiesengeländes zwischen der Osterweder Straße und der Bahnlinie sollen im kommenden Frühjahr in Angriff genommen werden. Das kündigte Hermann Backhaus, im Rathaus der Gemeinde Worpswede zuständig für Bauwesen, kürzlich im Ausschuss für Umwelt, Planung und Infrastruktur, an. Die Baustraße mit den Versorgungsleitungen soll im Sommer fertig gestellt sein, gab die Worpsweder Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft (WoGE) des Wildeshauser Geschäftsmannes Wolfgang Warkotz bekannt. Sie hat die insgesamt sogar 57 000 Quadratmeter umfassenden Grünlandflächen angekauft, zum Teil von der Kommune, die ihren Grundbesitz von 1,3 Hektar selbst erst vor nicht langer Zeit erworben hatte, und von der evangelischen Kirchengemeinde. Mit der Erschließung ist das Bremervörder Bauunternehmen Matthäi beauftragt worden. 2019 sollen die Arbeiten in ihr finales Stadium eintreten. Bei dem Baugebiet handelt es sich um eines der größten, die in den vergangenen Jahrzehnten in Worpswede in Angriff genommen wurden. Laut Stefan Schwenke, dem Bürgermeister Worpswedes, entspricht es vom Umfang her etwa den Projekten „Neu Osterwede“ („Für die Entwicklung wurden damals zweieinhalb Jahrzehnte benötigt“) und – in den 1970er-Jahren – „Am Bergedorfer Schiffgraben“.

Dabei schien das Projekt zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Der erste Versuch, die brach liegende Grünfläche in Bauland umzuwidmen, war an der Insolvenz des damaligen Investors gescheitert.

Der Bebauungsplan „Hinter der Molkerei“ ist bereits 2007 aufgestellt worden. Das Verfahren stand dann lange still. Die Geschwindigkeit, mit der das Projekt „dank verlässlicher Partner“, so Stefan Schwenke, im zweiten Anlauf schließlich vorangetrieben wurde, findet der Bürgermeister geradezu „historisch“. Nachdem der Rat im Herbst 2013 grünes Licht für die Bebauung der Fläche durch Warkotz gegeben hatte, vergingen bis zum Abschluss des Verfahrens nur zwei Jahre. Und das, obwohl die Verhandlungen mit insgesamt 19 Grundstückseigentümern sich nicht unkompliziert gestaltet haben dürften.

In dem neuen Quartier könnten alles in allem bis zu 80 Wohneinheiten entstehen. „Es verfügt über modernste Glasfasertechnik. Die Nachfrage ist groß, besonders von jungen Leuten“, berichtet Wolfgang Warkotz. Letztere vor allem seien nachgerückt, nachdem viele Interessenten ihre durch Reservierungen erworbenen Rechte wieder abgetreten hätten.

Der Chef des Projektentwicklungsunternehmens hat vor gut einem Monat mit der Vermarktung begonnen und rechnete damit, dass noch in diesem Jahr etwa ein Drittel der zur Verfügung stehenden Bauplätze beurkundet sein würden. Die ersten Kaufverträge seien in der zweiten Dezemberwoche unterzeichnet worden.

Unter Dach und Fach sind auch die Verträge mit Helmut Memsen vom Lilienthaler Pflegedienst. Seine Gesellschaft wird sich im südwestlichen Bereich des Baugebietes ansiedeln. 4400 Quadratmeter sind dort für seniorengerechtes Wohnen mit mobiler Hauspflegedienstleistung reserviert. „Das Seniorenkonzept beinhaltet 24 Wohneinheiten in zwei Gebäuden, was ein sehr erfreuliches Ergebnis ist“, findet Gesa Wete-

grove, Ratsfrau in der Gemeinde Worpswede. Die auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten älterer Menschen zugeschnittenen Wohnungen werden voraussichtlich in der ersten Bauphase entstehen. In einem zweiten Schritt könnten auch die Voraussetzungen für die Bildung von Pflegewohngemeinschaften geschaffen werden.

Die Sozialdemokratin Wetegrove hatte sich an der Seite des Seniorenbeirats und der Sozialverbände mit großem Engagement und Nachdruck für das Angebot eingesetzt. Nach einer aufwendigen Bürgerbefragung, die den Bedarf ermitteln sollte, und schließlich zähen Verhandlungen mit dem Projektentwickler war für zunächst 3000 Quadratmeter eine soziale Bindung festgeschrieben worden.

Wetegrove hätte sich als weitere soziale Komponente eine wirtschaftliche Förderung gewünscht: „Ansiedlungsanreize für bestimmte Bevölkerungsgruppen.“ Doch dieser guten Absicht habe die schon absehbare Entwicklung der Gemeinde hin zur finanziell klammen „Bedarfskommune“ entgegen gestanden. Freiwillige Leistungen für solche Zwecke wären von der Kontrollbehörde wohl kaum genehmigt worden. Wetegrove („Da waren wir mit dem Projekt etwa fünf Jahre zu spät dran“) hätte sich außerdem eine regenerative Energieversorgung für das Baugebiet gewünscht. Die Diskussion über ein Blockheizkraftwerk oder eine andere Variante von Anlagen mit effizienter und ressourcenschonender Energiegewinnung verlief jedoch im Sande. Dazu Stefan Schwenke: „Diese Überlegungen sind teilweise auch von der Entwicklung überholt worden. Der Trend ging zuletzt dahin, dass sich die Eigentümer selbst um die Versorgung kümmern – bis hin zum Null-Energie-Haus.“

Die Grundstücke sind zwischen 478 und 1100 Quadratmeter groß. Wie Warkotz wissen lässt, beträgt der Quadratmeterpreis für ein erschlossenes Grundstück 123,50 Euro. „Beim Bau entstehen zusätzlich die üblichen Kosten für Wasser, Strom und Gas“, ergänzt der Investor. Die Grundstücke würden vermessen und ohne Inanspruchnahme eines Bauträgers an Interessenten veräußert. Der Käufer könne insofern weitgehend selbst über die Gestaltung der Häuser bestimmen. Vertraglich festgeschrieben ist allerdings eine eingeschossige Bauweise mit einer maximalen Höhe von zehn Metern. Auch Bauträger hätten Interesse an zu vermietendem Wohnraum bekundet. „Das wird den Wohnungsmarkt so richtig in Bewegung bringen“, glaubt der Unternehmer. Die Grundstückserwerber müssen innerhalb von drei Jahren, gerechnet von der Fertigstellung der Baustraße an, die Hochbaumaßnahmen im Rohbau inklusive Dacheindeckung fertiggestellt haben. Warkotz: „Diese verbindliche Frist dient dazu, dass das Bauprojekt in einem angemessenen zeitlichen Rahmen zu Ende geführt werden kann.“

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