Abfall Service Osterholz

Im Restmüll steckt noch viel Bioabfall

Osterholz. Etwa 10 000 Tonnen Restmüll werden jedes Jahr im Osterholz von der Müllabfuhr eingesammelt. Nach Angaben der Abfall Service Osterholz GmbH könnten es gut 20 Prozent weniger sein, wenn in den grauen Tonnen nur das landet, was sich auf anderem Wege nicht entsorgen lässt.
12.08.2010, 16:22
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lutz Rode

Osterholz. Etwa 10 000 Tonnen Restmüll werden jedes Jahr im Osterholz von der Müllabfuhr eingesammelt. Nach Angaben der Abfall Service Osterholz GmbH könnten es gut 20 Prozent weniger sein, wenn in den grauen Tonnen nur das landet, was sich auf anderem Wege nicht entsorgen lässt. Die Gewichtsreduzierung wäre bares Geld wert: Denn jede Tonne Restmüll, die in der Bremer Müllverbrennung landet, muss bezahlt werden. Dafür aufkommen müsse letztlich der Gebührenzahler, sagen ASO-Geschäftsführer Frank Theilen und Kreisdezernent Werner Schauer.

Die Abfall Service Osterholz GmbH hat den Restmüll im Juli stichprobenartig untersuchen lassen. Mitarbeiter des Instituts für Energie- und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen durchforsteten etwa 1,6 Tonnen Restmüll aus dem Kreis Osterholz, die in Pennigbüttel angeliefert wurden und ordneten fein säuberlich alle Bestandteile. Unter anderem fanden sie heraus, dass trotz der zum Jahresbeginn eingeführten Biotonne noch relativ viel organischer Abfall im Restmüll steckt.

Demnach besteht der Feinmüll, der kleiner als 40 Millimeter ist und etwa 36 Prozent des Inhalts ausmacht, zu zwei Dritteln aus organischem Abfall, der eigentlich ein Fall für die Biotonne oder den heimischen Kompost ist. Dabei hätte eine saubere Trennung klare Vorteile für die Nutzer, argumentieren Theilen und Schauer: Zum einen fange es in einer von organischen Abfällen frei gehaltenen Restmülltonne nicht an zu stinken, zum anderen werde Platz gespart, was sich für die Kundschaft wiederum in barer Münze auszahlen könne. 'Dann reicht es in manchen Haushalten, die graue Tonne alle vier Wochen an die Straße zu stellen', rechnen Theilen und Schauer vor.

Während die Gebühren für die Restmülltonne von der Zahl der tatsächlichen Leerungen abhängt, spielt dies bei der Biotonne keine Rolle. Für die Tonne mit dem braunen Deckel ist eine Jahresgebühr fällig, egal, wie oft man das Gefäß an die Straße stellt. Alle 14 Tage wird der Biomüll im Kreis Osterholz abgeholt. Bei der Befüllung dieser Tonnen gibt es aus Sicht der Verantwortlichen übrigens nichts zu meckern: In dem Biomüll sind kaum Bestandteile zu finden, die dort nicht hineingehören, was den Kompostierungsvorgang auf der Anlage der Firma Grube in Sandstedt enorm vereinfacht.

Beim Blick in die Restmülltonne fällt die Bilanz der Abfall-Fachleute weniger positiv aus: So wurde bei der Untersuchung auch festgestellt, dass verstärkt Elektronikschrott in den grauen Gefäßen landet. Der gehört dort aber keinesfalls hinein, betonen die Verantwortlichen und verweisen auf den Umweltschutz und den sorgsamen Umgang mit Rohstoffen, die auf diesem Wege verloren gehen. Elektronikschrott hat wegen der darin möglicherweise enthaltenen Schadstoffe nichts im Restmüll zu suchen, im Übrigen könnte einzelne Bestandteile wiederverwertet werden.

ASO-Geschäftsführer Frank Theilen verweist darauf, dass kleinere Geräte wie Fön, Toaster oder Rasierer nach wie vor am Tag der Restmüllabfuhr einfach auf den Deckel der grauen Tonne gelegt werden können. Der Fahrer sammelt die Geräte dann separat ein. Möglich ist es aber auch, den Elektronikschrott kostenlos im Entsorgungszentrum in Pennigbüttel abzugeben.

Von unnötigem Ballast befreien ließe sich die graue Tonne auch, wenn dort weniger Folien und Verbundmaterialien hineingeworfen werden, sprich Verpackungsmüll, der in den Gelben Sack gehört. Nach den Untersuchungen des Bremer Instituts bestand der Osterholzer Restmüll zu fast 16 Prozent aus diesen Stoffen, die über das Duale System entsorgt werden können. 'Der Bürger hat dafür bereits an der Ladenkasse bezahlt. Entsorgt er diese Folien und Verpackungen über die graue Tonne, bezahlt er über die Müllgebühren ein zweites Mal', rechnet Kreisdezernent Werner Schauer vor.

ASO-Geschäftsführer Frank Theilen weiß, dass die stichprobenartige Untersuchung des Restmülls nicht hundertprozentig repräsentativ ist. Gleichwohl lasse sich daraus ein gewisser Trend ablesen.

Dass die Kreisabfallwirtschaft des Landkreises Osterholz gemeinsam mit der Abfall Service Osterholz GmbH genau guckt, wie die Bürger auf die Anfang des Jahres gestarteten Änderungen des Entsorgungssystems reagieren, hat vor allem finanzielle Gründe. Denn das neue System wurde vor allem eingeführt, um die Kreisabfallwirtschaft aus der Verlustzone herauszubringen, auch mit dem Ziel, die Gebührenbelastung für die Bürger im Rahmen zu halten. 2009, also im Jahr vor der Neuerung, machte die Kreisabfallwirtschaft etwas mehr als eine Million Euro Miese.

Nach dem Wirtschaftsplan für 2010 soll die Kreisabfallwirtschaft einen Überschuss von 440 600 Euro erzielen. Das Geld wird gebraucht, um die Verluste abzubauen, die der Eigenbetrieb seit Jahren vor sich herschiebt. Insgesamt beläuft sich der Verlustvortrag auf 2,93 Millionen Euro. Rechnet man das Eigenkapital dagegen, bleibt immer noch ein Fehlbetrag von 2,14 Millionen Euro. Um die Defizite auszugleichen, macht der Landkreis in diesem Jahr 306000 Euro aus dem allgemeinen Haushalt locker, 2011 sollen es noch einmal 367000 Euro sein. Dieses Geld ist nur ein Vorschuss: Ab 2013 sollen die Beträge aus den erwarteten Gewinnausschüttungen der Abfall Service GmbH zurückgezahlt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+