Alessandro Gari hat Dolomiti übernommen In Worpswede herrscht wieder Eiszeit

Der Geschäftsinhaber wechselt, die Nationalität bleibt: Alessandro Gari, der neue Chef im italienischen Eiscafé Dolomiti will dafür sorgen, dass Eisessen in Worpswede auch zum Winter-Vergnügen wird.
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Von Michael Schön

Der Geschäftsinhaber wechselt, die Nationalität bleibt: Alessandro Gari, der neue Chef im Worpsweder Eiscafé Dolomiti, ist wie sein Vorgänger Lorenzo da Col Italiener.

Er stammt sogar aus der selben Region, aus Venetien. Doch es gibt einen großen Unterschied in den Geschäftsmodellen der beiden Unternehmer: Alessandro Gari will jetzt dafür sorgen, dass Eisessen in Worpswede auch zum Winter-Vergnügen wird.

Alessandro Gari löffelt mit einem versonnenen Lächeln ganz genüsslich an seinem Eisbecher herum. Zimt mit Pflaumenmus und Zartbitter mit Kirsch. Zwei Winterspezialitäten, die der neue Inhaber des Dolomiti in der Worpsweder Hembergstraße anbietet. Denn bei Alessandro Gari ist das ganze Jahr über Eiszeit, lediglich montags macht er frei.

Ein Eiscafé, das im Winter eröffnet? Da sind Fragen nach der Qualität des Timings erlaubt. Doch Franco Gari, der Vater des 24-Jährigen, der wie die Mutter Fiorella im Familienbetrieb mitarbeitet, hat keinen Zweifel daran, dass der Zeitpunkt richtig gewählt ist. „Die Leute möchten auch im Winter Eis essen.“

"Gut angelaufen"

Ende November war Eröffnung, und die bisherige Besucher-Bilanz stellt die aus dem venezianischen Treviso stammenden Italiener zufrieden. „Es ist gut angelaufen“, findet der Papa und verweist darauf, dass er neben den in der kalten Jahreszeit bevorzugten Sorten wie Zimt, Nutella oder Roché auch noch jede Menge anderer Pfeile im Köcher hat, wie Buttermilch mit Granatapfel und Eis mit heißer Schokolade.

„Und es gibt selbst gemachten Glühwein nach italienischem Rezept, Eierpunsch und als besondere Spezialität aus den Dolomiten Eierlikör mit Sahne. Das ist der Renner beim Skifahren in Cortina d’Ampezzo“, schwärmt Franco Gari. Er bietet auch Bio-Teesorten und Trinkschokolade an. „Selbstverständlich ist alles selbst gemacht, und alle Sorten sind außerdem laktosefrei.“

Lehre beim Opa in Kanada

Franco Gari hat früh seinen Vater verloren, der ein Eiscafé in Venedig geführt hatte, eine Koch-Lehre absolviert, um sich gleichzeitig in die Geheimnisse der Speiseeis-Herstellung einweisen zu lassen. Und zwar von seinem Opa, der in Kanada eine Eisdiele eröffnete.

Schließlich hat Franco Gari sein Wissen und Können an Alessandro weitergegeben. Der ging in Treviso zur Schule, machte sein Abitur und studierte Architektur, alles in der festen Absicht, später einmal in Vaters berufliche Fußstapfen zu treten. „Wir sind keine Eiskonditoren, sondern wir lieben Eis“, gibt der Vater das Familien-Credo preis.

Bis 2008 konnten die Garis ihr Eis der zahlungskräftigen Kundschaft in Westerland auf Sylt anbieten. Alessandro war dort einer von 20 Mitarbeitern, dann verkauften sie, nachdem zuvor noch eine Menge Geld investiert worden war.

"Der Stress war zu groß"

„Der Stress war zu groß. Wir hatten von 8 Uhr morgens bis eine Stunde nach Mitternacht geöffnet. Danach haben wir noch lange abgerechnet“, erklärt der Vater, dessen Gesundheit bereits gelitten hatte. Aus diesem Grund habe er jetzt die Verantwortung fürs Geschäft in die Hände des Sohnes übergeben.

Ein wesentlicher Grund dafür, der Insel der Reichen und Schönen den Rücken zu kehren, waren auch die sich negativ entwickelnden Umsätze. „Der Tourismus hat wegen der hohen Kosten für Immobilien und Mieten abgenommen.

Auch die Anfahrt über den Hindenburgdamm ist teurer geworden. Dazu kam die hohe Pacht, die wir zahlen mussten.“ 32 Jahre arbeitete das Ehepaar auf der nordfriesischen Insel, davor in Hude und in Füssen.

Geheimtipp Worpswede

Den Tipp, dass in Worpswede ein Eiscafé zur Disposition stand, bekamen die Garis von einem Vertreter für Eiswaren. Im September waren sie erstmals in Worpswede – und gleich sehr angetan von dem Ort, den sie bis dahin nicht gekannt hatten.

Die Familie hat ein Faible für Kunst. Papa Gari pflegt in den wenigen ihm verbleibenden Mußestunden stereoskopische Bilder aufs Papier zu bringen, und der Sohn hat als Jugendlicher mit der Sprühdose „gemalt“.

Einstweilen gilt die ganze Aufmerksamkeit des Trios jedoch dem Geschäft. Große Veränderungen am Dolomiti vorzunehmen haben sie einstweilen nicht vor. „Nur die Gardinen haben wir abgenommen. Die fand meine Mutter schrecklich altmodisch.“ Ansonsten ist das Interieur ganz nach ihrem Geschmack.

"Nicht zu viel Neues"

Die Terrasse allerdings soll irgendwann noch renoviert werden. „Doch das hat noch Zeit. Erst einmal muss Geld verdient werden. Und außerdem wollen wir die Kunden nicht mit zu vielen Neuerungen schocken“, begründet Alessandro Gari sein vorläufig geringes Interesse an Veränderungen.

Der Jungunternehmer hat übrigens früher Fußball gespielt und ist in den Dolomiten geklettert, im alpinen Stil mit kleiner Seilschaft. Jetzt hält er sich mit Joggen fit. In diesem Zusammenhang interessiert er sich natürlich auch für den Weyerberg. „Aber den muss ich noch suchen.“

Das Eiscafé hat dienstags bis sonntags von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Ab Februar dann, so der Plan, von 11 bis 20 Uhr.

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