„Verborgene Kräfte wecken“: Sigrun Kurz veröffentlicht Buch über Selbsthypnose bei Krebs Innere Bilder helfen Körper und Seele

Mit Hilfe von Hypnose und Selbsthypnose sei es möglich, schneller Schmerzlinderung, Schlaf, Ruhe und Angstfreiheit zu erzielen als mit Hilfe von Medikamenten. Dies betonen Experten. Auch die Borgfelderin Sigrun Kurz ist von der Wirkung überzeugt.
22.10.2014, 00:00
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Innere Bilder helfen Körper und Seele
Von Undine Zeidler

Mit Hilfe von Hypnose und Selbsthypnose sei es möglich, schneller Schmerzlinderung, Schlaf, Ruhe und Angstfreiheit zu erzielen als mit Hilfe von Medikamenten. Dies betonen Experten. Auch die Borgfelderin Sigrun Kurz ist von der Wirkung überzeugt.

Krebs. Die Diagnose ist ein Schock. „Fast immer“, sagt Sigrun Kurz. „Von einem Moment auf den anderen ist das Leben in massiver Gefahr.“ Angst, Panik und Verzweiflung rollen über die Betroffenen hinweg. Sie fallen „in eine Art Problem-Trance“, so die Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin – und setzt genau da mit ihrer Arbeit an. Kurz hilft Krebspatienten mittels Selbsthypnose – einer Trance-Form – aus diesem Tal herauszukommen, mit Ängsten und Schmerzen umzugehen, sich auf Operationen vorzubereiten oder Therapien zu bewältigen. Jetzt hat Sigrun Kurz dazu ein Buch veröffentlicht: „Verborgene Kräfte wecken – Stärkende Selbsthypnose bei Krebs“. Eine Mischung aus prägnanten Erklärungen und praktischen Übungen, anwendbar in vielen Bereichen des Lebens, von schwerer Krankheit bis Erschöpfung.

Hypnose kein Show-Spektakel

„In der Hypnose kann man überhaupt körperliche Vorgänge unterstützen“, erzählt Sigrun Kurz am Ort des Geschehens, in ihrer Praxis. Hier entstanden die Traumreisen – jene bildhaften Anleitungen zur Selbsthypnose, von denen 33 im Buch zu lesen sind und fünf zu hören auf der beiliegenden CD. Sie tragen Titel wie „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr“, „Am Seeufer“ oder „Kraftvoll wie der Löwenzahn“.

Aber was ist Hypnose überhaupt? Jedenfalls nicht das Show-Spektakel aus dem Fernsehen, sagt Kurz schmunzelnd und kehrt zum medizinischen Ernst zurück. Sie beschreibt Hypnose als einen Trance-Zustand, der entspannt ist, aber kein Schlaf. Vielmehr konzentriert sich der Patient auf sein Inneres, während Teile seines Bewusstseins in den Hintergrund treten. Ein Zustand, den jeder kenne, beispielsweise morgens direkt nach dem Aufwachen oder als Tagträumerei bei langweiligen Vorträgen. Auch das Versenken in ein spannendes Buch, Musik oder Träumen vor dem Urlaubskatalog sind für Kurz Trance-Zustände, die einfach passieren. Es sei bewiesen, dass wir uns mit diesen Selbst-Suggestionen ein Stück weit steuerten. Kurz fragte sich, warum man sie nicht auch gezielt einsetzen und darüber das Innere erreichen könnte. Zumal, so Sigrun Kurz, die therapeutische Hypnose ein altbewährtes Mittel sei. Überlieferungen existieren aus dem alten Ägypten und aus dem antiken Griechenland. Im Mittelalter hielt der Arzt Paracelsus „die Vorstellungskraft, die Imagination, für eines der wichtigsten Heilmittel in der Medizin“. Hypnose wirkt nicht nur auf der seelischen Ebene. „Eine Hypnose stärkt immer das Immunsystem und senkt die Stresshormone“, sagt Kurz über die körperliche Ebene.

„Hypnose ist ein mächtiges therapeutisches Mittel, aber sie ist nicht allmächtig“, schreibt Kurz in ihrem Buch. Sie könne Krankheit nicht wegzaubern, aber „sie kann nachweislich helfen, die verschiedenen Behandlungen besser zu vertragen, unsere Ängste zu mindern…die Wundheilung zu verbessern.“ Zuversicht wachse durch Hypnose. Schmerzen und Nebenwirkungen könne sie verringern.

Die Hypnose „Auf Kreuzfahrt“ nutzt Kurz beispielsweise zur Begleitung bei der Chemotherapie. Sie erschafft ein Bild: auf Deck zu sitzen und die frische Luft zu genießen. Ein freundlicher Stewart bringt einen Cocktail. „Und manchmal schaukelt es ein wenig auf dem Schiff…sodass mir beinahe etwas flau werden könnte… atme ich frische Luft… atme gut durch“, heißt es in der Hypnose und später: „Denn so eine Kreuzfahrt bietet die Möglichkeit, …ein Ziel zu erreichen, …ein Ziel, das ich unbedingt erleben will“.

Sigrun Kurz weiß um dieses Ziel namens Leben und: „Durch eine schwere Erkrankung wie Krebs ist das vorher Selbstverständliche plötzlich wertvoll.“ Im Jahr 1999 erkrankte sie an Brustkrebs. Damals sagte sie sich: „Ich will mich wohlfühlen, der Krankheit zum Trotz, ich will meine Lebenszeit nutzen und ein erfülltes Dasein gestalten.“ Sie stellte sich die Frage: „Was muss ich für mich selber tun, damit es für mich stimmig ist?“ und begann die Techniken anzuwenden, die sie zuvor anderen Erkrankten vermittelt hatte. Sie überprüfte ihre Strategien, veränderte Hypnoseanleitungen und fügte neue hinzu. Die positiven Effekte der therapeutischen Trance beschränkten sich nicht auf Krebs, betont Kurz. Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Wechseljahresbeschwerden könnten ebenso davon profitieren.

Alle Anleitungen aus dem Buch können in Eigenregie ohne Vorkenntnisse angewandt werden, schreibt Kurz in der Einleitung. Wie der Leser sich in jene heilsame Vorstellungsweg hinein begeben kann, erfährt er nach einem Überblick über die verschiedenen Trance-Formen im Kapitel „Hypnose in Aktion“. Dort liefert Sigrun Kurz die genauen Anleitungen zum Eintauchen und Zurückkehren. Wie der Nutzer zwischen diesen beiden Schritten die angebotenen Hypnose-Bilder tatsächlich in seinem Inneren zeichnet, hängt einzig von ihm ab. Ein Berg könnte beispielsweise ein kleiner Hügel sein oder der Mont Blanc. Eines zeigt dieses kleine Beispiel obendrein, so Kurz über die therapeutische Hypnose: „Da gibt es eine innere Kontrolle.“

Sigrun Kurz’ „Verborgene Kräfte wecken“ mit CD ist im Junfermann Verlag erschienen und im Buchhandel für 18,90 Euro zu haben.

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