Fall Ayub Atahir: Offener Brief an den Ministerpräsidenten „Integration wird untergraben“

Tarmstedt (es). Die vorläufig verhinderte Abschiebung des in Tarmstedt lebenden Sudanesen Ayub Atahir (wir berichteten) bewegt die Tarmstedter. Weil sie nicht verstehen kann, warum Atahir nach Italien gebracht werden soll, hat die Tarmstedterin Irmtraut Wiegmann einen offenen Brief an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil, Innenminister Boris Pistorius und die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, geschrieben.
12.06.2015, 00:00
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Von Johannes Heeg

Die vorläufig verhinderte Abschiebung des in Tarmstedt lebenden Sudanesen Ayub Atahir (wir berichteten) bewegt die Tarmstedter. Weil sie nicht verstehen kann, warum Atahir nach Italien gebracht werden soll, hat die Tarmstedterin Irmtraut Wiegmann einen offenen Brief an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil, Innenminister Boris Pistorius und die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, geschrieben.

Der Mann lebe seit vier Monaten in Tarmstedt und sei seitdem vom „Freundeskreis Asyl“ betreut worden. Er erhalte Deutschunterricht, werde bei Behörden- und Arztbesuchen begleitet und bekomme Unterstützung in allen erforderlichen Alltagskompetenzen. Dank des Engagements des ehrenamtlich tätigen Freundeskreises könne er sich jetzt in Deutschland gut zurecht finden.

„Es ist für uns unverständlich, dass Menschen, für die wir so viel Engagement aufgebracht haben, nach Italien beziehungsweise Griechenland abgeschoben werden sollen, um sie durch andere Personen aus Italien oder Griechenland zu ersetzen. Wir befürchten, dass sich dieser Fall zukünftig wiederholen wird, weil sehr viele Flüchtlinge mit dem selben Aufenthaltsstatus in unserer Kommune leben“, schreibt Wiegmann.

Alle Ehrenamtlichen beim Freundeskreis Asyl investierten viel Zeit und Energie, um Flüchtlinge vor Ort zu integrieren. Es sei jedoch sehr entmutigend, wenn ein Großteil der Flüchtlinge potenziell wieder ausgewiesen wird und das Engagement keine Früchte trage.

„Wenn Sie möchten, dass sich weiterhin Bürgerinnen und Bürger vor Ort engagieren und qualitativ hochwertige Integrationsarbeit leisten, brauchen wir mehr Kontinuität“, so Wiegmann. Und weiter: „Das Hin- und Herschieben von Flüchtlingen halten wir für verantwortungslos. Das Leid der Flüchtlinge vergrößert sich, es entstehen hohe Kosten, und die geleistete ehrenamtliche Integrationsarbeit wird untergraben. Es ist an der Zeit, diesen Unsinn zu beenden.“

Wiegmanns Forderung: „Rückführungen nach Italien und Griechenland aussetzen und Regelungen schaffen, die das Leid der Flüchtlinge nicht noch verstärken.“

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