Jäger und Landwirte klagen gegen Einschränkung des Gänse-Abschusses / Vockert ruft zu Protest gegen Land auf „Jagdrecht ist ein Eigentumsrecht“

Die Bestände der bei uns rastenden und überwinternden nordischen Gänse haben sich in den vergangenen 30 Jahren stark erholt. An der Nordseeküste, entlang der Elbe und Weser wird der Bestand auf 600 000 Tiere geschätzt. Das löst bei den Landeigentümern, auf deren Flächen die Tiere fressen und verdauen, keine rechte Freude aus. Und seit der Verkürzung der Jagdzeit und ganzjährigen Schonung der der Nonnen-, Saat- und Blessgänse in ausgewiesenen Vogelschutzgebieten rebellieren die Jäger in den betroffenen Gebieten.
10.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Luise Bär

Die Bestände der bei uns rastenden und überwinternden nordischen Gänse haben sich in den vergangenen 30 Jahren stark erholt. An der Nordseeküste, entlang der Elbe und Weser wird der Bestand auf 600 000 Tiere geschätzt. Das löst bei den Landeigentümern, auf deren Flächen die Tiere fressen und verdauen, keine rechte Freude aus. Und seit der Verkürzung der Jagdzeit und ganzjährigen Schonung der der Nonnen-, Saat- und Blessgänse in ausgewiesenen Vogelschutzgebieten rebellieren die Jäger in den betroffenen Gebieten.

Gegen die massiven Einschränkungen durch die Reform der Jagdzeitenverordnung soll gegen das ebenfalls für die Jagd zuständige niedersächsische Landwirtschaftsministerium geklagt werden: dies kündigte der Präsident der Landesjägerschaft und CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke an. Auf Einladung der CDU-Landtagsabgeordneten Astrid Vockert unternahm Dammann-Tamke sowie Vertreter der Jägerschaft aus den Landkreisen Cuxhaven und Osterholz eine Besichtigungstour zu den Vogelraststätten an der Weser und diskutierten über den Wildgans-Bestand und ihre Folgen.

Was eindrucksvoll auf Stationen am Weserdeich bei Aschwarden und auf der Weserinsel Harrier Sand der rund 40 Personen starken Exkursionsgruppe gezeigt werden sollte, blieb am stürmischen Tag und bei Dunkelheit in den frühen Morgenstunden aus. Die Gänse waren – bis auf ein paar Hundert am Himmel – noch nicht aus ihrem Nachtquartier auf der Weser zurück auf den Weiden und Feldern.

Ein paar tausend Tiere seien hier sonst täglich anzutreffen, erklärten die Jäger Christian Trowitzsch und Gerhard Konsek, Revierpächter in Wersabe. Das Wintergetreide auf den Äckern und das Gras der Wiesen sei zum Winterende weggefressen und Kot bedecke den Boden. Auch das Jagdrevier sei ohne ausreichende Gänsejagd nicht mehr die vereinbarte Pacht wert. Um die 200 Gänse seien hier jährlich abgeschossen worden. „40 Stück an einem Morgen, der Hund hatte schon keine Lust mehr, die Gänse zu holen“, erinnert sich Konsek an vergangenes Jagdglück. In diesem Winter hat er bisher sechs Enten geschossen: „Traurig“.

„Jagdrecht ist ein Eigentumsrecht, die Landeigentümer werden geschädigt“, bemängelt auch Dammann-Tamke. Wer das Eigentumsrecht einschränken wolle, müsse dies gut begründen, rechnet er mit guten Erfolgschancen bei der beabsichtigten Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Dass die sich auf einem „hohen Niveau“ befindlichen Gänsebestände nicht gefährdet werden dürften, werde von den Jägern befürwortet.

Der Jagd- Lobbyist wies auf die Niederlande hin, wo zwar ein Gänse-Jagdverbot bestehe, die Gänse jedoch während der Mauser, in der sie flugunfähig sind, eingefangen und getötet werden. In Belgien würden die Gänse mittels Giftspritze getötet. „Diese Methoden sind nicht mit unseren Vorstellungen von Tierschutz zu vereinbaren“, befürchtet Dammann-Tamke ein weiteres Ansteigen der Gänsezahlen und zunehmende Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen.

„Die neuen Jagdzeiten sind nicht in Stein gemeißelt“, forderte Astrid Vockert die Anwesenden zu Unterschriftenlisten und Petitionen an den Landtag auf. „Sie sind nicht machtlos, machen Sie Ihren Unmut kund.“

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