Zwei Jungs – zwei Vereine: Bei Familie Otholt aus Lilienthal ist das heutige Duell Bayern gegen Dortmund Alltag Jeden Tag Finale daheim

Das Endspiel der Champions League steigt heute Abend. In der Londoner Wembley Arena stehen sich Bayern München und Borussia Dortmund gegenüber – das erste rein deutsche Finale in der Königsklasse. Für die Otholts ist das Normalität. Bei ihnen tritt Rot gegen Gelb-Schwarz tagtäglich an. Sohn Max ist BVB-Fan, sein Bruder Lukas hält zu den Bayern.
25.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer

Das Endspiel der Champions League steigt heute Abend. In der Londoner Wembley Arena stehen sich Bayern München und Borussia Dortmund gegenüber – das erste rein deutsche Finale in der Königsklasse. Für die Otholts ist das Normalität. Bei ihnen tritt Rot gegen Gelb-Schwarz tagtäglich an. Sohn Max ist BVB-Fan, sein Bruder Lukas hält zu den Bayern.

Lilienthal. Markus Otholt hat erzieherisch versagt. Und das gleich doppelt, das muss er sich vorwerfen. Immerhin ist der Familienvater nicht nur Werder-Fan, er ist auch selber Fußball-Trainer in Worphausen. Den Weg, den er für seine Söhne vorgezeichnet hatte, war klar. Als Max (7) und Lukas (9) alt genug waren, nahm er sie mit ins Weser-Stadion, kaufte ihnen grün-weiße Schals und dachte, alles gehe schon den geplanten Gang.

Es kam anders, denn Werder spielte wenig überzeugend. Max bemängelte die kämpferische Einstellung, und Lukas wollte schon immer mal wissen, warum die Spieler von Bayern München eigentlich so viele Sterne auf ihren Trikots haben. Als er erfuhr, dass das an den vielen gewonnen deutschen Meisterschaften liegt, war für ihn klar: "Dann bin ich jetzt Bayern-Fan."

Damit blieb er nicht allein: Das fußballerische Herz vieler seiner Freunde schlug genauso. Zur nächsten Geburtstagsfeier kamen gleich fünf Jungs im roten Trikot. Wäre nicht so schlimm gewesen, hätte die Feier nicht ausgerechnet im Weser-Stadion stattgefunden.

Max allerdings ging den Fan-Weg seines Bruders nicht mit. Er fand Mario Götze klasse und wurde Dortmund-Anhänger. Das wird er auch bleiben, selbst wenn sein Idol nächste Saison ausgerechnet nach München wechselt. Wie schrieb schon Nick Hornby in seinem Buch "Fever Pitch"? "Seinen Fußballverein sucht man sich nicht aus, er wird einem gegeben."

Ärger ist programmiert

So sitzen bei Familie Otholt in Mooringen also tagtäglich die beiden erfolgreichsten deutschen Fußball-Vereine der vergangenen Jahre am Esstisch – in nicht nur liebevoller Rivalität vereint. Max in gelb-schwarzer Kluft, Lukas von Kopf bis Fuß im Bayern-Dress. Obwohl nicht ganz – bei den Fußballschuhen muss etwas schief gelaufen sein: Die von Lukas sind gelb, die von Max rot.

Doch nicht nur daheim ist täglich Finale. Bis vor Kurzem spielten die beiden Brüder selber beim TSV Worphausen in einer Mannschaft. Das ging auf dem Platz ganz gut, erinnert sich ihr Trainervater, aber spätestens im Auto auf der Heimfahrt flammte die alltägliche Auseinandersetzung wieder auf. Inzwischen kickt nur noch Max bei Worphausen in der U9, Lukas spielt für den SV Lilienthal-Falkenberg in der U10.

Schwierig sind auch die Bundesliga-Spieltage vor dem heimischen Fernseher mit Pay-TV-Receiver. Der Vater will Werder sehen, welche Spiele seine Jungs gucken wollen, ist ja klar. Nur in einem sind sich die drei einig: Die Konferenz mit Ausschnitten aus allen Spielen zu gucken – das geht gar nicht. Ist die Ansetzung des Spieltages ungünstig, wird eben zwischen drei Partien hin- und hergezappt. Der Ärger ist programmiert, die Söhne kritisieren harsch, dass ihr Vater "immer ewig" brauche, bis er wieder umschalte. Der Gescholtene grinst nur und schweigt ansonsten zu diesem Vorwurf.

Wie das Spiel heute Abend ausgeht, darüber herrscht selbstverständlich ebenfalls Uneinigkeit: Lukas tippt 3:1 für die Bayern, Max meint, dass Dortmund im Elfmeterschießen gewinnt. Immerhin hätten die Süddeutschen ja im vergangenen Jahr das Finale auch vergeigt, glaubt er einen Vorteil für sein Team ausgemacht zu haben. Vater Markus befürchtet, Bayern gewinnt, würde aber eigentlich lieber Dortmund als Sieger sehen.

Und was sagt die Mutter dazu? Wenig. Sonja Otholt besteht nur entschieden darauf, dass die Jungs "das" nicht von ihr haben. Ansonsten ist ihr Fußball herzlich egal, sie schmust lieber mit Pizarro. So heißt der flauschige Maine-Coon-Kater der Familie. Bei seiner "Taufe" konnte ja keiner ahnen, dass der Namenspatron irgendwann wieder zu Bayern geht.

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