Aktionstag "Lokale Bündnisse für Familie" Jetzt gehtʼs auf die Straße

Rund 150 Eltern und Kinder demonstrieren vor dem Lilienthaler Rathaus für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Abschließend überreichen sie dem Bürgermeister noch ein Geschenk.
15.05.2018, 18:49
Lesedauer: 2 Min
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Jetzt gehtʼs auf die Straße
Von Helge Hommers

Lilienthal. Wiebke Hammermann ergreift das Mikrofon. Sie dankt den Eltern und Kindern, dass sie vor das Lilienthaler Rathaus gekommen sind, und kündigt zwei weitere Redner an. Dann hebt sie die Stimme: "Und wir würden uns freuen, wenn wir den Bürgermeister hier bei uns begrüßen dürften!", tönt es aus den Boxen. Es wird geklatscht, in Trillerpfeifen geblasen, gejohlt – und der Aufruf zeigt Wirkung, denn kurz darauf tritt Lilienthals Bürgermeister Kristian W. Tangermann (CDU) nach draußen.

Rund 150 Menschen haben sich am Dienstagnachmittag in Lilienthals Ortskern in der Bahnhofstraße zusammengefunden, um mit dem "Demozug Kita und Schule" zum Rathaus zu marschieren. Anlass für die Demonstration ist der bundesweite Aktionstag "Lokale Bündnisse für Familie". Die Teilnehmer wollen so auf die aus ihrer Sicht missliche Lage in den hiesigen Kindertagesstätten und Schulen aufmerksam machen. Die Betreuungssituation sei prekär, schreiben die Veranstalter in der Ankündigung, gerade für Alleinerziehende. Zudem werde den Kindern die Chance auf gute Bildung genommen. Die Protestierenden fordern daher von der Gemeinde bessere Bedingungen, damit eine Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben gewährleistet wird.

Hammermann gehört zu den Organisatoren der Aktion. Sie ist Vorstandsmitglied des Gemeindeelternrats und hat eine zweijährige Tochter, für die sie nur mit Mühe und Not einen Krippenplatz bekommen hat. Erst nachdem sie mit einer Klage drohte, verwandelte sich die Absage in eine Zusage. Die 35-Jährige ist beratendes Mitglied im Ausschuss für Bildung und Kultur und hat wiederholt auf die Probleme hingewiesen. Sie beschlich jedoch das Gefühl, dort mit ihren Sorgen nicht wirklich ernst genommen zu werden. "Daher gehen wir jetzt auf die Straße", sagt Hammermann.

Der Demonstrationszug setzt sich nur langsam in Bewegung. Manche Kinder halten sich wegen des Lärms die Ohren zu, einige Eltern schieben einen Kinderwagen vor sich her. Andere strecken Schilder hoch, auf denen "Kinder sind kein Luxus, Kinder sind die Zukunft" und "Wir sind es wert" geschrieben steht. Ein Streifenwagen und ein Mannschaftswagen der Polizei begleiten die Demonstrierenden. Anwohner schauen aus ihren Fenstern, während der Verkehr auf der Hauptstraße ins Stocken gerät.

Auch Meike Artmann gehört zu den Demonstrierenden. Die 34-Jährige sitzt seit 2016 für die Grünen im Gemeinderat und engagiert sich ehrenamtlich im lokalen Elternbündnis Familienthaler. "Die aktuelle Situation ist für viele Familien sehr belastend", sagt Artmann, wovon sie sich nicht ausnimmt: Ihre Tochter geht in Bremen zur Schule, weil es in Lilienthal keinen freien Platz mehr gab, für ihre andere Tochter hat sie keinen Krippenplatz bekommen, obwohl ihr der dem Gesetz nach zusteht.

Nachdem die Demonstranten ihren Bürgermeister begrüßen durften, berichten eine Mutter und ein Vater von ihren Problemen, einen Betreuungsplatz zu finden. Als sie enden, applaudiert Tangermann. Dann erhält er das Mikro. Er dankt den Anwesenden für ihr Engagement und betont, dass er ihr fehlendes Verständnis für die Situation nachvollziehen könne. "Manche Dinge dauern eben länger", sagt er und verspricht, sich zu bemühen, die benötigten Räume sowie Erzieherinnen und Erzieher zu finden. Danach erhält er ein Geschenk: Hammermann überreicht ihm eine Ausgabe des Sozialgesetzbuches und einen Bilderrahmen mit einer Kopie des Paragrafen, der das Recht auf Kinderbetreuung garantiert.

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