Jugendberufsagentur Berater kommen Schülern entgegen

Erst eins, dann drei, bald zehn: DIe Büros der Jugendberufsagentur Osterholz expandieren in die Fläche. In jeder weiterführenden Schule im Kreisgebiet soll es nach den Herbstferien ein JBA-Sprechzimmer geben.
15.10.2021, 17:00
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Berater kommen Schülern entgegen
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Am Ende der Veranstaltung im BBS-Forum wartete ein Abendbüfett und es wurde richtig feierlich: Mit der symbolischen Türschild-Übergabe an die Schulleitungen expandiert die Jugendberufsagentur Landkreis Osterholz (JBA) jetzt in die Fläche. Aus Sicht der Beteiligten ein überfälliger Schritt, um Angebote zur Berufsorientierung fester an den Schulen vor Ort zu verankern. Nach dreijähriger Vorlaufzeit im BBS-Gebäude gehen der Landkreis, die Kommunen und die Bundesagentur für Arbeit damit einen wichtigen Schritt auf die Schülerinnen und Schüler zu, so Landrat Bernd Lütjen in seiner Ansprache. Zusammen mit den Kollegien vor Ort soll nach den Herbstferien an jeder weiterführenden Schule des Kreisgebiets mindestens ein Sprechtag pro Woche organisiert werden.

Nach Eröffnung der Keimzelle im Berufsschulgebäude, die eher einer Baustelle glich, hatten die KGS Hambergen und die IGS Lilienthal mit einem zweijährigen Modellversuch bereits gute Erfahrungen gemacht, unterstrichen die Leiterinnen Gitta Brede und Karina Kögel-Renken. JBA-Neuland betreten unterdessen die übrigen Partnerschulen. Dies sind neben den Gymnasien Osterholz-Scharmbeck, Ritterhude und Lilienthal die Haupt- und Realschule Ritterhude, die IGS Osterholz-Scharmbeck, die KGS Schwanewede und das Lernhaus im Campus.

Eine Adresse, viele Helfer

Vorbereitung auf Beruf oder Studium stehen dort zwar auch heute schon auf dem Stundenplan; bei individuellen Fragen und persönlichen Problemen jedoch mussten Ratsuchende von sich aus ein Türchen weitergehen und den Weg zu Arbeitsagentur, Jobcenter, Bildungsbegleitern, Jugendamt oder anderen Stellen finden. Das JBA-Team um Koordinator Stephan Orendi bündelt die Kompetenzen der beteiligten Partner und nimmt die jungen Menschen an die Hand.

Um die Hemmschwelle niedrig zu halten, habe man das Angebot in den Schulen und nicht in den Rathäusern angesiedelt, erklärte der Landrat. Lütjen sprach von einem "Meilenstein, auf den wir stolz sein können." Die Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit werde durch die Anwesenheit ihres Bremer Geschäftsführers Armin Zubrägel unterstrichen. Die gemeinsame Jugendberufsagentur, so Lütjen, solle "die Zukunftschancen der jungen Menschen verbessern" und all "diejenigen erreichen, die Probleme haben". Seit der Corona-Pandemie gibt es da aus Sicht vieler Pädagogen einen ganz besonderen Unterstützungsbedarf.

Bedarf wird online erfragt

Zum Portfolio der Rundum-Beratung zählen Coachings und Bewerbungstrainings, Praktikums- und Lehrstellenvermittlung sowie die Zusage, am Ball zu bleiben, bis eine Lösung gefunden ist, sei es Job oder Lehre, Studienplatz oder Überbrückungsmöglichkeit. Alljährlich gibt es eine Online-Umfrage "Mein Schul- und Berufsweg", an der alle Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge vor Beginn ihres möglicherweise letzten Schuljahrs teilnehmen. Bei Bedarf sollen auch thematische Elternabende oder Gruppentrainings möglich sein.

Die Schulen ihrerseits bilden mit Lehrkräften und Agentur-Vertretern sogenannte BO-Teams, um das Angebot inhaltlich und organisatorisch in den Schulalltag zu integrieren. Die zuständigen Lehrkräfte der Pilotschulen, Dörte Direnga (Lilienthal) und Rainer Kampel (Hambergen), schilderten Anlaufschwierigkeiten und Praxis-Erfolge, nachdem Termine koordiniert und Räume gefunden worden waren. Inzwischen sei es normal, dass jeder Schüler einmal einen JBA-Termin hat, so Direnga. Kampel nickte, das Angebot sei umfangreicher und nachhaltiger als die monatliche Sprechstunde eines Berufsberaters von außerhalb.

Keine Lösung von der Stange

"Jede Schule ist anders", hieß es seitens der Schulleitungen gleich mehrfach. Es sei wichtig und lobenswert, dass maßgeschneiderte Lösungen möglich sind, die an den Schulen selbst erst noch entwickelt werden.  Darum wird es Anfang November nun zunächst ein Briefing mit allen BO-Lehrern der teilnehmenden Schulen geben. Anschließend werde es hoffentlich dann auch möglich sein, das Angebot in die Kalender der Lernplattform Iserv einzubauen, um damit den Weg zum JBA-Büro vor Ort weiter zu verkürzen.

Markus Stöckl, Leiter des Bildungsmanagements auf Kreisebene, ließ gegenüber unserer Zeitung durchblicken, die Verwaltung gehe mit der dezentralen Lösung "personell ans Limit". Das Angebot werde aber kontinuierlich mit der Nachfrage abgeglichen und notfalls angepasst. Mögliche Synergien sollen zudem die Budgets der Schulträger schonen helfen. Stephan Orendi empfahl, eine gewisse Aufenthaltsqualität solle in den JBA-Büros angestrebt werden, indem das Sprechzimmer möglichst auch über einen Schüler-PC und ein Sofa verfügt.

Werbematerial mitgeliefert

Um das Angebot bei Schülern, Eltern und Lehrern noch bekannter zu machen, wurden zudem Banner, Wegweiser und Plakate konzipiert. Die teils bebilderten Claims der Kampagne markieren die Phasen einer nicht selten stressigen Findungsphase, so JBA-Projektleiter Orendi: Zuwendung, Empowerment und Entspannung. Sie reichen von "Noch keine Idee, wie es nach der Schule weitergeht? Wir beraten dich." und "Du bist auf dem Weg ins Berufsleben - Wir unterstützen dich." über "Finde heraus, welche Ausbildung am besten zu dir passt." bis hin zu "Volle Power für deinen Start in Ausbildung und Studium."  oder "Der Moment, wenn du entspannt in die Zukunft blickst.".

Zur Sache

Der Weg zu JBA

Angesiedelt ist die Zentrale der Jugendberufsagentur in Raum 051 der Berufsbildenden Schulen, Am Osterholze 2. Ihr Angebot richtet sich an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Landkreis unter 26. Besuchstermine müssen momentan zunächst vereinbart werden. Telefonisch erreichbar ist die JBA derzeit montags, dienstags und donnerstags in der Zeit von 9 bis 13 Uhr unter der Rufnummer 0 47 91 / 9 30 22 40. Die Mail-Adresse lautet jba@landkreis-osterholz.de, der Internet-Auftritt ist unter ww­w.jba-oh­z.de zu finden.

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