Ritterhuder erinnern mit Kranzniederlegung an die Reichspogromnacht / Zeitzeugin kommt Dienstag Junge Generation bleibt Gedenkstunde fern

Ritterhude. Obwohl man in Ritterhude seit mehr als 20 Jahren am 9. November der Reichspogromnacht und ihrer Folgen gedenkt - und seit fünf Jahren auch Schüler des Gymnasiums an der Gestaltung dieser traditionellen Gedenkveranstaltung beteiligt sind - fand die diesjährige Gedenkstunde kaum ein Echo in der jüngeren Generation: Nur drei Schüler nahmen teil.
12.11.2010, 05:00
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Von ilse okken

Ritterhude. Obwohl man in Ritterhude seit mehr als 20 Jahren am 9. November der Reichspogromnacht und ihrer Folgen gedenkt - und seit fünf Jahren auch Schüler des Gymnasiums an der Gestaltung dieser traditionellen Gedenkveranstaltung beteiligt sind - fand die diesjährige Gedenkstunde kaum ein Echo in der jüngeren Generation: Nur drei Schüler nahmen teil.

Pastor Enno Kückens, Bürgermeisterin Susanne Geils und Schulleiterin Gertrud Milthaler hatten gemeinsam zu einer Andacht mit Kranzniederlegung und anschließender Gedenkstunde eingeladen. Als Abschluss wurde in der Aula der Riesschule der Film 'Hitlerjunge Salomon' (Originaltitel: Europa, Europa) von Agnieszka Holland gezeigt.

Mit Kranzniederlegungen an den Gedenksteinen neben der Johanniskirche und dem Rathaus gedachten rund 30 Amtsträger aus den Reihen des Gemeinderates, der evangelischen Kirche, der Schulen und der Kyffhäuserkameradschaft der Ereignisse vom 9. November 1938. Pastor Enno Kückens zitierte den Psalm 85, Bürgermeisterin Susanne Geils legte im Namen der Gemeinde Kränze mit der Inschrift 'erinnern, lernen, handeln' nieder. In der Aula der Riesschule mahnte sie, das Geschehene nicht zu vergessen und für die Zukunft zu bewahren. Damals wie heute fehle es vielen Menschen an Zivilcourage, wenn andere diffamiert oder tätlich angegriffen würden, sagte sie, und verwies auf Artikel 1 des Grundgesetzes.

Das regionalgeschichtliche Wissen sei in den Ritterhuder Schulen nicht sehr stark ausgeprägt, kritisierte Reinhard Egge vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er fragte: 'Wie wollen wir in Zukunft mit den Gedenktagen umgehen?' Im Jahr 2014 werde an den dann 100 Jahre zurückliegenden Ausbruch des Ersten Weltkriegs erinnert. Bis dahin solle eine Lösung gefunden sein, die den 9. November und den Volkstrauertag in Verbindung bringe.

Egge stimmte die Zuhörer auf den 1990 entstandenen Film 'Hitlerjunge Salomon' ein. Das Werk geht zurück auf die Autobiografie des Juden Sally Perel, der den Nationalsozialismus in der Hitlerjugend überlebte und später nach Israel auswanderte. Ursprünglich sollte der heute 85-jährige Perel in der kommenden Woche als Zeitzeuge in Ritterhude zu Gast sein. An seiner Stelle wird nun Zippora Feiblowitsch aus Haifa berichten. Sie überlebte Auschwitz, Mauthausen, ein Arbeitslager und einen Todesmarsch. Als 20-Jährige wanderte sie 1947 nach Palästina aus.

Dass nur drei Jugendliche anwesend waren, kommentierte der Gymnasiast Maximilian Zoll nach dem Ende der Filmvorführung mit einem Bedauern: 'Das hängt mit der Erinnerungskultur in Ritterhude zusammen. Die erreicht die Schüler nicht.'

Unter dem Titel ' Wie erinnern wir und wozu?' findet in der kommenden Woche ein Zeitzeugengespräch mit Zippora Feiblowitsch aus Haifa/Israel statt. Termin: Dienstag, 16. November um 19.30 Uhr im Ritterhuder Rathaus.

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