Osterholz-Scharmbeck

Junglandwirte entwickeln Zukunftsstrategien

Landkreis Osterholz. Landwirte jammern gern - wer dieses Vorurteil mit sich herumtrug, konnte sich am Dienstag in Osterholz-Scharmbeck eines Besseren belehren lassen. Beim Junglandwirtetag 2010 ging es Strategien, wie die Landwirte ihre Zukunft sichern können.
24.02.2010, 08:00
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Von Lutz Rode
Junglandwirte entwickeln Zukunftsstrategien

Die Organisatoren und Referenten des Junglandwirtetages in der Stadthalle (von links) Hendrik Lübben, Holger Thiele, Dir

Rode

Landkreis Osterholz. Landwirte jammern gern - wer bislang dieses Vorurteil mit sich herumtrug, konnte sich am Dienstag in der Stadthalle von Osterholz-Scharmbeck eines Besseren belehren lassen. Worte des Klagens waren beim Junglandwirtetag 2010 nicht zu hören - eher ging es um handfeste Strategien, wie die Landwirte ihre Zukunft sichern können. Eine wichtige Rolle spielen dabei Kenntnisse über den weltweiten Markt für Milch, Fleisch und die Möglichkeiten der Vermarktung. Dieses Wissen zu vermitteln, war ein zentrales Ziel der Veranstaltung mit etwa 400 Teilnehmern - überwiegend Schüler verschiedener Berufsbildenden Schulen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Junger Landwirte hatte den Landwirtetag unter dem Motto 'Weiter Denken' auf die Beine gestellt. Deren Vorsitzender Heino Klindworth plädiert dafür, dass die Landwirte mehr Verantwortung übernehmen müssen für die Vermarktung ihrer Produkte in den genossenschaftlich organisierten Betrieben. 'Wenn sich die Zeiten ändern, dann dürfen wir nicht staunend daneben stehen und schimpfen. Wir müssen uns den Gegebenheiten anpassen', sagte Klindworth. In den Unternehmen müssten Landwirte mit Durchblick sitzen. Man brauche die besten Köpfe, die für diesen 'Full-Time-Job' auch entsprechend bezahlt werden müssten.

Leute mit Durchblick hatten die Junglandwirte auch als Referenten nach Osterholz-Scharmbeck eingeladen. Florian Bauer von der Privatmolkerei J. Bauer im Allgäu hatte kurzfristig abgesagt, doch es gab Ersatz. So brachte Dr. Holger D. Thiele vom Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft in Kiel den Nachwuchslandwirten näher, wie der Milchpreis zustande kommt und je nach Verwendungszweck variiert. Molkereien, die schwerpunktmäßig Käse herstellen, zahlen demnach derzeit zwischen 27 bis 28,5 Cent pro Kilogramm Milch. Thiel geht davon aus, dass der Preistrend für Milch langfristig nach oben zeigt: Die Nachfrage auf dem internationalen Märkten steige, während nicht mehr Milch erzeugt werde. Im Vergleich zum Vorjahr sei das neue Jahr schon sehr viel besser für die Landwirte gestartet - daher könne man für 2010 für die weitere Preisentwicklung durchaus optimistisch sein.

Was es heißt, eine Marke zu kreieren und damit auf dem Markt zu bestehen, dazu lieferte Marketingfachmann Dirk Zimmermann nähere Einblicke. Anhand verschiedener Beispiele machte der Referent deutlich, wie sich Molkereien mit ihren Produkten positionieren. 'Die Molkereien sind immer weniger geworden, doch die Werbeaufwendungen haben sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt', sagte Zimmermann. Dem Aufwand stehen laut Zimmermann höhere Endverbraucherpreise gegenüber, die ein Unternehmen für seine Markenprodukte erzielen kann. Zimmermann hält es für die richtige Strategie von Molkereien, zweigleisig zu fahren und sowohl Handelsmarken-Produkte herzustellen als auch auf echte Markenerzeugnisse zu setzen. 'Handelsmarken sind die Mengensicherung, Marken sind der Profit', lautete sein Fazit.

Dr. Heinz Schweer von der Vion GmbH referierte schließlich über die Fleischvermarktung auf globalen Märkten und ging auf die Frage ein, wie die deutsche Landwirtschaft davon profitiert. Für die Junglandwirte ist der Vion-Konzern vor allem interessant, weil er fest in Bauernhand ist - Eigentümer sind die 18000 Mitglieder des südholländischen Bauernverbandes.

Schweer stellte gleich zu Beginn klar, dass das Unternehmen nicht genossenschaftlich organisiert sei. 'Wir müssen wie ein börsenorientiertes Unternehmen Geld verdienen. Mit diesem Geld müssen Perspektiven für die Landwirte geschaffen werden', sagte Schweer. Bei der Schweinefleichvermarktung hat das Unternehmen längst den Weltmarkt im Blick - die Nachfrage in Deutschland habe nachgelassen, weltweit aber befinde sie sich auf Wachstumskurs. 'Die deutsche Schweineproduktion braucht ein global agierendes Fleischunternehmen, wenn sie weiter wachsen will', stellte Schweer klar.

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