Café im Torfschiffswerft-Museum

Kaffee und Kuchen sollen Besucher locken

Der Heimatverein Schlußdorf bricht mit seinem Torfschiffswerft-Museum zu neuen Ufern auf. Ein kleines Café gleich nebenan soll dabei helfen, den Besucherrückgang zu stoppen. Eröffnung ist am 22. März.
11.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Schön

Der Heimatverein Schlußdorf bricht mit seinem Torfschiffswerft-Museum zu neuen Ufern auf. Ein kleines Café mit Platz für gut 20 Gäste gleich nebenan im östlichen Teil des alten Fachwerkgebäudes soll dabei helfen, den Besucherrückgang zu stoppen. Eröffnung ist am 22. März. Die Museumssaison hat bereits am ersten Wochenende des Monats begonnen.

Ob der Kuchen denn ein selbst gebackener sein wird? So eine törichte Frage kann bei Sonja Melingkat nur helle Empörung hervorrufen. Natürlich gehören zu einem Café, in dem Besucher eines Torfschiffswerft-Museums einkehren, von Hand gefertigte Backwaren. Denn die Vorfahren, die in den alten Fachwerkmauern einst produziert hatten, waren ja Handwerker, die mit einfachsten Mitteln Wasserfahrzeuge von hoher Qualität gefertigt hatten. Selbst backen ist da also Ehrensache. Sonja Melingkat, die mit zwei anderen Frauen in dem neuen gastronomischen Betrieb servieren wird, möchte unter anderem ihre geschätzten Donauwellen anbieten. Passt ja auch zu einem Ort, der einst große Bedeutung für die Schifffahrt im Teufelsmoor hatte. Oder vielleicht doch nicht ganz. „Vielleicht werden es ja auch Hammewellen sein“, überlegt sie.

In früherer Hausmeister-Wohnung

Das Café, das am 22. März eröffnet, wird in den Räumen der früheren Wohnung des Hausmeisters betrieben. „Da er in seine süddeutsche Heimat zurückgekehrt ist, hätten wir sowieso renovieren müssen, um es weitervermieten oder verpachten zu können“, erklärt Karl-Heinz Melingkat, Vater der Café-Geschäftsführerin und Vorsitzender des Heimatvereins. Also entschied man sich dafür, aus der Not eine Tugend zu machen und das Museum mit dem bisher fehlenden gastronomischen Angebot auszustatten. „Wir bekommen häufig Anfragen von Menschen, die sich die Werft ansehen wollten. Und ganz oft kommt dann gleich die Erkundigung nach einer Restauration“, berichtet Karl-Heinz Melingkat. Mit dem Café, so hofft er, werde sich die Attraktivität des Museums wieder erhöhen, nachdem der Besucherzuspruch zuletzt nachgelassen hatte.

In besseren Jahren kamen über 2000 Besucher pro anno. Zuletzt sank der Schnitt auf 1000 jährlich. Seit der Eröffnung 1977 wurden über 110 000 Menschen gezählt, die die Geburtsstätte der Kähne sehen wollten, die mit ihren dunkelbraunen Segeln so etwas wie das Wahrzeichen der Teufelsmoor-Region darstellen.

Das Museum hat sich damit zweifellos einen Platz in der ersten Reihe der touristischen Angebote Worpswede gesichert. Es liegt, umgeben von alten Eichen, nur ein kurzes Stück von der Schlußdorfer Straße entfernt und lädt besonders im Sommer zum Verweilen ein. Ein Ort zum Krafttanken und Entspannen. Die Zeit scheint dort stehen geblieben zu sein. Als Blickfang vor dem großen Fachwerkgebäude dient ein aus dem Jahr 1890 stammender Halbhuntkahn – die englische Maßeinheit Hunt steht für ein Volumen von 50 Körben Backtorf oder sechs Kubikmeter. Ein reetgedeckter Schauer beschirmt das Fahrzeug.

Die Werft selbst ist gerade so groß, dass ein annähernd zehn Meter langer Kahn dort Platz fand. Jetzt liegt dort eine kleinere Variante, ein halb fertiger Entenjäger, auf dem Helgen, dem Schiffsbauplatz. Drumherum findet sich jede Menge Zubehör – wie das Schwert, das beim Segeln zum Stabilisieren des kiellosen Schiffes verwendet wurde. Außerdem Bohrmaschinen, Schleifsteine und Sägen verschiedenster Art sowie allerlei Werkzeuge für die Holzbearbeitung. Sie vermitteln einen Eindruck davon, mit welch einfachen Mitteln diese Wasserfahrzeuge gebaut wurden, die für das Leben, wohl sogar für das Überleben der Kolonisten unentbehrlich waren.

600 Kähne vom Stapel gelassen

Rund 600 Kähne wurden in der von Cord-Hinrich Grotheer gegründeten Schlußdorfer Werft von 1850 an vom Stapel gelassen. das letzte 1954. Zum Werftmuseum gehören auch andere Reminiszenzen an die entbehrungsreiche Zeit der Menschen, die auf Hamme, Wümme, Wörpe und Lesum und den Schiffgräben auf verschiedene Weisen unterwegs waren, segelnd, stakend und treidelnd. In dem Raum neben dem Fertigungshalle findet sich ein kleiner Blechherd, auf dem die mitgebrachte Suppe aufgewärmt wurde, denn die Tour nach Vegesack dauerte zwei Tage, genau so lange wie die 28 Kilometer bis zum großen Umschlagplatz Bremen-Findorff beanspruchten. Ferner sind ein Butterfass und das Werkzeug eines Holzschuhmachers ausgestellt. Außerhalb des Gebäudes gibt es neben dem Halbhuntkahn mit Steinbackofen, Klappstau, Ziehbrunnen, Bienenstock und einer mit Torf beladenen Lore weitere Sehenswürdigkeiten.

Mit Torf wurde in einigen Moordörfern noch bis in die späten 1960er-Jahre geheizt. Doch ein bedeutender Exportartikel war der Brennstoff aus dem Moor schon lange nicht mehr. Außerdem war das Teufelsmoor inzwischen nicht mehr nur durch Wasserstraßen erschlossen.

So sehr das Museum als Worpsweder „Kleinod“ geschätzt wird, so ist doch eine gewisse Sättigung des Interesses schwer vermeidbar. Denn im Gegensatz zu den großen Museen im Worpsweder Ortskern, in denen es mit dem Wechsel der Ausstellungen immer wieder Neues zu entdecken gibt, sind die Exponate in Schlussdorf fast durch die Bank stets dieselben. Umso größer die Notwendigkeit für den Heimatverein, das Angebot mit einem eigenen „Masterplan“ den gestiegenen Ansprüchen anzupassen.

Reetdach muss ersetzt werden

Karl-Heinz Melingkat, der vor einem Jahr in einer schwierigen Situation – für den im Alter von über 80 Jahren nicht mehr kandidierenden Dieter Hornig fand sich zunächst kein Nachfolger – vom Posten des zweiten Vorsitzenden auf den Chefsessel rückte, hat neben dem Café noch weitere Neuerungen initiiert. Küche und Sanitäranlagen sind brandneu. Der Eingangsbereich erhielt eine Klinkerpflasterung, bei Rhododendren und Eichen legte der Gärtner Hand an, und Kaffee und Kuchen sollen bei schönem Wetter auf der noch zu errichtenden Südterrasse serviert werden.

Ein größeres Projekt, das noch in Angriff genommen werden muss, stellt das Reetdach des Schauers über dem Halbhuntkahn dar. Melingkat: „Es ist marode und muss ausgetauscht werden.“ Als Kosten werden über 10 000 Euro veranschlagt.

Sonja Melingkat, die zusammen mit Horst Flömer und Siegfried Fest auch die Museums-Führungen übernehmen wird, was bisher dem Hausmeister oblag, will der Schlußdorfer Erinnerungsstätte „mehr Leben“ einhauchen. Das Backofenfest im Juli ist bereits institutionalisiert. Nun will sie mit dem Heimatverein erstmals zum Ostereiersuchen einladen und einmal im Monat ein Frühstück anbieten. „Wenn es gut angenommen wird, dann halt auch öfter.“

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