Appelner Arbeitskreis will dezentrale Entsorgung nicht vorschnell aufgeben Kanal: Saubere Sache oder Kostenfalle?

Die Ortschaft Appeln ist bisher nicht an das zentrale Klärwerk in Beverstedt-Adelstedt angeschlossen. Das Schmutzwasser der rund 400 Einwohner wird in eigenen Kleinkläranlagen gereinigt. Viele Bürger wünschen sich, dass dies auch so bleibt.
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Von Luise Bär

Die Ortschaft Appeln ist bisher nicht an das zentrale Klärwerk in Beverstedt-Adelstedt angeschlossen. Das Schmutzwasser der rund 400 Einwohner wird in eigenen Kleinkläranlagen gereinigt. Viele Bürger wünschen sich, dass dies auch so bleibt. Dazu müssen allerdings alternative Methoden entwickelt werden, wie das geklärte Abwasser anschließend abgeführt oder weiter verwendet wird. Im lehmigen Appelner Unterboden kann es nicht versickern und eine Einleitung in das nahe gelegene Fließgewässer Lune wurde mittlerweile vom Landkreis untersagt, weil stark fischgiftiges Nitrit gemessen wurde.

„Wir wollen die Verantwortung für unser Abwasser auch weiterhin selber übernehmen“, bekräftigen Margot Wetjen-Holling, Jürgen Seevers und Klaus Wetjen vom Arbeitskreis Abwasser (AKA) Appeln. Seit in Politik und Verwaltung über einen Kanalanschluss als angeblich sinnvollste Lösung diskutiert wird, haben sich viele Appelner zusammengeschlossen. Sie drängen darauf, dass zunächst weitere Alternativen untersucht werden. Sie wollen verhindern, dass die Variante Kanal-Anschluss eine Eigendynamik entwickelt. Statt Kanal und langer Leitung propagieren sie eine Abwasserreinigung vor Ort.

Bisher gingen die Appelner Einwohner davon aus, dass sie in ihren circa 140 genehmigten und kontrollierten Kleinkläranlagen (KKA) das häusliche Abwasser ausreichend reinigen, sodass es problemlos über zwei Gräben in das Fließgewässer Lune geleitet werden kann. Seit einer Gewässeruntersuchung in einem der Einleitungsgräben, dem Dorfgraben, steht seit einem Jahr nun allerdings fest, dass die Stickstoff-/Nitritwerte zu hoch sind. Als Ursache wurde der Zufluss aus dem Regenwasserkanal festgestellt, an den viele Appelner ihren KKA-Überlauf angeschlossen haben, bevor das Rohr dann im Dorfgraben mündet.

Der Landkreis setzte zwischenzeitlich mit einem Damm den Graben dicht und untersagte der Gemeinde die Regenwassereinleitung (wir berichteten). Seither wird das anfallende Wasser abgepumpt und mit Tankwagen zur Reinigung in die zentrale Kläranlage in Beverstedt transportiert. Eine Dauerlösung ist das nicht.

„Aus den Überläufen der Kleinkläranlagen wird rechtswidrig in den Regenwasserkanal der Gemeinde Beverstedt eingeleitet. Egal, welche Variante der Abwasserbeseitigung in Appeln zum Tragen kommen soll: eine Einleitungsgenehmigung in den Regenwasserkanal wird es nicht geben“, hatte Bürgermeister Ulf Voigts (parteilos) auf einer Bürgerversammlung Anfang Oktober erklärt. Somit blieben lediglich zwei Lösungsmöglichkeiten: der Kanalanschluss oder die Versickerung auf dem eigenen Grundstück.

Ein Anschluss an das zentrale Klärwerk in Beverstedt wäre die sinnvollste Lösung, hatte ein von der Verwaltung eingeschaltetes Ingenieurbüro bereits vor Monaten ermittelt. Daraufhin empfahl der Umweltausschuss im Juni einstimmig die Kanalisation für Appeln. Im Haushalt 2015 sollen dafür 1,7 Millionen Euro eingestellt werden. Weiter hatte sich der Ausschuss aber auch dafür ausgesprochen, über die Verwaltung per Machbarkeitsstudie die Variante einer Pflanzenkläranlage prüfen zu lassen.

Arbeitskreis warnt

„Wir Appelner sind motiviert, gemeinsam mit der Gemeinde und dem Landkreis langfristige, umweltfreundliche und kostengünstige Lösungen umzusetzen“, erklärt nun Wetjen-Holling. Dafür werde zunächst Zeit und auch Geld benötigt. Zeit hat der Landkreis mittlerweile in Aussicht gestellt: Er will bis zu fünf Jahren lang die Einleitung vom Dorfgraben in die Lune dulden, wenn der Einlauf über eine zu verlegende Leitung rund 300 Meter flussaufwärts verlegt wird.

Die Reinhaltung von Gewässern und Grundwasser habe oberste Priorität, darin sind sich die Appelner auch einig. Das geklärte Wasser aus den KKA solle Gräben und Lune so wenig wie möglich belasten. Zentrale Kläranlagen seien in ihrer Reinigungsleistung jedoch nicht besser, allerdings auf lange Sicht womöglich teurer und könnten zu einer „Kostenfalle“ führen. Allein für die Anschlussgebühr der überwiegend sehr großen Grundstücke könnten bis zu 18 000 Euro fällig werden, hatten die Bürger ausgerechnet.

Ebenso müsse die Gesamt-Abwasserproblematik von Haushalten, Landwirtschaft und Gewerbe im Blick behalten werden. „Appeln ist keine Insel“, fügt Seevers hinzu. Die im Ort festgestellten Mängel seien kreisweit sicher nicht einmalig. Appeln könne mit einem dezentralen Abwasserreinigungskonzept plus Gewässer-Renaturierung womöglich gar Modell-Region werden. Die Dorfgemeinschaft will jetzt eine Interessenvertretung benennen, die mit der Gemeinde Beverstedt und dem Landkreis weitere Gespräche führt.

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