Ausgleichsmaßnahmen überwiegend fern der Straßenbahntrasse / Nachdenken über Begrünungsmöglichkeiten

Kaum noch Bäume im Ortszentrum

Das Lilienthaler Ortsbild wird sich nach Fertigstellung der Straßenbahn maßgeblich verändert haben. Und das nicht nur wegen der neu hinzugekommenen Schienenstränge und Oberleitungsmasten: Im Zuge des Linie 4-Baus wurden rund 360 zum Teil stattliche Bäume gefällt. 500 neue sollen als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt werden, davon 170 entlang der Trasse, die übrigen 330 in Seitenstraßen oder an anderen Stellen in der Gemeinde. Im Ortskernbereich wird es aus technischen Gründen nur wenige neu gepflanzte
23.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Siegfried Deismann

Das Lilienthaler Ortsbild wird sich nach Fertigstellung der Straßenbahn maßgeblich verändert haben. Und das nicht nur wegen der neu hinzugekommenen Schienenstränge und Oberleitungsmasten: Im Zuge des Linie 4-Baus wurden rund 360 zum Teil stattliche Bäume gefällt. 500 neue sollen als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt werden, davon 170 entlang der Trasse, die übrigen 330 in Seitenstraßen oder an anderen Stellen in der Gemeinde. Im Ortskernbereich wird es aus technischen Gründen nur wenige neu gepflanzte

Lilienthal. Ein Gartenbaubetrieb aus der Nähe von Osnabrück, der bei der Ausschreibung die Nase vorn hatte, hat in diesen Tagen mit dem Pflanzen der ersten Bäume im Bereich der Borgfelder Flutbrücke begonnen. Diese Pflanzungen sind Teil der umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen, die im Zuge des Linie 4-Baus in den nächsten Tagen und noch bis Anfang Mai und dann wieder nach der Wachstumsperiode ab November umgesetzt werden, informierte auf Anfrage Jens Heinemann aus der Umweltabteilung der Gemeinde Lilienthal. Der kleinste Teil davon wird derzeit allerdings entlang der Trasse gesetzt, allein schon, um Beschädigungen an den Pflanzen zu vermeiden.

Gerade im innerörtlichen Bereich zwischen Tornéestraße und Konventshof gibt es aber überhaupt nur einige wenige Standorte, an denen neue Bäume gepflanzt werden. Und die kommen dann auch – bis auf zwei Linden im Bereich der Post – nicht direkt in die Erde. Schon bei den ersten Erdarbeiten im vergangenen Jahr hatte sich gezeigt, dass die Wurzeln einiger großer gefällter Bäume so manche Versorgungsleitung fest im Griff hatten. Im Zuge des Straßenneubaus seien nun zum Teil so viele neue Leitungen in die Erde gekommen, dass man vorsorglich nicht erneut Bäume pflanzen wollte, um zukünftige Beschädigungen zu vermeiden.

So wird laut Heinemann für den Bereich vor dem Netto-Markt noch überlegt, ob man vier bis fünf Bäume direkt in die Erde pflanzen kann oder doch vielleicht lieber ein etwa zwei mal 15 Meter großes Hochbeet anlegt, in das die Pflanzen eingesetzt werden. Dabei handelt es sich laut Heinemann um Bäume, die durchaus acht bis zehn Meter hoch werden können. Wie die Begrünung im Bauabschnitt III zwischen Feldhäuser Straße und Apothekenstraße später insgesamt aussehen könnte, darüber macht sich neben anderen Gestaltungselementen seit einiger Zeit auch eine Arbeitsgruppe mit Namen "Ortsverschönerung entlang der Linie 4" Gedanken, die aus Mitgliedern der Verwaltung und des Wirtschafts-Interessenrings (WIR) besteht.

Zu den Ausgleichsmaßnahmen, die aktuell fernab der Straßenbahntrasse bereits umgesetzt werden, gehören laut Heinemann die Anpflanzung von neun Birken an der Worpheimer Straße, von 30 Birken an der Westerweder Straße sowie die Anlage einer Obstwiese – der nunmehr dritten an der Lilienthaler Allee – hinter dem Friedhof Klosterweide. Dort sollen 190 hochstämmige Obstbäume gesetzt werden. 45 Eichen werden schließlich entlang des Jan-Reiners-Wegs zwischen Falkenberger Landstraße und Viehreihe gepflanzt.

Geplant ist zudem als weitere Ausgleichsmaßnahme die naturnahe Entwicklung eines Abschnitts der Wörpe in Richtung Grasberg. Zirka ein Kilometer nördlich von Heidberg soll das Gewässer hier aufgeweitet werden, um so neue Laichgebiete zu schaffen und zugleich Vernetzungen im Sinne des Arten- und Biotopschutzes zu erzielen.

Am anderen Ende des Ortes, an der Wümme-Brücke in Borgfeld, will man dem Otter, der dort laut Jens Heinemann auch mit sogenannten Trittsiegeln nachgewiesen werden konnte, ein bisschen das Leben erleichtern. "Der Otter ist da", hält Heinemann möglichen Skeptikern entgegen und skizziert den Plan, mit dem dem mobilen Vierbeiner der Wechsel aus Revieren im St. Jürgensland oder aus Fischerhude Wümme auf- oder abwärts erleichtert werden soll. Unter der Brücke am Borgfelder Landhaus soll als weitere Ausgleichsmaßnahme eine sogenannte Berme, sozusagen ein erhöhter Gehweg neben dem Flusslauf angelegt werden. Denn wenn der Otter auch ein begeisterter und guter Schwimmer ist, so scheint er Brücken lieber trockenen Fußes statt schwimmend zu unterqueren.

Kaum noch Bäume im Ortszentrum

Ausgleichsmaßnahmen überwiegend fern der Straßenbahntrasse / Nachdenken über Begrünungsmöglichkeiten

Zitat:

"Vielleicht legen wir

auch ein Hochbeet an,

statt die Bäume direkt in

die Erde zu pflanzen."

Jens Heinemann, Umweltabteilung

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