Frauen Union informiert sich bei Waldbesitzerin Dorothea von Rex-Gröning über die Forstwirtschaft

Kiefernholz für Häuser in den USA

Landkreis Osterholz. Holz aus dem Stoteler Wald wird nach Schweden, in die USA und nach China exportiert. Diese Information erstaunte die Teilnehmer des Waldspaziergangs, zu dem die Vorsitzende der Frauen Union unter dem Thema 'Betriebe in Frauenhand' eingeladen hatte. Ein gutes Dutzend Besucher erkundete zwei Stunden lang den Stoteler Wald und genoss dabei das strahlende Herbstwetter. Waldbesitzerin Dorothea von Rex-Gröning, deren Familie das Gebiet seit Generationen bewirtschaftet, führte die Gruppe und gab Auskunft über ökologische und ökonomische Aspekte der Forstwirtschaft.
15.10.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ilse Okken

Landkreis Osterholz. Holz aus dem Stoteler Wald wird nach Schweden, in die USA und nach China exportiert. Diese Information erstaunte die Teilnehmer des Waldspaziergangs, zu dem die Vorsitzende der Frauen Union unter dem Thema 'Betriebe in Frauenhand' eingeladen hatte. Ein gutes Dutzend Besucher erkundete zwei Stunden lang den Stoteler Wald und genoss dabei das strahlende Herbstwetter. Waldbesitzerin Dorothea von Rex-Gröning, deren Familie das Gebiet seit Generationen bewirtschaftet, führte die Gruppe und gab Auskunft über ökologische und ökonomische Aspekte der Forstwirtschaft.

Nach einem historischen Abriss über den Wald zu Zeiten der Allmendewirtschaft (früher Begriff für gemeinsam genutztes Gemeindegut) ging die Inhaberin des Dammgutes auf die nachhaltige Holzproduktion ein, die seit 200 Jahren von ihrer Familie betrieben wird. 60 Prozent der Waldfläche im Kreis Osterholz sei in privater Hand. Die Eigentümer seien zusammengeschlossen im Forstverband, der 648 zahlende Mitglieder habe. Daran sei erkennbar, wie kleinteilig die Besitzverhältnisse sind, so die Ritterhuderin. Wie groß ihr Wald ist, wollte sie nicht verraten. Aber die Familie habe stetig Flächen dazu gekauft. Dass Deutschland in Europa das waldreichste Land sei, erstaunte die Zuhörer.

Vor Stapeln gefällter Bäume lernten die Besucher, wie sich ein Festmeter errechnet und erfuhren, dass die roten Zahlen auf den abgelagerten Stämmen Menge und Klassifizierung des Holzes anzeigen. Wer mit Bäumen Geld verdienen möchte, muss einen langen Atem haben. Eine Eiche wächst 180 Jahre, bis ihr Holz verkauft werden kann. In der Zeit kann man drei Generationen von Fichten groß ziehen. Fazit: Laubholz ist zwar wertvoller, aber Nadelholz bringt schneller Geld und subventioniert so die Produktion von Laubholz. Pappelholz aus Dorothea von Rex-Grönings Wald wird in China zu Pressplatten verarbeitet. 'Wenn man das auf die 60 Jahre umrechnet, die eine Pappel braucht, bis sie reif zum Fällen ist, habe ich damit ein Minus gemacht', sagt sie. In die USA hat sie helles Kiefernholz für die Herstellung von Holzhäusern exportiert. Und Bäume aus dem Kreis Osterholz finden in der schwedischen Papierherstellung Verwendung.

Momentan werden im Stoteler Wald hauptsächlich Eichen (mit Ahorn und Hainbuche als Begleitbaum) gepflanzt. In mühsamer Handarbeit befreit man die jungen Bäume von Brombeerranken und schützt sie vor Wildverbiss. Zwei Drittel der Bäume habe ihr Vater selbst gepflanzt, erzählte die Waldexpertin. Anhand eines Tortendiagramms aus dem Forstbetriebsgutachten zeigte sie die Vielfalt der Baumartenverteilung: Fichten sind vorherrschend. Aber auch Eichen, Buchen und Douglasien stehen im Stoteler Wald. 'Wirtschaftlicher Erfolg funktioniert heute nur im Einklang mit der Natur', ist Dorothea von Rex-Gröning überzeugt. Beim Pflanzen müsse man heute schon berücksichtigen, welches Klima in 100 Jahren herrsche. 'Fichten zum Beispiel werden den Klimawandel nicht überleben', erläuterte sie.

Kahlschläge seien in Niedersachsen nur auf ein Hektar Größe zulässig. Ansonsten werde nur so viel Holz entnommen, wie wieder nachwachse. 'Nur der Sturm braucht keine Fällgenehmigung', so die Fachfrau. Im FFH-Gebiet (europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) an der Schönebecker Aue konnten die Waldwanderer 150 Jahre alte Eichen bewundern, die unter Vertragsnaturschutz stehen und nicht gefällt werden dürfen.

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